Eine geplante Ansprache Trumps vor der Veranstaltungshalle für all jene, die im Inneren keinen Platz gefunden hätten, wurde sogar gestrichen – vor der 19.000 Menschen fassenden Arena herrschte gähnende Leere. Die Zuhörer waren zwar begeistert, als Trump in gewohnter Manier rüde Attacken gegen politische Gegner fuhr und über seine eigene Arbeit schwärmte. Doch das konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Auftritt hinter den Erwartungen zurückblieb, die Trump selbst geschürt hatte.
Rund 100.000 Anhänger hatte sein Wahlkampfteam für Tulsa angekündigt. Der Präsident höchstselbst hatte vor wenigen Tagen auf Twitter verkündet, „fast eine Million Menschen“ hätten sich um Eintrittskarten für die kostenlose Veranstaltung beworben. Der Republikaner ist bekannt dafür, es mit Zahlen nicht so genau zu nehmen – und der Zahl seiner Zuhörer eine enorme Bedeutung beizumessen.
Doch ungeachtet der Teilnehmerzahl: Trump schien den Auftritt vor seinen jubelnden Anhängern zu genießen. Eindreiviertel Stunden lang heizte der Präsident seinen Zuhörer ein, verunglimpfte seinen demokratischen Herausforderer Joe Biden als senile „hilflose Puppe der radikalen Linken“, beschimpfte Demonstranten als „Anarchisten“ und „Plünderer“ und lobte seinen „phänomenalen Job“ im Umgang mit der Coronavirus-Pandemie – wohlgemerkt bei rund 120.000 Corona-Toten, der mit großem Abstand höchsten Zahl weltweit.
Der erste Wahlkampfauftritt Trumps seit Anfang März, als die Corona-Krise die USA mit voller Wucht getroffen hatte, gibt einen Vorgeschmack auf die kommenden Monate bis zur Wahl am 3. November. Der Republikaner setzt darauf, seine Basis zu mobilisieren und anzustacheln. Und wie schon bei der Präsidentschaftswahl 2016 spielen seine Großveranstaltungen eine zentrale Rolle.
Daran soll, wenn es nach Trump geht, auch die Corona-Krise nichts ändern. Gesundheitsexperten warnen unablässig, dass Wahlkampfauftritte mit tausenden Teilnehmern ideale Bedingungen für eine Ausbreitung des Virus bieten. Just vor dem Auftritt in Tulsa wurden sechs Mitarbeiter von Trumps Wahlkampfteam, die im Vorfeld in die Stadt gereist waren, positiv auf das Coronavirus getestet. Die wenigsten Trump-Anhänger trugen am Samstagabend Schutzmasken.
„Spektakel der Lügen und gefährlichen Ideen“
In einer Reihe von Bundesstaaten schnellen die Infektionszahlen derzeit nach oben. Doch während Biden noch abwartet, plant Trump schon die nächsten Wahlkampfauftritte in Arizona, Florida und North Carolina. Auf die steigenden Corona-Zahlen hatte Trump am Samstagabend eine Antwort parat: „Ich habe meinen Leuten gesagt: testet langsamer“ – schließlich würden mehr Tests zu mehr positiven Testergebnissen führen. Das Weiße Haus betonte umgehend, der Präsident habe einen Witz gemacht.
In den Tagen zuvor war Trump noch wenig nach Scherzen zumute gewesen. Binnen vier Tagen fügte ihm der Oberste Gerichtshof gleich zwei juristische Niederlagen zu; sein früherer Nationaler Sicherheitsberater John Bolton wartete mit einem Buch mit wenig schmeichelhaften Enthüllungen auf; und in Umfragen liegt der für sein Corona-Krisenmanagement und seinen Umgang mit den Protesten nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd viel kritisierte Präsident deutlich hinter Biden – sowohl landesweit als auch in mehreren Schlüsselstaaten.
Mit dem Auftritt in Tulsa wollte Trump, leere Ränge hin oder her, die Kehrtwende einleiten. „In fünf Monaten werden wir den schläfrigen Joe Biden besiegen“, rief er seinen Anhängern zu. Das Team des Ex-Vizepräsidenten reagierte umgehend: Trumps Wahlkampfauftritt sei ein „Spektakel der Lügen und gefährlichen Ideen“ gewesen. „Wir können Trump keine vier weiteren Jahre geben.“ (AFP)
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@GMD Eine 'geleakte' Version, also nix Bezahlung sondern gratis ;)
.. zum Abruf bereit.... gegen Bezahlung von ?
Besonders rentabel wird das Buch wohl nicht da es bereits jetzt als pdf online verfügbar ist ;)