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«Immer wieder von vorne beginnen»

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Eine Luxemburger Krankenpflegerin, Tessy Fautsch, war zwei Monate lang als medizinische Koordinatorin in der Hauptstadt Guineas, Conakry. Dort widmete sie sich dem Kampf gegen Ebola.

Tessy Fautsch, Luxemburger Krankenpflegerin mit großer Erfahrung in der Krisenmedizin, war für MSF („Médecins sans frontières“) zwei Monate lang als medizinische Koordinatorin in der Hauptstadt Guineas, Conakry, wo sie sich am Kampf gegen die Ebola Epidemie, die hier besonders heftig wütet, beteiligte.

Die offiziellen Zahlen, die MSF vorliegen, also mehr als 13.650 Infizierte und knapp 5.000 Tote, genügen der Wirklichkeit vor Ort nicht. Eine Einschätzung von 10.000 Toten sei angesichts der hohen Dunkelziffer schon eher realistisch. Viele der Erkrankten würden nicht erfasst und unter falscher Diagnose bestattet.

Die Arbeitsbedingungen in der Region sind äußerst schwierig, die internationale Hilfe kommt nur schleppend ins Rollen. Vor Ort ist kaum etwas von den versprochenen Hilfsaktionen des Westens zu sehen und es fehlt an praktisch allem, besonders aber an Personal.

Schwierigkeiten

Wer Afrika nicht kennt, für den ist es kaum nachvollziehbar, wie schwer sich die wirtschaftlich arme, von politischen Machtkämpfen geprägte Region um Guinea mit der Bekämpfung der Epidemie tut.

Allein die Sensibilisierungsarbeit der Bevölkerung ist schwierig. Viele glauben, die Epidemie sei von „den Weißen“ bewusst eingeschleppt worden. Helfer in astronautenähnlicher Schutzkleidung verbreiten oftmals Panik. Tessy Fautsch illustriert dies mit einem Beispiel einer Intervention in einem Dorf, wo die Helfer mit Desinfektionsmitteln (Chlor) anrückten. Es entstand eine Panik, die Dorfbewohner glaubten, statt das Virus zu bekämpfen, wollten die Helfer es versprühen. Acht Tote waren die Folge.

Aber auch in den urbanen Hilfszentren kommt der Kampf gegen das Virus kaum voran. Täglich werden die anstehenden Probleme zwischen den verschiedenen Organisationen vor Ort besprochen. „Wenn nach zwei Monaten Präsenz vor Ort immer noch die gleichen Fragen aufgeworfen werden, dann hat man das Gefühl, es geschehe überhaupt nichts“, so Fautsch, die trotz des permanenten Risikos einer Ansteckung demnächst wieder in die Region zurückkehren wird. Mehrere MSF-Mitarbeiter vor Ort sind bereits an der Epidemie erkrankt, einige haben ihr Leben gegeben.

Sterblichkeit

Es ist der Einsatz mit der höchsten Sterblichkeit unter dem ärztliches Personal in der jüngeren Geschichte der Medizin, fügt der Direktor von MSF Luxemburg, Paul Delaunois, hinzu. Manchmal habe sie schon Angst gehabt, so Tessy Fautsch, etwa als ein Helfer, mit dem die MSF-Mitarbeiter regelmäßig Kontakt hatten, erkrankte, als sie auf dem Heimweg von einem Kind angefasst wurde oder einfach nur nachts, wenn sie mit den Händen im Gesicht aufwachte, eine Geste, die in den Zentren absolut tabu ist.

Die Schwierigkeiten der Bekämpfung von Ebola vor Ort illustriert die MSF-Koordinatorin mit der Einrichtung einer zentralen Ebola-Notrufnummer in Guinea. Angehörige, die meinen, ein Familienmitglied sei erkrankt, sollen die 115 anrufen. Allerdings habe diese Notfallnummer während der ganzen zwei Monate, die Fautsch in der Region verbrachte, nie funktioniert. Verunsicherte Menschen würden sich so oft an einen der wenigen Ärzte im Lande wenden, die dann weiter vermitteln. Als besonders großes Problem sieht sie die mangelnde Personaldecke um Verdachtsfälle, bei denen die Krankheit nicht ausgebrochen ist, die aber Kontakt zu Ebola-Kranken hatten, medizinisch zu überwachen. Dieser Mangel an Kräften kann schnell viele Leben kosten …