Die Hilfsorganisation «Stëmm vun der Strooss», die sich um Menschen in Not kümmert, schlägt Alarm. Seit September des letzten Jahres hat die Anzahl der Essen, die von der Küche in Hollerich ausgegeben werden die 200er-Marke überschritten. Wenn man das Restaurant in der rue de la Fonderie durchquert bemerkt man sofort diesen Anstieg. Zwischen 11.00 Uhr und 14.00 Uhr geben sich dort die Bedürftigen die Klinke in die Hand, auf der Suche nach einer warmen Mahlzeit und etwas Ruhe. Das Personal kommt mit der Essensausgabe kaum hinterher.
Zahlen
2.697 Besuche wurden 2015 im Restaurant in Hollerich gezählt. 321 davon waren jünger als 25 Jahren und hatten deshalb kein Anrecht auf ein Mindesteinkommen (RMG). 60 Prozent waren Junggesellen. 80 Prozent der Gäste waren Männer. Jeweils 18 Prozent der Besucher waren Luxemburger oder Portugiesen. 15 Prozent waren Rumänen. Insgesamt wurden 86 Nationalitäten in Hollerich gezählt.
In Esch/Alzette wurden im letzten Jahr 1.046 Personen betreut. Hier waren 75 Prozent Männer und 60 Prozent Junggesellen. In Esch waren ebenfalls 18 Prozent Luxemburger, 23 Prozent waren Portugiesen und acht Prozent waren Rumänen. Im Süden wurden 53 verschiedene Staatsbürgerschaften gezählt.
In den letzten zwei Jahren hat sich die Frequentierung um satte 68 Prozent erhöht, erklärte die Direktionsbeauftragte der «Stëmm vun der Strooss», Alexandra Oxacelay am Mittwoch. 2013 wurden in Bonneweg «nur» 27.192 Mahlzeiten ausgegeben, 2014 waren es schon 38.883 und im letzten Jahr waren es im neuen Restaurant in Hollerich beeindruckende 45.722.
Größeres Angebot = größere Nachfrage
Die Steigerung der Besucher ist noch spektakulärer, mit 71 Prozent innerhalb von nur drei Jahren. 2013 wurden 1.570 Namen registriert. 2014 gab es einen Anstieg auf 1.703 Personen. Letztes Jahr explodierte die Besucherzahl jedoch und erreichte 2.697 Personen.
Und auch die Zahl der in den verschiedenen therapeutischen Ateliers angestellten Personen hat sich innerhalb der letzten zwei Jahre ebenfalls verdoppelt, von 25 auf 50.
Noch keine Lösung für das Raum-Problem
Die Gründe für diesen Anstieg seien vielfältig, wurde am Mittwoch erklärt. Zum einen hätte man einen allgemeinen Anstieg der Armut in Luxemburg festgestellt, zum anderen hätte der Umzug von Bonneweg nach Hollerich, wo laut «Stëmm vun der Strooss» die meisten Obdachlosen leben, diese Erhöhung mit sich gebracht. Dazu käme die Erweiterung des Hilfsangebots von «Stëmm vun der Strooss». In den größeren Räumlichkeiten würden jetzt neue gratis Dienstleistungen angeboten wie Duschen, ein Waschraum und ein Frisössalon, so Oxacelay.
Im September hat der massive Zustrom die Organisation jedoch vor Probleme gestellt, so Oxacelay. Auf die Betreuung von so vielen Menschen sei man nicht vorbereitet gewesen. Als Reaktion wurde ab Oktober die «Kleederstuff» provisorisch geschlossen. Es wurden neue Freiwillige rekrutiert, die im Restaurant aushalfen. Parallel mmachte man sich auf die Suche nach neuen Räumlichkeiten. Dort sollen 50 zusätzliche Mahlzeiten ausgegeben werden. Die Stadt Luxemburg habe bisher aber noch nicht auf das Bittschreiben der Vereinigung reagiert, so die Direktionsbeauftragte. Und auch beim Gesundheitsministerium konnte noch keine Lösung für das Raum-Problem gefunden werden. Das Ministerium half «Stëmm vun der Strooss» aber indem es der Organisation für 2016 einen neuen Posten bewilligte.
Die Wende
Im Dezember dann kam die Wende. Die Vereinigung «Laache fir ze heelen» unterstützte «Stëmm vun der Strooss» mit einem Scheck von 11.000 Euro. Mit diesem Geld konnte der Engpass in der Küche behoben werden. Auch die Betreuung der Gäste wurde verbessert. Die «Kleederstuff» öffnete wieder ihre Türen, so eine erleichterte Direktorin.
Die Zusammenarbeit mit «Laache fir ze heelen asbl» soll weitergeführt werden, so Marcel Detaille, der Präsident von «Stëmm vun der Strooss» und Fernand Neumann, der Vorsitzende von «Laache fir ze heelen». Der Erlös von Konzerten und Events, die von der Vereinigung des bekannten Musikers organisiert werden, soll teilweise oder ganz an «Stëmm vun der Strooss» überwiesen werden. Um diese Hilfe sichtbar zu machen, wird Fernand Neumann einen Wagen für seine Geschäftsfahrten benutzen, der die Logos der beiden Organisationen trägt.
Was die Zukunft betrifft, so erwartet sich Alexandra Oxacelay nach dem Abflauen der Besuche bei «Stëmm vun der Strooss» im Dezember ab März wieder eine Erhöhung der Besucherzahlen. Dann ende nämlich die «Wanteraktioun» des Roten Kreuzes, der Caritas und von Inter-Actions.
Zu Demaart
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