Mittwochmittag, der Bahnhof von Petingen. Ein junger Mann mit einem kleinen Bart steigt aus dem Zug und will Richtung Ausgang gehen. Plötzlich springen mehrere Männer auf ihn los und überwältigen ihn innerhalb weniger Sekunden. Handschellen klicken. Er bekommt seine Rechte vorgelesen. Die Beamten der Spezialeinheit USP nehmen ihm seine Hausschlüssel ab. Der junge Mann wird zur Vernehmung abgeführt.
Fast zeitgleich wird das Zentrum von Petingen abgeriegelt. Place de marché und die Rue Jean-Baptiste Gillarin sind dicht. Überall Polizei und Männer des Sondereinsatzkommandos. Sie haben ein Ziel: Das Café «Hacienda». Mehrere Geschäfte und ein Versicherung werden evakuiert. Dann stürmt die USP mit Hunden die Kneipe. Die schockierten Gäste werden einzeln gefilzt. Derweil steigen Beamte im Treppenhaus in den ersten Stock und öffnen mit dem Schlüssel des Verdächtigen sein Einzimmer-Studio.
«Geschwätz»
Alles wird auseinandergenommen. Die Gäste werden aus der Kneipe verfrachtet. Dies diene der eigenen Sicherheit, heißt es. Fast drei Stunden wird mit Hilfe von Zielfahndern der Kriminalpolizei das Zimmer auf den Kopf gestellt. Dann ziehen sie ab.
«Albulane» wird der Festgenommene hier in der Kneipe genannt. Er wird als wirre Person bezeichnet. «Ist er nüchtern sei er ein bekennender Katholik. Ist er betrunken, sei er ein gläubiger Moslem,» erzählt der Besitzer der Kneipe. Der 27-jährige Mann kommt wohl aus Albanien. Lebt aber seit Jahren in Luxemburg. Vor nicht all zu langer Zeit sei er in ein Zimmer in einem Seitentrakt der Kneipe gezogen. Bis auf sein «Geschwätz» sei er unauffällig gewesen. Der Wirt spricht von familiären Problemen.
Delikte?
«Albulane» wird nach einer mehrstündigen Vernehmung wieder auf freien Fuß gesetzt. Aus Mangel an Beweisen, heißt es am Donnerstag zunächst von der Justiz. Am Nachmittag platzt die Bombe. Nach langem hin und her bestätigt Staatsanwalt Georges Oswald gegenüber RTL, dass es in dem Fall einen islamistischen Hintergrund gibt. «Gegen den Mann werde wegen Waffendelikte und Aufruf zum Hass ermittelt,» so Oswald. Waffen-«Delikte»? Reicht dies für einen islamistischen Hintergrund, kann man sich jetzt natürlich fragen. Die Beweislage wirkt irgendwie dünn.
Obwohl der 27-Jährige wieder auf freiem Fuß ist, bleibt er im Visier der Ermittler. Der Mann wird überwacht. Das bestätigte auch der Kneipenbesitzer. Er spricht von geparkten Fahrzeugen vor der Kneipe. «Die wechseln sich hier alle paar Stunden ab. Ein Fahrzeug fährt weg, das nächste stößt in die Parklücke. Es sind immer zwei in dem Fahrzeug,» sagt er und zieht dabei nervös an einer Zigarette. Er versteht den ganzen Aufwand nicht. Er hat Angst, dass ihm die Kundschaft ausbleibt.
Zu Demaart





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