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Fußpilz zum Anfassen

Fußpilz zum Anfassen
(dpa/Symbolbild)

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Ob Mikroben beim Küssen oder Pilze auf der Ferse. In Amsterdam gibt es jetzt den weltweit ersten "Zoo" für Mikroben.

Das interaktive Museum Micropia zeigt seit 30. September die Kleinstlebewesen, die zwei Drittel aller lebenden Materie ausmachen, unser Überleben sichern und eine wichtige Rolle in vielen Zukunftstechnologien spielen. Das Zehn-Millionen-Euro-Projekt neben dem Amsterdamer Artis Royal Zoo entstand auf Initiative von Artis-Direktor Haig Balian. Von der Idee bis zur Eröffnung vergingen zwölf Jahre. «Zoos neigen traditionell dazu, nur einen kleinen Teil der Natur zu zeigen, und zwar die größeren Tiere», so Balian. «Heute wollen wir die Mikro-Natur ausstellen.»

Laut Balian wird die Bedeutung der Mikroben in unserem täglichen Leben unterschätzt, seit der niederländische Wissenschaftler Antonie van Leeuwenhoek die mikroskopisch kleinen Wesen im 17. Jahrhundert entdeckte. Oft werden Mikroben mit Krankheiten in Verbindung gebracht, durch Viren, Bakterien, Pilze und Algen. Balian betont jedoch, sie seien wesentlich für unser Überleben und spielten eine immer größere Rolle für die Menschheit und die Zukunft des Planeten. «Mikroben sind überall. Wir brauchen deshalb Mikrobiologen für jeden Sektor: In Krankenhäusern, Lebensmittelproduktion, Ölindustrie und Pharmazeutika, zum Beispiel», sagt er.

Alles verbunden

Schon jetzt werden Mikroben zur Herstellung von Biobrennstoffen, zur Entwicklung neuer Arten von Antibiotika und zur Verbesserung von Ernteerträgen eingesetzt. Experimente zeigten ihr Potenzial bei der Energieerzeugung, dem Bau stärkerer Fundamente bis zur Heilung von Krebs. «Wenn wir die Wissenschaft der Mikrobiologie im Dunkeln halten und sie lediglich einigen Fachleuten überlassen, dann wird sich das Interesse daran nie entwickeln», sagt Balian. «Wir wollen Besuchern zeigen, wie alles in der Natur miteinander verbunden ist und wie wesentlich die Mikroben daran beteiligt sind.»

Jeder menschliche Körper trägt rund 1,5 Kilogramm Mikroben in sich – ohne sie würden wir sterben. Ein großer Teil des Museums ähnelt einem Labor mit Reihen von Mikroskopen, die an riesige Fernsehschirme angeschlossen sind. Durch ein Fenster sehen die Besucher auch in ein echtes Labor, wo in Petrischalen und Reagenzgläsern verschiedene Arten von Mikroben gezüchtet werden. Im Aufzug zum ersten Stock ist auf einem Bildschirm ein extrem vergrößertes Auge zu sehen samt den winzigen Organismen unter unseren Lidern: Zunächst sind Milben erkennbar, dann zoomt die Kamera auf die Bakterien der Milben und schließlich auf ein Virus der Bakterien.

«Kiss-o-Meter»

Dank eines speziell fürs Museum konstruierten 3-D-Mikroskops sehen die Gäste, wie sich Mikroben vermehren. Auch ein Modell des Ebola-Virus, der zurzeit in Westafrika wütet, ist ausgestellt. Ein Mikrobenscanner zeigt jedem Besucher sofort an, wie viele der winzigen Lebewesen auf seinem Körper leben und wo. Unter einem «Kiss-o-Meter» erfahren Verliebte, wieviele Mikroben während eines Kusses übertragen werden. «Wussten Sie zum Beispiel, dass in ihrem Mund 700 Arten von Mikroben leben?», fragt Balian lächelnd. «Oder 80 verschiedene Pilze auf Ihrer Ferse? Ein Besuch bei Micropia wird Ihre Sicht der Welt für immer verändern.»