Wahrheit kann sich mit der Perspektive des Betrachters ändern, schreibt Dramaturg Marc Limpach in seinem Vorwort zur neuen Spielzeit des Kasemattentheaters. Wie wahr dieser Satz ist, hat das kleine Theater in Bonneweg in den letzten Monaten am eigenen Leib erfahren.
Die Gerüchte, dass sowohl Germain Wagner als künstlerischer Leiter als auch Germaine Goetzinger als Präsidentin des Verwaltungsrates zurückgetreten seien, haben sich bestätigt. Welche die Beweggründe dafür sind und was von ihnen zu halten ist, tja, darüber streiten sich die Geister, zumal das Kasemattentheater nicht offiziell über die personellen Veränderungen kommuniziert und nun ohne künstlerischen Leiter da steht.
«Garant für spannendes»
Für manche ist diese Entwicklung ein klarer Rückschritt. Ein Theater ohne künstlerischen Leiter wirke der doch immer so geforderten Professionalisierung der Theaterszene Luxemburgs entgegen, sagen die einen. Zumal sich recht wenige wirkliche Theatermenschen im Team sowie im Verwaltungsrat befänden …
Andere wiederum argumentieren, es ginge dabei doch nur um Titel; das Kasemattentheater habe noch nie hierarchisch, sondern immer im Kollektiv funktioniert. Und das sei auch gut so! Mit 60 partizipierenden Künstlern und 16 Veranstaltungen werde das Kasemattentheater auch in diesem Jahr alles geben, um seinem Auftrag gerecht zu werden, «ein Garant für spannendes, erfrischendes, kritisches und literarisches Theater zu sein», wie Lex Weyer, Präsident des Verwaltungsrates, im Programmheft schreibt.
«Off-Theater»
Blickt man nun in das Programm der kommenden Spielzeit, dann kann man eine gewisse Kontinuität feststellen: Ein mehr oder weniger eng gefasstes Motto – im letzten Jahr Migration, in diesem Jahr das existentielle Fragen nach Freiheit, nach Mut, nach Selbstbestimmung –, viele Theaterkoproduktionen mit anderen Häusern des Landes, noch mehr Lesungen und ein bisschen Musik. Dazu altbekannte und sich in den letzen Jahren bewährte Namen auf sowie hinter der Bühne.
Ein Off-Theater, das sicher einige Fragen aufwirft, sich aber auch selbst auf die Fahne geschrieben hat, das Ringen um Antworten niemals aufzugeben.
Zu Demaart
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