Der deutsche Innenminister Thomas de Maizière und Entwicklungsminister Gerd Müller beklagen, in der EU verteile sich die große Mehrheit der Asylbewerber auf Deutschland und drei, vier weitere Staaten. Stimmt das?
Im ersten Quartal 2014 haben rund 108.300 Flüchtlinge in den 28 EU-Staaten um Asyl gebeten. Davon meldete sich der Löwenanteil – nämlich 36.890 oder gut ein Drittel – in Deutschland, wie die Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg berichtet. Damit steht unser Nachbar EU-weit an der Spitze. Den zweiten Platz belegt Frankreich mit 15.885, gefolgt von Schweden mit 12.945 und Italien mit 10.700 Bewerbern.
Luxemburg vorne dabei
Aussagekräftiger ist aus Sicht vieler Experten aber, die Asylbewerberzahlen ins Verhältnis zur Größe der Bevölkerung zu setzen. Den höchsten Flüchtlingsanteil hat laut Eurostat aktuell Schweden. Hier wurden von Januar bis März 1355 Bewerber pro eine Million Einwohner gezählt. Deutlich dahinter rangieren Luxemburg (500), Malta (475), Deutschland (460) sowie Belgien (455) und Zypern (445). Noch viel geringer ist die Quote etwa in Portugal (5) sowie in der Slowakei und Estland (jeweils 15). Italien, wo zuletzt Massen an Bootsflüchtlingen angelandet sind, liegt dabei mit 180 Asylbewerbern pro eine Million Einwohner nur im Mittelfeld.
Die krassen Unterschiede erklären sich vor allem daraus, dass es in Europa derzeit kein Verteilsystem nach festen Schlüsseln gibt. In der EU gilt die Regel, dass jenes Land für einen Asylbewerber zuständig ist, in dem dieser zuerst europäischen Boden betritt.
Schlechte Unterbringung
Diskutiert werden daher seit langem feste Kontingente innerhalb der EU. Dabei könnte aus Sicht von Experten nicht nur die Bevölkerungsgröße als Kriterium zählen, sondern auch die Wirtschaftskraft, die Fläche oder die Arbeitslosenquote berücksichtigt werden.
Zurzeit drängen viele Flüchtlinge, die in Spanien, Italien und Griechenland ankommen, nach Norden. Ein Grund ist die oft beklagenswert schlechte Unterbringung der Menschen in den Mittelmeerstaaten sowie die lange Dauer der meisten Verfahren.
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