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Finger am Abzug

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Der tödliche Schuss im Munitionsdepot im November 2012 wirft viele Fragen auf. Antworten zu finden ist schwer. Von Machenschaften in der Armee ist die Rede.

Anwalt Alex Krieps verteidigt den Angeklagten David B. vor Gericht. Er ist alles andere als zufrieden mit der juristischen Aufarbeitung des Falles. Es gebe überhaupt keine Handhabe, was sich da am 5. November 2012 im Munitionsdepot Waldhaff abgespielt habe, betont Krieps in einer Pause. Er zitiert aus den Unterlagen der Ermittler. Von «Machenschaften innerhalb der Armee» ist da die Rede.

Logo" class="infobox_img" />Unteroffizier César Ferreira zeigte dem Gericht im Detail die Funktion der Waffe Steyr Aug sowie die vorschriftsmäßige Handhabung.

Er stellt auch ganz klar die Kompetenz der Waffenexperten aus Belgien und Frankreich in Frage. Beide sagten am Dienstag vor Gericht aus. Laut Krieps wurden die Expertisen von der «chambre criminelle» in der «Luft zerrissen» und nicht
ernst genommen. Es reichte also nicht für einen Mord. Der Fall landete unter anderem deswegen vor dem «tribunal correctionnel». Aus Mord wurde unfreiwilliger Mord. David B. drohen im schlimmsten Fall zwei Jahre Haft. Richter Prosper Klein kann den Prozess schnell auffliegen lassen, sollte der Fall die Kompetenz der Instanz überschreiten. Dann müsste alles wieder auf Anfang.

Handhabung

Der zweite Verhandlungstag war sehr technisch und bestand aus zahlreichen Hypothesen. Es ist nicht üblich, dass vor Gericht ein Schnellfeuergewehr ausgepackt wird. Unteroffizier César Ferreira zeigte dem Gericht im Detail die Funktion der Waffe Steyr Aug sowie die vorschriftsmäßige Handhabung. Der Angeklagte David B. ist Linkshänder. Die Wache in der Woche um den 5. November 2012 verrichtete er allerdings mit einer Waffe für Rechtshänder. Vier Kontrollgänge machte er mit der Waffe. Nach dem vierten Rundgang fiel der tödliche Schuss auf der Wache.

Die beiden Waffenexperten aus Belgien und Frankreich konnten keine Mängel an der Dienstwaffe von B. feststellen. Auch bei der Handhabung für einen Linkshänder dürfte es eigentlich keine Probleme geben. Dem Gericht wurden Fotos von der möglichen Position des tödlichen Schusses gezeigt. Mit dem Angeklagten wurden in dem Wachlokal im Munitionsdepot Waldhaff die dramatischen Sekunden vom 5. November 2012 nachgespielt. Die Fotos zeigen einen engen Raum mit einem Sessel auf der Seite an einem Fenster. Der Schütze konnte nur aus einer Hüftposition geschossen haben, glaubt man der eingezeichneten Flugbahn und den Aussagen der Experten. B. schoss bewußt oder unbewußt aus weniger als einem Meter auf Laurent Thommes.

«Gespielt»

Unteroffizier Mike Rach war damals als Zugführer für den verstorbenen Laurent Thommes und B. verantwortlich. Vor Gericht bestätigte er, dass es in der Vergangenheit mehrmals vorkam, dass sich Schüsse aus einer Waffe lösten. Allerdings in eine dafür vorgesehene Schusstonne. Daraufhin seien die Wachregeln verschärft worden, sagt Rach. Er war an dem Abend nicht im Munitionsdepot. Er erfuhr aus den
Abendnachrichten von dem «Unfall». Rach spricht von Vernachlässigung der Pflichten. Er erklärte dem Gericht, wie die Soldaten in den Wachdienst eingewiesen werden. Er spricht von Ortsbesichtigungen im Palais und Waldhaff. Diese fanden zwei Monate vor dem tödlichen Schuss statt.

Auf die Frage von Richter Prosper Klein, wie eine Kugel in den Lauf der Waffe kommen konnte, hatte der Unteroffizier keine Antwort. Er kann sich auch nicht erklären, wie es zu dem laschen Waffen-Umgang damals kam. Laut Klein musste jemand mit der Waffe gespielt haben. Entsprechende Kratzer an der Munition im Magazin weisen daraufhin.

Richter Klein: «Hatten Sie den Eindruck, dass sich etwas nach dem Fall geändert hat?» Antwort Rach: «Nach dem Vorfall war man aufmerksamer. Schriftlich dazu gab es aber nichts.» Rach spricht von gut ausgebildeten Soldaten. Sie hatten in den Monaten vor dem tödlichen Schuss an militärischen Übungen in Belgien und Deutschland teilgenommen. Zudem hatten Thommes und B. bereits einen Auslandseinsatz im Kosovo hinter sich.

Am Mittwoch geht die Befragung von ehemaligen Vorgesetzten – darunter ein Offizier – weiter.