Laut nationalem Bericht über Armutsrisiko in Luxemburg galten 2009 14,9 Prozent der Bevölkerung als armutsgefährdet. Nimmt man jedoch EU-Berechnungen zur Grundlage, waren es 17,8 Prozent. Der Unterschied erklärt sich aus der unterschiedlichen Berechnungsweise. Wird in Luxemburg lediglich das Einkommen als Grundlage genommen, man spricht hier von relativer Armut, berücksichtigen die EU-Statistiker ebenfalls materielle Entbehrungen der Haushalte. Drittes Kriterium ist die Beschäftigung der Erwachsenen im Haushalt.
Die relative Armut wird auf aufgrund des Einkommens berechnet. Armutsgefährdet ist der Haushalt, dessen Einkommen aus Erwerbstätigkeit und Sozialtransfers wie Kindergeld und andere staatliche Unterstützung unter 60 Prozent des Median-Einkommens liegt. Der Median-Wert teilt die Bevölkerung in zwei gleich große Gruppen: Die eine Hälfte verdient mehr als den Median-Betrag, die andere weniger. 2009 waren in Luxemburg 14,9 Prozent der Haushalte armutsgefährdet.
Auf den neuen Indikator zur Berechnung der Armut und des sozialen Ausschlusses haben sich die EU-Mitglieder im Rahmen der Strategie EU-2020 geeinigt. Diese sieht vor, bis 2020 europaweit rund 20 Millionen Bürger aus der Armut zu führen. Als arm gilt laut EU-Definition, wer mindestens eines der drei Kriterien nicht erfüllt.
Das Problem mit der Miete
Neu ist, dass nicht nur das Einkommen des Haushaltes berücksichtigt wird. Als arm gilt laut EU auch, wer aus Geldmangel nicht in der Lage ist:
– die Miete oder laufende Rechnungen zu zahlen,
– die Wohnung zu beheizen,
– unvorgesehene Ausgaben zu tätigen,
– jeden zweiten Tag Fleisch oder Fisch zu verzehren,
– sich einen einwöchigen Urlaub außerhalb der eigenen Wohnung zu leisten,
– einen PKW,
– eine Waschmaschine,
– einen Farbfernseher,
– ein Telefon zu besitzen. Wer bei vier dieser neun Punkte ein Problem meldet, gilt als arm.
Als arm schließlich gilt auch, wer in einem Haushalt lebt, wo die Erwachsene im verflossenen Jahr kaum erwerbstätig waren.
In Luxemburg sei die Armut aufgrund materieller Entbehrungen mit 1,1 Prozent der Bevölkerung eher gering, stellt Statec in einer rezenten Studie zum Armutsindikator fest. Das erkläre den doch eher kleinen Unterschied zwischen den zwei Bewertungen des Armutsrisikos: 14,9 Prozent und 17,8 Prozent.
Mit seinen 17,8 Prozent liegt Luxemburg unter dem EU-Durchschnitt (23,1 Prozent). Auch im Vergleich zu seinen unmittelbaren Nachbarn schneidet das Land gut ab. In Belgien wurde 2009 20,2 Prozent der Bevölkerung als armutsgefährdet eingestuft, in Frankreich 18,4 Prozent und in Deutschland 20 Prozent. Am härtesten trifft es Bulgarien mit 46,2 Prozent und Rumänien mit 43,1 Prozent.
Von Platz 12 auf Platz 7
Der EU-Armutsindikator verbessert Luxemburgs Platzierung in der EU-Rangliste. Positionierte es sich bei der relativen Armut auf Platz 12, rückt es aufgrund der EU-2020-Kriterien auf Platz 7.
Bedenklich stimmen müsste, dass auch in Luxemburg der Anteil der Armen zwischen 2008 und 2009 gestiegen ist: von 15,5 auf 17,8 Prozent.
Zu Demaart
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