Sonntag25. Januar 2026

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Fast 1,4 Millionen Kindern droht der Hungertod

Fast 1,4 Millionen Kindern droht der Hungertod
(Kate Holt)

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Wegen Mangelernährung droht knapp 1,4 Millionen Kindern in den Ländern Nigeria, Somalia, Südsudan und Jemen nach Unicef-Angaben der Hungertod.

«Für mehr als eine Million Kinder läuft die Zeit ab», sagte der Geschäftsführer des UN-Kinderhilfswerks, Anthony Lake, am Dienstag. «Noch können wir Leben retten.» Die schwere Mangelernährung und die sich abzeichnende Hungersnot seien von Menschen verschuldet.

Im Jemen, in dem seit zwei Jahren Krieg herrscht, leiden demnach rund 462 000 Kinder unter akuter Mangelernährung – ein Anstieg von fast 200 Prozent seit 2014. Im Nordosten Nigerias seien 450 000 Kinder betroffen. Im vom Bürgerkrieg zerrissenen Südsudan litten mehr als 270 000 Kinder unter schwerer Mangelernährung, in Somalia derzeit rund 185 000. Diese Zahl könne aber in den kommenden Monaten auf 270 000 steigen.

Menschlichkeit

«Unsere gemeinsame Menschlichkeit verlangt schnellere Handlungen», sagte Lake. «Wir dürfen die Tragödie der Hungersnot am Horn von Afrika 2011 nicht wiederholen.» In folge von Dürre und Konflikten litten damals Millionen von Menschen in Somalia, Äthiopien und Kenia unter einer Hungersnot.

«Hunger ist ein tragisches aber zugleich vermeidbares Leid», sagte der entwicklungspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Uwe Kekeritz. «Die internationale Staatengemeinschaft steht in der Verantwortung und muss wenigstens das schlimmste Leid lindern.»

Auch die Welthungerhilfe kritisierte: «In Zeiten von Afrikagipfeln und einem geplanten Marshallplan für den Kontinent dürfen wir keine Hungertoten hinnehmen», sagte der Vorstandsvorsitzende Till Wahnbaeck. Die Organisation versorgt derzeit nach eigenen Angaben in dem von Hungersnot betroffenen Unity State im Südsudan rund 350 000 Menschen.

Gewalt

Alle vier Länder sind von Konflikten und Gewalt geprägt. Im jüngsten Staat der Welt, Südsudan, herrscht seit 2013 ein Bürgerkrieg. Etwa 3,4 Millionen der rund 12 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Unicef rechnet nach eigenen Angaben damit, dass die Zahl der Bürger, die durch die Hungersnot betroffen sind, von 4,9 Millionen auf 5,5 Millionen steigen wird, falls nichts unternommen werde.

Auch im Jemen herrscht ein verheerender Bürgerkrieg. In dem seit Anfang 2015 andauernden Konflikt sind bislang mindestens 7000 Menschen getötet und mehr als zwei Millionen vertrieben worden. 19 Millionen Menschen sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Al-Shabaab

Somalia steckt seit 1991 scheinbar in einem Kreislauf aus Gewalt, Flucht und Hunger. Die islamistische Terrororganisation Al-Shabaab kämpft um die Vorherrschaft in dem Land. Zudem sei Somalia von Dürre bedroht, berichtete Unicef. Fast die Hälfte der Bevölkerung, knapp 6,2 Millionen Menschen, seien einer akuten Lebensmittelunsicherheit ausgesetzt und bräuchten Hilfe.

Nigeria wird immer wieder von Gewalttaten der islamistischen Terrororganisation Boko Haram heimgesucht. Mehr als zwei Millionen Nigerianer sind vor der Gewalt geflohen. Im Nordosten sind der UN zufolge fünf Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen, rund zwei Millionen von ihnen gelten bereits als mangelernährt.