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Niemand will es gewesen sein

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Fortsetzung im Prozess rund um den Überfall vom 5. März 2011 auf das Casino 2000 in Mondorf. 85.000 Euro konnten die Täter erbeuten. Zwei Beschuldigte müssen sich nun verantworten.

Laut den Erkenntnissen der Polizei waren die Täter zu fünft. Einer wartete im Fluchtauto, einem BMW M3, und die anderen vier haben das Casino 2000 überfallen. Die Täter seien, laut den Ermittlern, sehr professionell vorgegangen. Sie hätten das Casino mit einem Vorschlaghammer, einer Kalaschnikow und drei Revolver betreten. Zwei von den mutmaßlichen Tätern sitzen nun auf der Anklagebank in Luxemburg. Ein Dritter sitzt zur Zeit in der Nähe von Lyon in Untersuchungshaft. Ihm wird vorgeworfen, einen Juwelierladen überfallen zu haben. Sowohl die luxemburgischen als auch die französischen Behörden gehen davon aus, dass eine ganze Bande von rund 20 Personen verantwortlich für zahlreiche Casinoüberfälle in Europa ist. Von den beiden anderen, die am Überfall in Luxemburg beteiligt waren, fehlt bisher jede Spur.

Gibt es einen Zusammenhang?

In der Verhandlung vom Dienstag erklärte der Angeklagte J., dass er zusammen mit drei Freunden am 1. April 2011 von Lyon nach Brüssel mit dem Zug gefahren sei. Hier sollte er sich auf einem Parkplatz mit einem Kleiderhändler treffen. „Dieser sollte uns gefälschte Markenkleider verkaufen“, so J. Es ist jedoch ein Zufall, dass auf demselben Parkplatz auch den Audi S8 und den BMW M3 gefunden wurden. Auch ein Zufall ist es, dass sich in der Nähe dieses Parkplatzes ein Casino befindet. Man stellt sich nun die Frage, ob der Angeklagte tatsächlich mit seinen Freunden mit dem Zug nach Brüssel gefahren ist um gefälschte Kleidung zu kaufen oder mit den beiden Autos nach Mondorf um das Casino zu überfallen. Hinzu kommt, dass am Audi Luxemburger Nummernschilder angebracht waren, die in Bettemburg geklaut worden waren. pha

Am Dienstag war zuerst eine Gutachterin an der Reihe, die den Fluchtwagen auf mögliche DNA-Spuren der beiden Angeklagten untersuchte. Laut der Expertin wurden im Fluchtwagen sowohl am Lenkrad, als auch am Sicherheitsgurt und an der Handbremse DNA-Spuren vom Angeklagten J. gefunden. Der BMW M3 wurde nach dem Überfall in der Nähe von Metz gefunden. Die Täter hatten versucht, den Wagen in Brand zu stecken. Die Gutachterin untersuchte ebenfalls einen anderen Wagen, einen Audi S8, der als Fluchtwagen bei einem Überfall in Brüssel gedient haben soll. Auch hier wurden DNA-Spuren von J. gefunden.

Mit einem Vorschlaghammer

Der Verantwortliche von einem der Black-Jack-Tischen an dem Abend des Überfalls, trat in den Zeugenstand. Er erklärte, dass der Abend eigentlich normal verlaufen sei. „Kurz vor 2.00 Uhr gab es einen lauten Knall und ich sah wie eine Person mit einem Vorschlaghammer auf das Schutzglas der Kasse einschlug. Ich hatte bei dem Überfall nur eine große und eine kleinere Person gesehen. Nachdem die Fensterscheibe der Kasse zerbarst, konnten die Täter etwas Geld klauen. Ich hörte noch wie gesagt wurde ‚Il n’y a pas de tune dans votre Casino de merde’. Anschließend haben die Täter das Casino fluchtartig verlassen“, so der Zeuge. Zu bemerken ist, dass es sich beim Angeklagten J. um eine große und beim Beschuldigte M. um eine etwas kleinere Person handelt.

Danach trat der Beschuldigte J. in den Zeugenstand. Er gab an, nichts mit dem Überfall in Mondorf zu tun zu haben. Auf die Frage der Vorsitzenden der Kriminalkammer, Sylvie Conter, wie er sich die DNA-Spuren im BMW M3 erklären würde, gab der Angeklagte an: „Der Wagen stand auf einem Parkplatz in Villeurbanne (ein Vorort von Lyon). Die Türen waren nicht abgeschlossen. Nachdem ich das kaputte Zündschloss sah, dachte ich mir, dass es sich um einen gestohlenen Wagen handeln muss. Ich wollte nur die Felgen klauen und brachte den Wagen auf einen anderen Parkplatz, deswegen wurde meine DNA im Auto gefunden“, so der Mann.

«Ein anständiges Leben»

Die Richterin antwortete daraufhin, dass sie diese Geschichte nicht glauben kann. Der Angeklagte erklärte ebenfalls, dass er den anderen Beschuldigten nicht kennen würde. „Zum Tatzeitpunkt war ich 31 Jahre alt und bin Vater von zwei Kindern. In dem Alter überfällt man keine Casinos, sondern man führt ein anständiges Leben“, so J.

Auf weitere sehr präzise Fragen des Gerichts konnte der Angeklagte keine Antworten geben. Man hatte den Eindruck, dass J. ständig versuchte, das Gericht zu belügen. Es ging sogar so weit, dass die Vertreterin der Staatsanwaltschaft, Martine Wodelet manchmal schmunzeln musste. Am Mittwoch soll der Prozess voraussichtlich abgeschlossen werden.