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Eurozone nicht mehr am Pranger

Eurozone nicht mehr am Pranger

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Die Wirtschaft läuft runder, aber aufatmen können die 188 IWF-Staaten bei ihrer Jahrestagung nicht. Andere Probleme haben die Euroländer aus dem Fokus gedrängt. Zu den neuen Sorgenkindern zählen die Amerikaner und ehemalige Boom-Länder.

Die Weltwirtschaft bleibt trotz ermutigender Signale im Krisenmodus. Der ungelöste US-Haushaltsstreit führte beim Jahrestreffen des Internationale Währungsfonds (IWF) und der Weltbank am Wochenende in Washington zu Befürchtungen über neue globale Turbulenzen. Zu den Risiken für die Weltkonjunktur gehörten nach Ansicht der 188 versammelten Finanzminister und Notenbankchefs auch die Ungewissheit über die künftige Geldpolitik der amerikanischen Notenbank und die Probleme der aufstrebenden Volkswirtschaften.

«Die globale Erholung geht weiter. Das Wachstum bleibt aber verhalten und Abwärtsrisiken bestehen weiter, mit einigen neu auftauchenden Risiken», hieß es in der Abschlusserklärung des IWF-Lenkungsausschusses am Samstag. Eine klare Warnung ging an die Adresse der Amerikaner: «Die Vereinigten Staaten müssen dringende Maßnahmen ergreifen, um die kurzfristigen finanziellen Unsicherheiten anzugehen.»

Kein selbstverständliches Renommee

US-Finanzminister Jack Lew räumte ein, sein Land setze seine Rolle als «Anker des internationalen Finanzsystems» aufs Spiel «Die USA können dieses hart verdiente Renommee nicht als selbstverständlich betrachten», sagte er laut einem Redetext.

Es wurde aber davon ausgegangen, dass der US-Kongress die Schuldengrenze des Landes rechtzeitig erhöht, um die sonst zum 17. Oktober drohende Zahlungsunfähigkeit und möglicherweise folgende schwere Schäden für die Weltwirtschaft zu vermeiden. «Es ist undenkbar, dass keine Einigung gefunden wird», sagte auch der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi.

Vorsicht ist geboten

Für Debatten sorgte die in Aussicht gestellte Kehrtwende der US-Notenbank weg von ihrer Billiggeld-Politik. Der IWF bekräftigte seinen Ruf nach einem behutsamen Vorgehen. «Der letztliche Übergang zu einer Normalisierung der Geldpolitik sollte zeitlich gut abgepasst, vorsichtig justiert und klar kommuniziert werden», hieß es in dem Abschlusspapier. Sorge besteht vor allem vor Turbulenzen auf den Finanzmärkten der aufstrebenden Länder, die durch Zinserhöhungen in den USA mit dem Abfluss von Investitionskapital rechnen müssen.

Gewarnt wurde in dem Zusammenhang vor einer stärkeren Abstimmung unter den Notenbanken. Entsprechende Forderungen etwa von IWF-Chefin Christine Lagarde könnten nur heißen, dass der Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik aufgeschoben werden solle. Die Notenbanken könnten aber nicht endlos auf dem Gaspedal stehen. Dessen müssten sich die Märkte bewusst sein. EZB-Chef Draghi betonte, es sei richtig, über die Folgen geldpolitischer Entscheidungen anderer Länder besorgt zu sein.

Schwächeres Wachstum

Neue Herausforderungen sehen die IWF-Mitglieder für die Schwellen- und Entwicklungsländer, die laut einer Prognose des Fonds in diesem und dem kommenden Jahr insgesamt nur noch um 4,5 beziehungsweise 5,1 Prozent wachsen werden und damit deutlich langsamer als bisher. Ihre Aufmerksamkeit müsse sich wieder auf Strukturreformen und mittelfristige Einsparungen im Staatshaushalt richten, sagte der Lenkungsausschuss-Vorsitzende, Singapurs Finanzminister Tharman Shanmugaratnam. Hindernisse für Investoren müssten abgebaut und die Produktivität verbessert werden.

Die Krise in der Eurozone stand erstmals seit Jahren nicht mehr im Vordergrund der Jahrestagung. Allerdings bedeute das nicht, dass die Euro-Krise vorbei sei, so Experten. Ein Risiko bleibe eine mögliche Reformmüdigkeit der Länder.

Die IWF-Mitglieder forderten von der Eurozone weitere Fortschritte bei der Bankenunion.