Im letzten Jahr wurden durchschnittlich 8.700 Besucher pro Tag in Luxemburg gezählt, freute sich am Mittwoch die für den Tourismus zuständige Staatssekretärin Francine Closener bei der Vorstellung der Bilanz des Tourismusjahres 2016. Sie erinnerte daran, dass die Tourismusbranche fünf Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) darstelle. Das sei genau so viel, wie die Industrie. Im Tourismusbereich arbeiten insgesamt mehr als 19.000 Personen.
Attraktionen…
Der Tourismus eines Landes lebt auch von seinen Attraktionen, so Francine Closener am Mittwoch. Die Bilanz des letzten Jahres war in diesem Bereich aber gespalten. Während sogenannte «Outdoor-Aktivitäten» (geführte Besichtigungen der Hauptstadt, Parc Merveilleux in Bettemburg, Busfahrten «Hop on Hop off»…) eher out waren, erfreuten sich die «Indoor-Aktivitäten» (Schloss Vianden, Schmetterling-Park in Grevenmacher, Museen, Kasematen…) großer Beliebheit. Ausnahmen bildeten nur der Mullerthal-Trail, wo 16,3 Prozent mehr Besucher gezählt wurden und der Sessellift in Vianden mit 8,2 Prozent mehr Besuchern, als 2015.
Schließlich wurden auch im Tourismusbüro der Hauptstadt weniger Besucher gezählt (-21,1 Prozent). Es sei ein allgemeinder Trend in den Großstädten, so Anne Hoffmann. Sie macht unter anderem die Smartphones, wo die Touristen andauernd und leichter an die nötigen Informationen gelangen, für diese Entwicklung verantwortlich. Die Infostellen in den Regionen sind von diesem Rückgang aber verschont geblieben. Sie stellten im letzten Jahr 6,8 Prozent mehr Besucher fest.
Um diesen Wirtschaftszweig zu fördern fand in diesem Jahr die erste Auflage des «Tourismustages» auf Kirchberg statt. Eines der Hauptthemen des Events war die Qualität der Dienstleistungen. Außerdem wurde ein neues Bewertungssystem für die Tourismusbetriebe vorgestellt. Das alte System wurde vor vielen Jahren in den Benelux-Ländern eingeführt. Es wird aber inzwischen nicht mehr genutzt, so Francine Closener. Ein neues Modell, das in 16 europäischen Ländern angewendet wird, soll es nun ersetzen. Es basiert sich auf 270 Kritierien. Die Zertifizierung hat eine Laufzeit von vier Jahren. Im Fall, wo ein Hotel, eine Herberge usw. nicht mit seiner Einstufung einverstanden ist, besteht eine Rekursmöglichkeit. Durch das neue Bewertungssystem soll die Tourismusbranche transparenter werden, erklärte am Mittwoch Francine Closener. Es soll auch helfen die bestmögliche Qualität zu gewährleisten.
Parallel wird am neuen Fünfjahresplan für den Tourismussektor gearbeitet, so Closener. Es sei schon die zehnte Auflage des Plans. Er erstreckt sich über die Jahre 2018 bis 2022. Im neunten Fünfjahresplan waren Gesamtinvestitionen von 45 Millionen Euro vorgesehen. Und auch in der nächsten Auflage soll das Investitionsvolument hoch bleiben, kündigte die Staatsekretärin an.
Zahl der Übernachtungen steigt
Was die Zahlen anbelangt, so wurde im letzten Jahr eine Erhöhung bei den Übernachtungen in den Hotels von 0,2 Prozent registriert. Man sei zufrieden mit diesem Resultat, sei es doch ein neuer Rekordwert, so Francine Closener. In den letzten fünf Jahren sei jedes Jahr ein Anstieg bei den Übernachtungen festgestellt worden, von 1,377 auf 1,742 Millionen, ergänzte die Staatssekretärin. Der Freizeittourismus hat sich um 2,9 Prozent erhöht, der klassische Geschäftstourismus um 3,1 Prozent. Nur beim Kongresstourismus (MICE) gab es im letzten Jahr einen Einbruch von satten 14,8 Prozent. Dies sei aber kein Grund zur Beunruhigung, so Anne Hoffmann, von «Luxembourg for tourism». 2015 sei durch den EU-Ratsvorsitz Luxemburgs nämlich ein außerordentlich gutes Jahr für den Kongresstourismus gewesen.
Auch bei den Jugendherbergen stieg die Übernachtungszahl um 1 Prozent. Nur bei den Campings sank sie um 1,5 Prozen. Hier sinke vor allem der Zelttourismus und der Wohnwagentourismus, wurde am Mittwoch betont. Der Grund hierfür sei das schlechte Wetter, erörterte Anne Hoffmann. Es würden mehr Camper kommen. Sie würden aber weniger lang bleiben, wurde weiter erläutert. Die Zahl der Übernachtungen in Chalets zum Beispiel steige aber.
Zwei rauf, zwei runter
Bei den Regionen sticht vor allem die Moselgegend hervor, mit 11,2 Prozent mehr Übernachtungen. Beim Mullerthal ist es ein Plus von 5,8 Prozent. Closener und Hoffmann verstehen dann auch nicht die Polemik, die in dieser Region in diesem Zusammenhang im letzten Jahr aufkam. Der Süden (-2,6 Prozent) und die Ardennen (-3,7 Prozent) verzeichneten 2016 hingegen leichte Verluste. Der Grund: Das schlechte Wetter und ein Rückgang beim Geschäftstourismus.
Luxemburg sei jedoch immer noch «in» bei europäischen Toruisten (+1,9 Prozent), so Hoffmann. Im letzten Jahr kamen aber weniger Besucher (-15,2 Ptozent) aus Kanada, den USA, Japan, der Türkei und Russland nach Luxemburg. Vor allem die geopolitische Lage und die Terrorgefahr hätten viele Touristen davon abgehalten Europa und in diesem Kontext auch Luxemburg zu bereisen.
Über 72 Prozent der Zimmer sind belegt
Nichtsdestotrotz lag die Belegungsrate im Hotelwesen bei 72,2 Prozent. Der sogenannte RevPAR (Erlös pro verfügbarer Zimmerkapazität)) erhöht sich ebenfalls seit einigen Jahren. Er lag 2016 bei 77,3 Euro. Das sei ein Zeichen für eine hohe Nachfrage, wurde am Mittwoch daraus geschlussfolgert.
Bei den Nationalitäten liegen bei den Hotels noch immer die Nachbarländer Luxemburgs vorne, mit über 40 Prozent der Übernachtungen. Bemerkenswert sei aber die Erhöhung der Touristen aus Ländern, wo bislang nur wenig Besucher den Weg nach Luxemburg fanden. Sie stellten 2016 insgesamt 21 Prozent der Reisenden dar. Bei den Campings verteidigen die Niederländer (61 Prozent) ohne Mühe ihren ersten Platz, vor den Belgiern (19,7 Prozent) und… den Luxemburgern (10,67 Prozent). Bei den Jugendherbergen liegt Luxemburg mit 35,23 Prozent vorne, vor Deutschland (15,40 Prozent). Hier sei aber eine Erhöhung von jungen Touristen aus Großbritannien und aus Spanien hervorzuheben, so Closener.
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