Bis spätestens Mitte 2014 sollen alle syrischen Chemiewaffen vernichtet sein - soweit der amerikanisch-russische Plan. Der Weg dahin ist steinig, er könnte sogar unmöglich sein.
19.09.2013: Syriens stellvertretende Ministerpräsident Kadri Dschamil: "Weder die bewaffnete Opposition noch das Regime können die andere Seite besiegen" (dpa)
Russlands Staatschef Wladimir Putin auf einer Pressekonferenz nach dem G20-Treffen am Freitag (6. September): "Jeder ist bei seiner Meinung geblieben, aber es gibt weiterhin einen Dialog". (Tageblatt/Alexander Zemlianichenko)
Zum Ende des zweitägigen Treffens im russischen St. Petersburg steht US-Präsident Barack Obama im Kreis der Staats- und Regierungschefs am Freitag weitgehend isoliert da. (dapd/Jewel Samad)
Trotz des angespannten Verhältnisses zueinander haben sich Russlands Präsident Putin und US-Präsident Obama beim G-20-Gipfel am Donnerstag (5. September) freundlich begrüßt. (dapd/Alexander Nemenov)
Russlands Präsident Putin steht einem Militäreinsatz gegen das Regime in Damaskus nicht mehr völlig ablehnend gegenüber. Sein Land werde sogar "äußerst entschieden" handeln, wenn es darauf ankomme. (dapd/Yuri Kadobnov)
Der Ausschuss für Auswärtige Beziehungen des US-Senats hat am Mittwoch (4. September) mit knapper Mehrheit für einen begrenzten Militärschlag in Syrien gestimmt. Außenminister Kerry: "Das Risiko zu handeln ist geringer als das, nicht zu handeln". (Tageblatt/J. Scott Applewhite)
"Wir wollen das Ende des Assad-Regimes", sagte Premierminister Jean-Marc Ayrault am Mittwoch den 4. September in einer Sondersitzung des Parlaments zum mutmaßlichen Giftgaseinsatz durch Assads Truppen. (dapd/Patrick Kovarik)
US-Präsident Barack Obama hat am Dienstag,3 September, aus dem US-Kongress wichtige Unterstützung für seinen geplanten Militärschlag gegen Syrien erhalten. Der republikanische Präsident des US-Abgeordnetenhauses, John Boehner, stellte sich hinter Obama und forderte seine Parteikollegen auf, es ihm gleich zu tun. (Tageblatt)
Einer Umfrage des Pew-Instituts zufolge sprechen sich 48 Prozent der US-Bürger gegen Luftangriffe auf Syrien aus. (Tageblatt/J. Scott Applewhite)
Französische Nachrichtendienste legen am 2. September Beweise für den Giftgaseinsatz in einem Vorort von Damaskus vor. (gouvernement.fr)
Der deutsche Geheimdienst ist sicher, dass das Assad-Regime für den Giftgasangriff in Syrien verantwortlich ist. BND-Präsident Schindler: " Einzig das Regime von Assad verfüge über binäre Kampfstoffe wie Sarin. (Rainer Jensen)
19.09.2013: US-Außenminister John Kerry: Der endgültige Bericht der UN-Kontrolleure habe gezeigt, dass die syrische Führung den Giftgasangriff vom 21. August zu verantworten hat. (dapd/Saul Loeb)
Syriens Präsident Assad hat die USA, Frankreich und andere Staaten vor einem Militärschlag gegen sein Land gewarnt: "Der Nahe Osten ist ein Pulverfass". (dapd/-)
Die USA sehen die Urheberschaft für den Giftgasangriff in der vergangenen Woche eindeutig bei der syrischen Regierung. Darauf wiesen US-Geheimdienstberichte hin, sagte US-Außenminister John Kerry am Freitag, den 30. August. (Tageblatt/Charles Dharapak)
Die internationale Gemeinschaft beratschlagt sich über eine "mögliche Antwort" auf den Chemiewaffen-Einsatz in Syrien. Alle Augen sind auf die USA gerichtet, die ein militärisches Eingreifen nicht mehr ausschliessen. (Tageblatt/Gerald Herbert)
Die Experten der Vereinten Nationen untersuchen den angeblichen Giftgasangriffs ab Montag, 26. August 2013. Generalsekretär Ban Ki Moon hat dem Vorfall höchste Priorität gegeben. (dapd)
Der französische Präsident François Hollande sieht ein "Bündel Belege" dafür, dass es am 21. August einen Chemiewaffeneinsatz bei Damaskus gegeben hat. (AP/Yoan Valat)
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel soll ihrem britischen Amtskollegen Cameron am Telefon gesagt haben, es gebe wenig Zweifel an der Schuld des Assad-Regimes am Giftgasangriff. (AP/Michael Sohn)
Syriens Machthaber Assad warnte die USA vor einem militärischen Eingreifen: "Die USA würden einen Fehlschlag erleiden, genau wie in allen früheren Kriegen, die sie angefangen haben, vom Vietnamkrieg bis in die heutige Zeit". (Tageblatt)
Der iranische Kommandeur Dschasajeri:"Jene, die Öl auf das Feuer gießen, werden der Rache der Völker nicht entgehen" (karen-rajabian.blogspot.com)
US-Verteidigungsminister Chuck Hagel: "Amerika ist auf militärische Intervention vorbereitet" (dapd/Kamarul Akhir)
US-Präsident Barack Obama kündigt eine "ernste Antwort" an (dapd/Saul Loeb)
15.09.2013: Ex-US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld: "Moskau hat Damaskus Chemiewaffentechnologie geliefert. Soll man den Fuchs wirklich zum Aufpasser im Hühnerstall machen?" (Michael Reynolds)
Die USA haben ihre Truppen um Syrien aufgestockt (dapd/Chad R. Erdmann)
Als erster ausländischer Beobachter hat die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" bestätigt, dass Hunderte Syrer mit Giftgassymptomen starben. (Tageblatt/Uncredited)
Am 14. September haben die USA und Russland (im Bild: US-Außenminister John Kerry, rechts, und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow, vorne, mit Rücken zum Fotografen) sich über Syrien geeinigt. (Tageblatt-Archiv/Larry Downing)
13.09.2013: Eine geheime syrische Militäreinheit soll Bestände des syrischen Giftgasarsenals an verschiedene Orte im Land verlagert haben. So soll ein US-Anschlag erschwert werden. (dapd)
Putin warnt am Donnerstag (12. September) die USA: "Ein Angriff würde weitere unschuldige Opfern nach sieh ziehen und könne eine neue Terrorismus-Welle auslösen". (dapd/Maxim Shemetov)
Der syrische Außenminister Walid al-Muallim am Dienstag (10. September) in Moskau:"Syrien hat dem russischen Vorschlag zur Kontrolle seiner Chemiewaffen zugestimmt." (Tageblatt/Alexander Zemlianichenko)
Russlands Außenminister Lawrow sagte am Montag (9. September) in Moskau, die syrische Regierung soll seine Chemiewaffen vernichten. (dapd/Yuri Kadobnov)
US-Außenminister John Kerry läßt keinen Zweifel daran, dass Assad für den Einsatz von Chemiewaffen verantwortlich ist: "Wir wissen, wo die Raketen herkamen und wo sie einschlugen". (Tageblatt/Alastair Grant)
Der Abrüstungsplan für das syrische Chemiewaffenarsenal stößt international auf Erleichterung. China und der Iran begrüßten die Vereinbarung zwischen den USA und Russland. Syrien tritt in einem Monat offiziell der internationalen Chemiewaffenkonvention bei. Hier einige der größten potenziellen Hindernisse:
Was passiert, wenn Assad die Zusammenarbeit verweigert oder nicht alle Giftgas-Vorräte aufgibt?
Die USA drohen für so einen Fall Militärschläge an. US-Präsident Barack Obama hat das nach der Vereinbarung mit Russland über die Vernichtung der syrischen Chemiewaffen bekräftigt. Ein völkerrechtlich gültiges Mandat gibt es dafür aber weiterhin nicht.
In der Genfer Vereinbarung heißt es zwar, der UN-Sicherheitsrat solle bei Verstößen Syriens «Maßnahmen unter Kapitel VII der UN-Charta verhängen». Dieses Kapitel erlaubt als letztes Mittel militärische Gewalt. Doch Russlands Außenminister Sergej Lawrow stellte klar: Jede angebliche Zuwiderhandlung durch das Assad-Regime «muss vor dem UN-Sicherheitsrat überzeugend und eindeutig bewiesen werden». Als Veto-Macht kann Russland also – genau wie bisher – jede Resolution verhindern, die militärische Maßnahmen gegen Syrien erlauben.
Wie kann man wissen, dass das syrische Regime wirklich alle Arsenale öffnet?
Letztlich wird dies niemand mit Sicherheit sagen können. Viel wird davon abhängen, ob die Kontrolleure wirklich ungehinderten Zugang zu allen Militärstützpunkten und potenziellen Waffenlagern bekommen, die sie sehen wollen. Sie müssen daher Hinweise auf alle Orte haben. Und selbst, wenn das Regime vollständig kooperiert – in einem Kriegsgebiet wird es immer Orte geben, die aus Sicherheitsgründen gerade nicht zugänglich sind.
Über welche Mengen Chemiewaffen verfügt Syrien denn?
In Genf haben die USA und Russland ihre Erkenntnisse ihrer Geheimdienste abgeglichen. Inoffiziell verlautete, man rechne mit rund 1000 Tonnen Chemiewaffen sowie Vorprodukten zu deren Herstellung. US-Experten gehen davon aus, dass sie in 45 Orten gelagert werden, die unter Kontrolle von Regierungstruppen stehen.
Die russischen Angaben sollen leicht abweichen. Zudem sollen sich danach nicht sämtliche Lager in Gebieten befinden, die von der Regierung beherrscht werden. Mit Spannung wird erwartet, welche Angaben das Assad-Regime macht: Es muss in einer Woche eine Liste vorlegen, «die Namen, Gattungen und Mengen seiner chemischen Kampfstoffe, Waffengattungen, sowie Ort und Art von Lager-, Produktions- und Forschungsstätten» umfasst. Doch werden die Angaben vollständig sein? Darüber kann leicht neuer Streit entstehen.
Wer gewährleistet die Sicherheit der Kontrolleure?
Die C-Waffen-Suche ist mit Sicherheit riskant. Schon früher wurden aus Sicherheitsgründen Beobachtereinsätze in Syrien abgebrochen. Als UN-Inspekteure im August bei Damaskus nach Spuren des möglichen Giftgas-Einsatzes vom 21. August suchten, wurden sie gleich am ersten Tag ihres Einsatzes von Heckenschützen angegriffen.
Fallen diesmal wieder Schüsse, könnte Streit darüber entbrennen, ob Assads Getreue oder seine Gegner dahinterstecken. Erschwerend kommt hinzu, dass die oppositionelle Freie Syrische Armee die Genfer Vereinbarung ablehnt. Man werde «den Vorschlag vollständig ignorieren und weiterkämpfen bis zum Sturz des Regimes», sagt FSA-Generalstabschef Salim Idriss. Kontrolleure könnten Gefahr laufen, in Syrien zwischen die Fronten zu geraten.
Können die Chemiewaffen wirklich gefahrlos unschädlich gemacht werden?
Wohl nur, wenn es gelingt, sie aus Syrien herauszuschaffen, was auch das Ziel ist. Doch ob Chemiewaffentransporte innerhalb des Landes derzeit gefahrlos möglich sind, ist eine offene Frage. Schließlich kämpft in dem Land nicht nur die Freie Syrische Armee gegen das Regime, es kämpfen auch immer mehr radikalislamistische Rebellen. Die Vorstellung, das Giftgas in die Händen von Dschihadisten gelangen könnte, ist ein Alptraum für alle Seiten.
Ist der Zeitplan zu schaffen?
Der Plan, bis Mitte 2014 fertig zu sein, ist äußerst ambitioniert, erst recht wenn man die Bürgerkriegslage bedenkt. Laut Kersten Christoph Link, dem technischen Vorstand der auf die Verbrennung von Nervengas spezialisierten Eisenmann AG in Böblingen, würde die Vernichtung der chemischen Waffen mindestens ein Jahr dauern. Dem «Focus», sagte er, der Aufwand für die Vernichtung chemischer Kampfstoffe sei zehn Mal so groß wie für die Herstellung.
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