«In den vergangenen Tagen wurde einigen Leuten der Eintritt zu Atomanlagen verweigert», sagte die Sprecherin der Behörde, Nele Scheerlinck, am Freitag. Diese Entscheidung sei jedoch nicht zwangsläufig in Verbindung mit den Terroranschlägen vom Dienstag in Brüssel zu sehen. Allerdings waren die Befürchtungen groß, auch Atomanlagen könnten ins Visier der Terroristen geraten.
Nach der Terrorserie waren rund um die belgischen Atomkraftwerke die Sicherheitsbedingungen verschärft worden. Hunderte Mitarbeiter wurden nach Hause geschickt.
Scheerlinck sagte, die Entscheidung, solche Ausweise einzuziehen oder bestimmten Personen den Zutritt zu verweigern, dauere normalerweise Wochen.
Atomforscher ausspioniert
Sie basiere auf Informationen der Geheimdienste und der Polizei sowie auf dem Vorstrafenregister einer Person. Scheerlinck lehnte es ab zu sagen, wie vielen Menschen der Zutritt verweigert werde. Sie wies Medienberichte zurück, wonach elf Mitarbeiter der Anlage Tihange seit Anfang vergangener Woche ihre Ausweise hätten abgeben müssen.
Die Brüsseler Terrorzelle steckt nach belgischen Medienberichten auch hinter einem Spionageangriff gegen einen Atomforscher. Die beiden Selbstmordattentäter Ibrahim und Khalid El Bakraoui wurden nach Informationen der Tageszeitung «La Dernière Heure» als diejenigen Männer identifiziert, die eine heimlich vor dem Wohnhaus des Wissenschaftlers angebrachte Überwachungskamera abmontierten.
Terrorziel Kernkraftwerk
Eine Theorie lautet, dass von ihm radioaktives Material für eine sogenannte schmutzigen Bombe erpresst werden sollte. Der Wissenschaftler arbeitet im belgischen Nuklearforschungszentrum CEN in Mol.
Kernkraftwerke als mögliche Terrorziele wurden in der Vergangenheit immer wieder genannt. Im Dezember 2014 berichteten wir bereits von möglichen Gefahren für Belgiens und Frankreichs Atom-Meiler. Damals war rund 130 Kilometer von Luxemburg entfernt bei einer Routinekontrolle der belgischen Polizei in Ciney ein Verdächtiger aufgefallen (Link). Der Mann aus Frankreich hatte neben dem Koran einen USB-Stick in seinem Auto bei sich, auf dem sich ein detaillierter Plan des nahe gelegenen französischen Atomkraftwerks von Chooz in Frankreich befand.
Zur selben Zeit sorgten in Frankreich Drohnenflüge über Atomkraftwerken für Verwirrung. Bis zum damaligen Zeitpunkt waren «drohnenartige Luftfahrzeuge» über sieben der 58 französischen Meiler gesichtet worden. Darunter befand sich auch das umstrittene Kraftwerk Cattenom (Link) nahe der luxemburgischen Grenze.
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