Vor ein paar Wochen stand die Flüchtlingsunterkunft in Weiswampach wegen einer Vandalismus-Attacke in den Schlagzeilen. Unbekannte hatten „Arabich weg“ auf die Fassade der Wohncontainer gekritzelt und Feuer im Innenraum einer Behausung gelegt. Der Schaden war jedoch gering: Die Fahndung nach den mitmaßlichen Tätern läuft noch.
Insgesamt 24 Personen, angeblich aus Syrien, Afghanistan und Albanien sollten in Weiswampach untergebracht werden, bis eine Entscheidung über ihren Asylantrag gefallen sei. Am Donnerstag war der Einzug der ersten Asylanten vorgesehen.
Von den vier Familien wohnt aber zurzeit nur eine (sechs Personen, darunter ein kleines Baby) in den Containern. Die anderen äußerten bei ihrer Ankunft in Weiswampach Zweifel an der Zweckmäßigkeit der Unterkünfte. Nach einem Gespräch mit dem Verantwortlichen des OLAI (Office luxembourgeois de l’accueil et de l’intégration) wurden die Familien wieder in den Bus gesetzt und woanders untergebracht.
Die Gemeindeleitung staunt
Der Abzug der Flüchtlingsfamilien sorgte bei den Gemeindeverantwortlichen für Unverständnis. Der erste Schöffe der Gemeinde Norbert Mohn findet es „komisch“, dass die Flüchtlinge Kritik an den Unterkünften äußern durften, zumal es sich nur um eine provisorische Lösung handeln würde. „Wir sind bereit diesen Menschen zu helfen und bleiben gesprächsbereit. Wenn aber niemand in unsere Container einziehen will muss die Frage erlaubt sein, ob die Container nicht einer anderen Bestimmung zugeführt werden sollen“, so Mohn zum „Tageblatt“. Dieses Verhalten würde des Weiteren nicht das Verständnis der lokalen Bevölkerung in die Flüchlingspolitik fördern. „Wir tun alles, um diesen Menschen in Not zu helfen und dann diese Reaktion. Da kommen Fragen auf», so Mohn.
Die Gemeinde stellte dem OLAI die isolierten und beheizten Wohncontainer zur Verfügung und organisierte die Integration des Flüchtlingskinder in die lokale Schule. Der OLAI seinerseits kümmert sich um die Einrichtung und den Unterhalt des „Gebäudes“. In den Containern, die sich in unmittelbarer Nähe des Schul- und Sportkomplexes „am Ehlerich“ befinden, war vorher eine „Maison relais“ untergebracht.
«Die Bedürfnisse zählen»
Vonseiten des OLAI versucht man zu beruhigen. Es sei nicht so schlimm, wie es dargestellt wurde. Die Auswahl der Familien und deren Verteilung in die „Heime“ geschehe „auf dem Papier“ aufgrund von festgesetzten Kriterien, erklärt Sandy Fournelle von OLAI. Und da könne es leider vorkommen, dass den spezifischen Bedürfnissen einiger Personen nicht Rechnung getragen würde. Dann wird eine Neubewertung fällig. Führen die Betroffenen triftige Gründe ins Feld, so werden sie „aus Gründen der Menschlichkeit“ in einer anderen, ihren Bedürfnissen entsprechende Unterkunft untergebracht.
Es sei aber keineswegs so, dass die Flüchtlinge sich ihre Unterkünfte aussuchen dürfen, betont die OLAI-Sprecherin.
In diesem Fall sei eine neue Bewertung notwendig gewesen so Fournelle, aber nicht bei allen betroffenen Familien. So werden einige Personen, die sich weigerten nach Weiswampach zu ziehen dennoch in der Nordgemeinde eine provisorische Bleibe finden. Es sei auch geplant, weitere Flüchtlingsfamilien dort einzuquartieren.
Einen Zusammenhang zwischen der Weigerung der Flüchtlinge in die Container einzuziehen und der Beschädigung der provisorischen Wohnungen sehen weder der OLAI noch die Gemeinde. Um nach der Vandalismus-Attacke aber die Sicherheit der Gastfamilien zu gewährleisten wurde ein Sicherheitsdienst mit der Überwachung des Areals beauftragt, erörtert die OLAI-Mitarbeiterin abschließend.
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