Der damalige Premierminister Jean-Claude Juncker hatte sich im November 2005 mit dem Zeugen Eugène Beffort getroffen. Dieser nannte Juncker den Namen «Prinz Jean». Richterin Sylvie Conter will von ihm wissen, wie es zu dem Treffen mit Beffort kam. Juncker: «Dies geschah über mehrere ‚Episoden‘. Ich wurde durch ein Radiointerview auf Beffort aufmerksam. Der Zeuge sprach von einer wichtigen Persönlichkeit aus dem öffentlichen Leben.»
Besonders die angebliche Überwachung von Beffort habe ihn stark interessiert, so Juncker. «Es gab viele Gespräche. Es hat mir keine Ruhe gelassen. Habe damals auch im Kabinett darüber gesprochen.» Juncker spricht von einer «schlechten Atmosphäre gegenüber dem Staat». «Wir beschlossen, auf einer Pressekonferenz nach dem Regierungsrat einen Aufruf in Richtung Beffort zu machen. Wenig später wurde ich vom Journalisten Nico Graf angerufen. Wir machten einen Termin (14. November) in den Räumlichkeiten von RTL aus.»
Alte Gerüchte
Beffort hatte Probleme, mit dem Namen mündlich rauszurücken, so Juncker weiter. «Er überreichte mir einen Zettel mit dem Namen ‚Prinz Jean‘.»
Richterin Conter: Wurde auch über andere Namen gesprochen? Juncker: «Nein. Der Name von Prinz Jean war stark genug. Es hatte mich aber nicht wirklich überrascht. Schließlich gab es schon seit Jahren Gerüchte um den Namen.» Beffort habe ihm im Detail seine Erlebnisse am Findel geschildert. «Ich war beeindruck von den Informationen», so der ehemalige Regierungschef.
Der Mann habe auf ihn sehr überzeugend gewirkt. Er war bodenständiger, meint Juncker weiter. Beffort habe ihm gegenüber bestätigt, dass er Besuch von mehreren Leuten hatte, die ihm drohten.
Juncker beim Großherzog
Nach diesem Gespräch war Juncker im großherzoglichen Palast. Was er denn dort erzählt habe, will Gaston Vogel wissen. Juncker: «Ich rief Großherzog Henri am 15. November an. Am 16. war ich bei ihm und informierte ihn über die Aussagen.»
Was der Großherzog gesagt habe, will die Richterin wissen. Juncker: «Ich mache es nicht gerne. Mir ist aber bewusst, dass ich hier vor Gericht stehe. Also muss ich über das vertrauliche Gespräch hier aussagen. Großherzog Henri war schockiert über die Aussage. Er konnte das nicht glauben.»
Archiv
Mitte de 1980er Jahre hat Prinz Jean, der Bruder von Großherzog Henri, seine Titel abgegeben. Ob damals in der Regierung darüber gesprochen worden sei, fragt Me Vogel. Der damalige Staasminister Jacques Santer habe solche Gespräche geführt, antwortet Juncker. Er könne darüber nichts sagen. Juncker betont: «Die Regel ist, dass man als Staatsminister nie über die Details der Gespräche mit dem Großherzog spricht. Über die damaligen Entscheidungen (Abdankung) muss es aber noch Abschriften geben.»
Ist es möglich, dass man in den Archiven des Staatsministeriums noch Unterlagen über den 26. September 1986 über die Abdankung findet, fragt Vogel. «Wir haben bis heute nichts darüber gefunden.» Sowas könne man eigentlich immer im Staatsministerium nachfragen. Bei Entscheidungen innerhalb der großherzoglichen Familie müsste man im Palais nachfragen, entgegnet Juncker.
Unter Großherzog Henri bekam Prinz Jean seine Rechte in der Familie zurück. Großherzog Henri habe ihm erklärt, dass er im Gegensatz zu seinem Vater Großherzog Jean kein Hindernis mit der Hochzeit einer Bürgerlichen (Hélène Vestur) sah, sagt Juncker. Auf die Bemerkung von Vogel, Prinz Jean soll seine Titel nicht freiwillig abgegeben haben, sagt Juncker: «Darüber müssen Sie mit meinem Vorgänger Santer sprechen. Ich weiß darüber nichts.»
Nein, er wisse nicht, wer der Bommeleeër ist, sagt Juncker. Und wenn, dann hätte er das Gericht schon lange darüber informiert. «Ich war ganz ‚oben‘ im Staat. Dort habe ich aber nie erfahren, wer der Bommeleeër ist. Wer hier schweigt, arbeitet gegen den Staat», sagt er auf die Bemerkung der Richterin, der damalige Chefermittler Diseviscourt habe einmal gesagt, er wisse, wer der Bombenleger ist. Mit dieser Aussage ist die Anhörung Junckers als Zeuge beendet.
Die Prinzenspur
Nächster Zeuge ist Henri Etienne. Bei einem Essen mit dem ehemaligen Generalstaatsanwalt Camille Wampach soll letzterer im Zusammenhang mit der Bommeleeër-Affäre gesagt habe: «Es war der Prinz». Der Name Prinz Guillaume sei beim Gespräch gefallen, den Etienne mit dem aktuellen Generalstaatsanwalt Robert Biever hatte.
Etienne bringt das Gespräch auf den BMG-Gründer Ben Geiben. «Ich habe damals vor den Anschlägen Geiben kennengelernt. Er war ein toller Typ. Nach den Anschlägen kam nur Geiben für mich in Frage. Er hatte die Ausbildung und das nötige Wissen.» Geiben sei eine ambitionierte Persönlichkeit gewesen.
Am Mittwoch begeben sich Richter, Staatsanwälte und Verteidiger zu Camille Wampach ins Altersheim. Auch Henri Etienne soll dabei sein, sagt Richterin Conter und Me Vogel besteht auf eine Konfrontation Etienne/Wampach.
Da der Name Prinz Guillaume in einem Gespräch von Etienne mit Generalstaatsanwalt Biever gefallen sein soll, wird nun Biever in den Zeugenstand gerufen.
«Es war Prinz Guillaume»
Biever: «Etienne hat mich während einer Sitzung angerufen. Kollege Wies war für mich am Telefon Er wollte nur mit mir sprechen. Ich wollte ihn zunächst darum bitten, dass er Staatsanwalt Oswald anruft. Er sprach zunächst mit Wies und erzählte ihm, es war Prinz Guillaume. Daraufin rief ich wenig später Etienne an.»
Biever: «Etienne müsste mir etwas Wichtiges sagen. Es geht um ein Gespräch mit dem früheren Generalstaatsanwalt Camille Wampach. Dabei sei der Satz gefallen: «Prinz Guillaume ist der Bombenleger». Ich fragte ihn zunächst, ob er sich nicht geeirt habe, da Guillaume nie in unseren Ermittlungen auftauchte. Ich fragte nach. Er sprach von Guillaume. Ich fragte ihn, warum er mit dieser Information nicht früher kam.»
Etienne rudert zurück. Er habe nie den Namen Guillaume genannt. «Ich wollte die Information zunächst nicht rausrücken, da ich ein guter Freund von Wampach war. Es handelt sich hier um ein großes Mißverständnis bei dem Namen. Ich habe nie den Namen Guillaume genannt. Es fiel auch nicht der Name Jean. Es fiel nur das Wort Prinz.» Biever: «Vielleicht waren sie ja beim Telefonat aufgeregt. Ich habe den Namen Guillaume gehört. Auch mein Kollege Wies hat den Namen in Erinnerung.»
Biever zufolge habe Camille Wampach mit ihm nie über Prinzen gesprochen. Er habe vielmehr von Geiben gesprochen.
Der Verhandlungstag geht zuende. Am Mittwochnachmittag wird über die Anhörung von Camille Wampach berichtet.
Zu Demaart
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