Der frühere Kammerdiener des Papstes, Paolo Gabriele, hat am Donnerstag seine eineinhalbjährige Haftstrafe in einer Zelle im Vatikan angetreten.
Paolo Gabriele, der ehemalige Kammerdiener des Papstes, hat keine Berufung gegen sein Urteil eingelegt. Nun sitzt er im Gefängnis. (Handout)
Gabriele war Anfang Oktobern von einem vatikanischen Gericht verurteilt worden, weil er in der so genannten Vatileaks-Affäre vertrauliche Dokumente kopiert und an einen Journalisten weitergegeben hatte. (Tageblatt/Gregorio Borgia)
Der Kammerdiener arbeitete in Benedikts Wohnung im Apostolischen Palast. In dieser Vertrauensstellung hatte er Zugang zu den streng abgeriegelten Privaträumen des Kirchenoberhauptes und war mit den Vorgängen dort bestens bekannt. (dapd/Filippo Monteforte)
Er bediente den Papst bei Tisch, begleitete ihn im Papamobil und überreichte Würdenträgern, die das Kirchenoberhaupt aufsuchen, den Rosenkranz. (dapd/Filippo Monteforte)
In den vergangenen Monaten waren immer wieder interne Dokumente des Vatikans an italienische Medien weitergegeben worden, in denen es unter anderem um Korruptionsvorwürfe ging. (Tageblatt-Archiv/Stefano Rellandini)
Der Papst soll entsetzt auf die Nachricht reagiert haben, dass ein Mitarbeiter aus seiner engsten Umgebung verhaftet wurde. (dapd/Filippo Monteforte)
Gabriele war Anfang Oktober verurteilt worden, weil er Briefe vom privaten Schreibtisch des Papstes entwendet und einem Journalisten zugänglich gemacht hatte. Der Vatikan wies in der sogenannten Vatileaks-Affäre den Verdacht eines Komplotts zurück und erklärte, Gabriele habe allein gehandelt.
Die Berufungsfrist ließ Gabriele ungenutzt verstreichen. Ein Sprecher des Vatikans ließ offen, ob Papst Benedikt XVI. seinen früheren Kammerdiener begnadigen werde, falls Gabriele bereut und um Vergebung bittet.
Kein Komplott
«Alle Mutmaßungen über Komplotte und die Verwicklung anderer Personen haben sich, wenn man das Urteil betrachtet, als grundlos herausgestellt», hielt der Vatikan fest. In Rom war viel darüber spekuliert worden, ob der Ex-Kammerdiener Teil einer größeren Verschwörung hinter den Vatikan-Mauern gewesen sein könnte.
Im Prozess gab Gabriele an, keine Komplizen gehabt zu haben, entgegen anonymen früheren Aussagen in einem Interview, etwa 20 Personen hätten ihm geholfen. Als einziger weiterer Angeklagter steht im November der Computer-Techniker Claudio Sciarpelletti vor Gericht, dem aber nur Beihilfe zum Diebstahl von Dokumenten vorgeworfen wird.
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