Mit einer punktuellen Änderung des lokalen Flächennutzungsplans, der den Abriss von Einfamilienhäusern stoppt und den Bau von Residenzen (die Haupt-Zufahrtsstrassen ausgenommen) untersagt, hat, wie der LSAP-Fraktionsvorsitzende Pierre Hobscheit meint, der Gemeinderat in seiner Mittwochsitzung ein deutliches Zeichen politischer Courage gesetzt.
Der Ausgangspunkt für diese Entscheidung dürfte bekannt sein. Wie Bürgermeister Roberto Traversini (déi Gréng) und Schöffe Erny Muller (LSAP) in der Begründung für diese Abänderung des PAG unterstrichen, ist die Einwohnerzahl in der Gemeinde innerhalb der letzten Jahre von 20.035 auf 24.087 gestiegen. Und immer laut demselben Szenario, wie übrigens auch in anderen Ortschaften des Landes. Ganze Zeilen von Einfamilienhäusern wurden von Spekulanten und Immobilienhändler gekauft, um sie abzureissen und anschließend mehrstöckige Residenzen an ihrer Stelle aufzubauen.
Hohe Kosten
Die Folgen sind nicht nur in demografischer, aber auch in infrastruktureller und sozialer Hinsicht verheerend. Im oben geschilderten Zeitraum wurden auf dem Gebiet der Stadt Differdingen 87 Wohnhäuser abgerissen und durch 66 Großresidenzen mit insgesamt 780 Wohnungen ersetzt. Diese Wohnungen werden nicht billiger. Folge: viele junge Familien können sich diesen «Luxus» nicht leisten und planen den Umzug in andere Ortschaften, manchmal auch jenseits der Grenze, wo die Mietpreise weitaus niedriger sind.
Dieser negativen Entwicklung wollten die Vertreter der rot-grün-schwarzen Kenia-Koalition nicht länger tatenlos zusehen. Nach längeren Überlegungen entschlossen sie sich für die punktuelle Umänderung des Flächennutzungsplans und gegen ein Moratorium, das ihrer Meinung nach komplizierte Prozeduren nach sich gezogen hätte. Vorsichtigerweise wollte man bei der Vorbereitung dieses Plans absolute Diskretion wahren, um allerhand Spekulanten nicht auf den Plan zu rufen. Der jetzt vom Gemeinderat mehrheitlich angenommene umgeänderte PAG wird wahrscheinlich ein Jahr seine Gültigkeit behalten, so Schöffe Erny Muller, und zwar bis zu jenem Zeitpunkt, da der neue Flächennutzungsplan definitiv verabschiedet werden soll. Ausgenommen bleiben die Haupt-Zufahrtsstrassen, wo auch weiterhin Residenzen gebaut werden können und Sozialwohnungen für Minderbemittelte und Studenten.
Bürgermeister Roberto Traversini sprach von «Sauerstoff», die die Stadt und ihre Bürger unbedingt brauchen. Konkret würde man die Einwohner in die Entscheidungen einbinden wollen. Deshalb auch eine Informationsversammlung am 8. Oktober 2014.
Zu Demaart
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