Großoffensiven gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) im Irak und in Syrien: Die irakischen Regierungstruppen haben am Donnerstag gemeinsam mit paramilitärischen Gruppen einen Einsatz zur Rückeroberung von Mossul gestartet, wie die Armee mitteilte. In Syrien rückten die Armee und regierungstreue Milizen weiter auf die Antikenstadt Palmyra vor.
Die Stadt Mossul
Die nordirakische Wirtschaftsmetropole Mossul liegt rund 400 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Bagdad am Ufer des Tigris. Neben großen Erdölraffinerien ist auch die Textilverarbeitung von Bedeutung. Schon in seiner frühen Geschichte war das bedeutende Zentrum auf der Handelsroute zwischen Indien, Persien und dem Mittelmeer bekannt für Lederprodukte und feine Baumwollstoffe – der Stoff Musselin ist nach Mossul benannt.
Mossul ist ein Zentrum sunnitischer Araber. Der Ort war aber immer auch Heimat anderer Ethnien und Konfessionen wie Christen, Kurden, Turkmenen oder Jesiden. Nach offiziellen Angaben leben heute in der Hauptstadt der Provinz Ninawa etwa zwei Millionen Menschen, unter ihnen rund 400 000 Flüchtlinge aus anderen Teilen des Landes.
Mossul wird seit Jahren von Gewalt und Terror erschüttert. Nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Saddam Hussein im Jahr 2003 flohen zahlreiche Anhänger des gestürzten Regimes nach Mossul. Viele von ihnen verbündeten sich später mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), um gegen die schiitisch dominierte Regierung in Bagdad zu kämpfen.
Im Juni 2014 brachte der IS die Millionen-Metropole unter seine Kontrolle und errichtete ein Terrorregime. Rund 30 000 Soldaten sollen vor 800 anrückenden militanten Islamisten geflohen sein.
In der Großen Moschee von Mossul rief der Anführer der IS-Miliz, Abu Bakr al-Bagdadi, Muslime weltweit auf, in die Region zu kommen und ihn beim Dschihad zu unterstützen. Es war der erste öffentliche Auftritt des selbst ernannten Kalifen.
Wie in anderen eroberten Regionen vernichteten die Extremisten auch in Mossul Dutzende historische Denkmäler. Im städtischen Museum wurden Jahrtausende alte Statuen aus assyrischer Zeit zerstört.
Die irakischen Regierungstruppen hätten die «erste Phase» ihres Einsatzes in der Provinz Niniwe begonnen, erklärte die Armee. Dabei seien vier Dörfer erobert worden. Mossul ist die Hauptstadt der nördlichen Provinz. Wann die Armee die zweitgrößte Stadt des Landes erreichen könnte, ist aber noch nicht abzusehen. Eine Rückeroberung Mossuls wäre ein Meilenstein für das irakische Militär im Kampf gegen die IS-Miliz. Die Stadt befindet sich seit Juni 2014 in den Händen der Dschihadisten.
Mitte Februar bereits Soldaten verlegt
Mitte Februar hatte Bagdad für die geplante Rückeroberung der Stadt hunderte Soldaten in die Nähe von Mossul verlegt. Der IS hatte im Sommer 2014 große Gebiete im Irak und in Syrien erobert. In jüngster Zeit erlitten die Dschihadisten im Irak aber deutliche Rückschläge. Die dortige Armee und die kurdischen Peschmerga-Kämpfer im Norden des Landes wurden dabei durch Luftangriffe der von den USA angeführten Militärallianz unterstützt. Auch Ziele in Mossul wurden dabei mehrmals aus der Luft angegriffen. In Syrien lieferten sich die Armee und verbündete Milizen vor den Toren der Antikenstadt Palmyra Gefechte mit IS-Kämpfern, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte.
Die regierungstreuen Soldaten würden dabei von der russischen und syrischen Luftwaffe unterstützt. Ein Vertreter der syrischen Sicherheitskräfte sagte, die Armee bereite sich auf die «Befreiung» Palmyras vor. Die IS-Miliz habe die etwa 15.000 verbliebenen Zivilisten angesichts der bevorstehenden Kämpfe in Palmyra zum Verlassen der Stadt aufgerufen, teilte die Beobachtungsstelle weiter mit. Die Angaben der oppositionsnahen Organisation sind von unabhängiger Seite kaum überprüfbar.
Befreiung Palmyras stehe auch bevor
Die IS-Dschihadisten hatten Palmyra, deren antike römische Ausgrabungsstätten zum Weltkulturerbe zählen, im Mai vergangenen Jahres erobert. In den folgenden Monaten schockierten sie die Weltöffentlichkeit mit der Sprengung bedeutender antiker Tempel, Gräber und Statuen sowie einer Reihe öffentlicher Hinrichtungen. Anfang März starteten die Regierungstruppen mit Unterstützung russischer Kampfjets eine Offensive zur Rückeroberung von Palmyra. Der Direktor der syrischen Altertumsbehörde, Mamun Abdelkarim, äußerte sich zuversichtlich über einen Erfolg der Regierungstruppen.
Er sei froh, dass die Befreiung Palmyras «unmittelbar bevorstehe» und «der Albtraum» ein Ende habe, bevor es zu spät sei. Mit Hilfe von internationalen Experten würden alle antiken Stätten wieder aufgebaut, sagte Abdelkarim. Sobald die Armee die Kontrolle über Palmyra erlangt habe, werde er sich vor Ort ein Bild von der Lage machen.
Smoke rising in Makhmur operations from coalition airstrikes #Iraq #mosul pic.twitter.com/y0KjwETsiQ
— Wladimir (@vvanwilgenburg) March 24, 2016
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