Dienstag3. Februar 2026

Demaart Zu Demaart

Headlines

Die glorreichen Zeiten sind vorbei

Die glorreichen Zeiten sind vorbei

Jetzt weiterlesen !

Für 0,99 € können Sie diesen Artikel erwerben.

Oder schließen Sie ein Abo ab.

ZU DEN ABOS

Sie sind bereits Kunde?

Die Zeiten der glorreichen Luxemburger Wirtschaft mit Wachstumsraten von fünf Prozent und mehr sind vorüber. Sie werden auch nicht wieder kommen. Das ist die Erkenntnis der Handelskammer, die am Mittwoch ihren Eurochamber Bericht 2013 vorlegte.

„Weltweit“, so der Chefvolkswirt und kommissarische Generaldirektor der Kammer, Carlo Thelen, „ist derzeit ein Aufschwung in verschiedenen Geschwindigkeiten festzustellen. Die Schwellenländer liegen bei plus fünf Prozent, China bei plus sieben bis acht Prozent. In der zweiten Reihe finden sich die USA, Großbritannien und Japan mit Wachstumsraten von plus zwei Prozent. In der dritten Reihe die Eurozone mit einem Prozent Wachstum“.

Die Eurozone muss aber differenziert betrachtet werden, meint Thelen. Die Niederlande und Finnland schwächeln. Südländer wie Spanien zeigen sich dagegen in einem besseren Zustand. Italien sei aus der Rezession heraus, Frankreich mache Sorgen. Die eingeleiteten Maßnahmen wie etwa Steuergutschriften für Unternehmen, die Arbveitsplätze schaffen oder die nationale Investitionsbank, bräuchten offensichtlich erheblich mehr Zeit, um Wirkung zu zeigen. „ Ein klares Nord-Süd Gefälle gibt es nicht mehr in der Eurozone“, sagte Thelen.

Sonderrolle für Deutschland

Der Chefvolkswirt sieht eine Sonderrolle für Deutschland. „Die Produktion ist hoch. Der Export läuft gut. Der Oktober 2013 war der Monat mit dem bisher höchsten Export-Überschuss. Gleichzeitig steigt der Binnenkonsum in Deutschland. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig. Es gibt einen strukturellen Haushaltsüberschuss, die Schulden sinken. Thelen wies gleichzeitig darauf hin, dass der hohe Exportüberschuss auch bedeute, dass Deutschland ein bedeutender Importeur von Waren, unter anderem aus Luxemburg, Spanien, Italien sei.

Wie sieht die Situation in Luxemburg aus? Thelen: „Die Zeiten, wo Luxemburg Wachstumsraten von vier bis fünf Prozent aufwies, sind vorbei. Statec geht von 2,7 Prozent für das kommende Jahr aus. Aber das scheint optimistisch zu sein.“ Die Europäische Union geht von einem Wachstum in Höhe von 1,2 Prozent aus, die OECD von 2,3 Prozent, der Weltwährungsfonds von 1,2 Prozent. Die Unterschiede von mehr als einem Prozent bedeuten nach Berechnungen der Kammer ein hohes wirtschaftliches Risiko für die Arbeitsplätze und das Bruttoinlandsprodukt.

Defizit im Staatshaushalt

Wenig tröstlich sind auch die Aussagen zum Budget-Defizit Luxemburgs im kommenden Jahr. Die OECD beziffert es mit 0,3 Prozent, Statec geht von 0,4 Prozent aus, der Weltwährungsfonds von 0,8 Prozent. Die Europäische Kommission berechnet für Luxemburg ein Defizit im Staatshaushalt von einem Prozent. Die Kammer sieht ob dieser Voraussagen Schwierigkeiten für das kommende Jahr, in geringem Maße Verbesserungen, voraus.

Die Einschätzungen der Wirtschaft haben sich im Vergleich zum vergangenen Jahr deutlich verbessert. Die Sektoren Produktion, Gewerbe Handel, Transport gehen von Verbesserungen bei Umsatz, Investitionen und Arbeitsplätzen aus. Nur das Baugewerbe bleibt pessimistisch. „Allerdings“, sagt Thelen, „ist der Optmismus weit von dem früherer Jahre entfernt. Nach den glorreichen und den guten scheinen nun die mageren Jahre zu kommen.“

(Helmut Wyrwich / Tageblatt.lu)