Samstag31. Januar 2026

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Die Angst vor dem Flüchtlingsstau

Die Angst vor dem Flüchtlingsstau
(AP/Thanassis Stavrakis)

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In Griechenland wächst die Befürchtung, dass Flüchtlinge und Migranten im Land "eingeschlossen" werden, wenn andere europäische Staaten die Grenzen schließen.

Mit einer Mischung aus Angst und Empörung haben am Dienstag die griechische Presse und die Regierung auf Drohungen aus der EU reagiert, Griechenland aus dem Schengen-Raum auszuschließen, wenn es seine Seegrenze zur Türkei nicht besser schütze. Auf dem Seeweg kommen täglich viele Migranten nach Griechenland und damit nach Europa.

«Sie (die EU-Innenminister) haben uns die gelbe Karte gezeigt», titelte die konservative Zeitung «Eleftheros Typos». Griechenland laufe Gefahr, über die Sperrung seiner Nordgrenzen für Migranten isoliert zu werden. «Sie wollen uns in Quarantäne stellen», berichtet die Zeitung weiter in ihrem Nachrichtenportal. Dann könnten Zehntausende Migranten in Griechenland in der Falle stecken.

Ratlosigkeit

«Letzte Chance für die Hotspots», titelt die konservative Zeitung «Kathimerini». Bis Mitte Februar müssten alle Aufnahmezentren auf den Inseln fertig sein. Allerdings sei auch die EU im Rückstand mit ihrer versprochenen Hilfe, worauf der Migrations-Vizeminister seine EU-Kollegen hingewiesen habe. Es fehlten noch Personal und Geld. Zudem habe der Zustrom von Flüchtlingen aus der Türkei nicht aufgehört.

Das Nachrichtenportal der Traditionszeitung der politischen Mitte «To Vima» berichtet, Athen habe den Eindruck, es werde angesichts der Ratlosigkeit in der EU in Zusammenhang mit der Migrationskrise nun nach Sündenböcken gesucht – und der sei im Moment Griechenland.

«Opportunismus»

In zahlreichen Nachrichtenportalen wird zudem hervorgehoben, dass selbst die europäische Grenzschutzagentur Frontex zugibt, die Grenze im Meer könne nicht kontrolliert werden. Der Frontex sei «aktuell keine Möglichkeit bekannt», wie man Flüchtlinge in der Ägäis davon abhalten könne, nach Griechenland zu kommen, ohne internationales Recht zu verletzen. Das habe eine Frontex-Sprecherin gesagt, berichtet das Nachrichtenportal des Athener Radiosenders 984.

Das griechische Außenministerium hatte bereits am Sonntagabend erklärt, wer das illegale Zurückdrängen der Schutzsuchenden in die Türkei fordere, der solle so ehrlich sein, das auch offen zu sagen. «Alles andere ist politischer Opportunismus», hieß es in der Erklärung des stellvertretenden Außenministers Nikos Xydakis.

Kasernen

In Griechenland wächst jetzt die Befürchtung, dass Flüchtlinge und Migranten im Land «eingeschlossen» werden, wenn andere europäische Staaten die Grenzen schließen. Wie die Athener Tageszeitung «Kathimerini» am Dienstag berichtet, will das UN-Flüchtlingswerk deshalb zeitnah für Unterkünfte in der griechischen Hafenstadt Thessaloniki sorgen. Auch militärische Einrichtungen kämen dafür infrage, sagte der griechische Vertreter des Flüchtlingswerks, Petros Mastakas, bei einer Zusammenkunft mit Bürgermeistern aus Nord-Griechenland.

Gut 20.000 Flüchtlinge und Migranten könnten kurzfristig im Rahmen eines Hilfsprogramms in Hotels und privaten Unterkünften beherbergt werden, sagte Mastakas. Mittelfristig könne die Zahl der Menschen auf 60.000 steigen. Den Medienberichten zufolge wies Mastakas darauf hin, dass die Streitkräfte sich bisher dagegen wehren, Flüchtlinge in Militäreinrichtungen in Nordgriechenland unterzubringen.

Der Bürgermeister von Thessaloniki, Giannis Boutaris, begrüßt die Initiative des UN-Flüchtlingshilfswerks. «Es ist eine Möglichkeit, die Flüchtlingskrise mit finanzieller Unterstützung von außen anzugehen, denn Geld haben die Gemeinden, Städte und auch der Staat nicht», sagte er dem Zeitungsbericht zufolge.

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