Am Dienstag war erneut der ehemalige Stay Behind-Agentenführer Jean Kuffer im Zeugenstand. Er bestätigte, dass es damals eine umfangreiche Suchaktion nach Wanzen im Büro von Colonel Aloyse Harpes und im Konferenzsaal der Gendarmerie gab. Dabei bemängelte er die mangelhafte Sicherheit bei der Gendarmerie. So stand in dem Konferenzsaal ein Funktelefon, dass von überall mit einfachsten Mittel belauscht werden konnte.
Kuffer war auch an einer Überwachung des Staatsratsgebäudes durch den Srel im Zusammenhang mit den Anschlägen beteiligt. „Ich stand bei einem Fenster und schaute die ganze Nacht auf eine Wiese in Richtung des alten Justizpalastes.“ Bei dieser Aussage wurde die Verteidigung hellhörig. Für sie bestätigt sich damit die Aussage des ehemaligen Polizeioffiziers Pierre Kohnen. Er hatte bei seiner Aussage vor Gericht von einer möglichen Observation des Gerichts im Vorfeld des Anschlags im November 1985 berichtet.
Nichts belauscht
Jean Kuffer dementierte am Dienstag ganz klar, dass es einen Zusammenhang zwischen Stay Behind und den Anschläge gab. „Wir waren ganz abgekapselt von allem,“ sagt Kuffer. Laut dem ehemaligen Srel-Mitarbeiter gab es nach seinem Wissen keine Abhöraktion gegen mögliche Täter oder Verdächtige. Er weiß auch nichts von einem Lauschangriff auf Colonel Harpes über die Kaserne auf dem Herrenberg. «Wir hatten damals keine mobile Abhöreinrichtung», so Kuffer. Der Anschlag am Findel sei ebenfalls kein Thema in der Organisation Stay Behind gewesen.
Auch sein Geheimdienstkollege Guy Wagner kann sich an die Observation im Staatsrat erinnern. Er saß damals in einem Auto vor dem Gebäude. Wagner war damals Ausbilder für Agenten des Stay Behind-Netzes in Luxemburg. „Wir rekrutieren keine Rambos. Wir suchten unauffällige Bürger. Er sprach von einer Aufwendigen Ausbildung der Zivilisten. Die Verteidigung ließ bei der Frage, ob die Leute auch an Waffen und Sprengstoff ausgbildet wurden, nicht locker. Wagner wies dies immer wieder zurück. „Nein, es gab keine solche Ausbildung. Unsere Leute waren reine Nachrichtenbeschaffer. Nicht mal ich hatte eine solche Ausbildung in Großbritannien erhalten,“ so Wagner. Der immer noch aktive Geheimdienstmann wusste auch nichts von einer möglichen Abhöroperation gegen die Bombenleger.
Wagner bestätigte, wie Kuffer am Montag, dass es bei der Auflösung von Stay Behind 1990 erhebliche Spannungen innerhalb des Geheimdienstes gab. Der damalige Staatsminister Jacques Santer sowie andere Minister wollten nichts von Stay Behind gewusst zu haben. „ Wir fühlten uns plötzlich in der Illegalität,“ erklärt Wagner. Auch sein Abteilungsleiter Pierre Schiltz bestätigte in seiner Anhörung die Spannungen im Srel. Schiltz war damals „chef de branche“ über die Geheimorganisation. Er hatte aber nach eigener Aussage keinen direkten Kontakt mit den Agenten.
Auf Unverständnis bei Verteidiung und Richter stieß die Aussage von Schiltz, dass die 20 Anschläge in Luxemburg nicht wirklich ein Thema beim Geheimdienst waren. Schulz lapidar: „ Ich hatte damals nichts damit zu tun. Ich war damals bei Stay Behind und in der Sicherheitsabteilung. Vielleicht wussten die Kollegen von der Abteilung Operationen etwas.“ So waren die Anschläge auch kein Thema bei einem internationalen Stay Behind-Treffen im Schloss Senningen 1986. Kopfschütteln bei der Verteidigung und Richerin Conter.
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