In der Finanzkrise ist die Pariser Gruppe gewachsen. Sie hat den Zusammenbruch der belgisch-niederländischen Fortis Gruppe genutzt, um sich in Belgien und in Luxemburg niederzulassen, nachdem sie zuvor bereits eine Volksbank in Italien eingegliedert hatte.
Luxemburg ist seit der Übernahme der BGL zu einem der großen Zentren der Gruppe geworden. Hier beschäftigt die französische Finanzgruppe im Bankwesen, in der Wertpapierverwaltung und in der Vermögensverwaltung 4.000 Mitarbeiter. Die BNP Paribas sieht sich seitdem als eine europäische Finanzgruppe. Allerdings fehlte ihr, um wirklich europäisch auftreten zu können, bisher ein entscheidender Markt in Europa: Deutschland.
Keine Übernahme
BNP Paribas wird den deutschen Markt nicht durch eine Übernahme angehen. „Wir sind an dem Anteil der Bundesregierung nicht interessiert“, lässt der Generaldirektor des Finanzinstitutes, Jean-Laurent Bonnafé, gegenüber Tageblatt.lu beim Presseabend der Bank in Paris erkennen. Der Grund: Die Bundesregierung in Berlin hält einen Anteil von 17 Prozent an der Commerzbank, den sie verkaufen will. Als Interessenten wurden gehandelt das Finanzinstitut Santander und die BNP Paribas. Santander ist bereits in Deutschland mit einer Bank vertreten und hat abgelehnt. Die BNP Paribas hat eine andere Strategie, nach der sie eine Beteiligung an der Commerzbank nicht benötigt.
Anders als in Belgien, Italien und in Luxemburg, wo es Übernahmen gegeben hat, hat die BNP Paribas eine „weiche“ Strategie gegenüber Deutschland. Sie baut selbständig das Kreditgeschäft für den Mittelstand aus. Sie baut die Vermögensverwaltung auf und hat letztlich mit einer Internet-Bank mit dem seltsamen Namen „Hello-Bank“ auch den Banken-Markt in Angriff genommen. Übernommen hat die Finanzgruppe in Deutschland 2009 die „von Essen Bank“, die sinnigerweise in Essen im Ruhrgebiet angesiedelt ist. BNP Paribas verfügt damit in Deutschland über zwei Banken und kann auf das problematische Engagement bei der Commerzbank verzichten. Aufsehen erregte die Übernahme des Depotgeschäftes der Commerzbank in Deutschland. BNP Paribas erweitert das Geschäft der „BNP Paribas Securities“, das bisher in Luxemburg konzentriert ist, damit nach Deutschland. Die Finanzgruppe wird dazu 500 neue Mitarbeiter einstellen, von denen ein großer Teil von der Commerzbank übernommen wird. Insgesamt beschäftigt der Pariser Geld-Konzern in Deutschland bisher 3.500 Menschen, die auf 4.000 aufgestockt werden, so viel wie in Luxemburg.
Vorsicht in Deutschland
Das französische Finanz-Unternehmen geht den deutschen Markt vorsichtig an. Bonnafé und der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Baudoin Prot, stellten sich im September in Frankfurt vor. Die deutsche Presse, mit der Prot keine guten Erfahrungen hat, steht ebenfalls auf dem Programm. Zur Zeit der Finanzkrise, als BNP Paribas um die Einzelteile der Fortis Gruppe in Belgien und in Luxemburg kämpfte, hatte Baudoin Prot ein Interview mit der deutschen Wirtschaftszeitung Handelsblatt geführt, es dann aber nicht frei gegeben. Das Handelsblatt hatte damals die Fragen veröffentlicht, aber den Raum für Antworten frei gelassen. Jetzt erhält die Süddeutsche Zeitung Zeit für ein Gespräch, das auch veröffentlicht werden darf.
Der Presseabend der BNP Paribas in Paris ist durch die Mitglieder des Vorstandes, die dort vertreten sind, immer auch ein Zeichen für die Strategie der Gruppe. An jenem Abend wird in der einen oder anderen Ecke des Saales deutsch geredet. Der gesamte Vorstand der BNP Paribas Deutschland ist vertreten. Geleitet wird er von einem Luxemburger: Camille Fohl. „Deutschland“, sagt er, „ist ein Kernmarkt für uns.“ Bisher hat die französische Finanzgruppe davon geredet, dass sie mit Frankreich, Belgien, Italien und Luxemburg, in vier Kernländern vertreten ist. Deutschland wird das fünfte sein.
(Helmut Wyrwich / Tageblatt.lu)
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