Dienstag13. Januar 2026

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«Der oder die Prinzen?»

«Der oder die Prinzen?»
(Pierre Matgé)

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Ex-BMG-Mitglied André Steffen spricht am Mittwoch als Zeuge vor Gericht. Es geht um den Waffennarr Flammang. Und die Prinzen tauchen in der Affäre auch wieder auf.

Eingangs der Sitzung von Mittwoch informierte Staatsanwalt Oswald, dass er einen Brief von André Glodt, dem damaligen Ex-Archivar der Gendarmerie, erhalten hat. Dieser versucht in dem Schreiben seine Kontakte mit Armand Schockweiler zu erklären. Beiden Männern drohen seit Mittwoch juristische Verfahren.

Anschließend trat Nico Biver in den Zeugenstand. Der Waffenxperte der Police erklärte, wie die Attentäter sich das notwendige Fachwissen für den Bau der Bomben aneignen konnten. Er bestätigte des Weiteren frühere Aussagen, die von Problemen zwischen Gendarmerie und Polizei berichteten. Unter anderem zwischen den Sprengmeistern der Polizei (Henri Flammang) und der Gendarmerie (Albert Feiereisen) gab es heftige Spannungen, so der Zeuge. Flammang war laut dem Zeugen ein Waffennarr. Er könne sich aber nicht vorstellen, dass der Sprengexperte etwas mit den Attentaten zu tun habe, so Biver. Henri Flammang beging 1994 Selbstmord.

Schlechte Stimmung

Das ehemalige BMG-Mitglied André Steffen brach anschließend im Zeugenstand eine Lanze für seinen damaligen Chef, Ben Geiben. Der damalige Hundeführer erklärte, die Stimmung innerhalb der Einheit sei nach der Nominierung von Pierre Reuland gekippt. Es wurde getuschelt, es gab Gruppen innerhalb der BMG, es wurden komische Übungen angeordnet. In der Einheit gab es eine innere Gruppe, der unter anderem Schickes, Steil, Hentzen und Berscheid angehörten.

Steffen schied im Herbst 1984 aus der BMG aus. Er wechselte nach einem Unfall und längerer Genesung in die damalige Sûreté. Das Thema Bommeleeër war dort geheim, sagt der Zeuge. Es wurden Fragen gestellt, unter anderem über die Sicherheitsfirma von Ben Geiben oder seine Observation. Anworten bekam man aber keine.

Die Prinzen

Für Diskussionen vor Gericht sorgte dann ein vermeintlicher Abschiedsbrief von Henri Flammang. Er wurde laut Ermittler Klein nie gefunden. Der Sprengmeister soll darin aber die Anschläge gestanden haben, weiß sich Steffen noch zu erinnern. Er beruft sich dabei auf Aussagen des damaligen Ermittlers Ruppert. Bommeleeër-Chefermittler Carlo Klein dementiert die Gerüchte. Es gab keinen solchen Brief.

Für Erstaunen vor Gericht sorgte die Aussage Steffens, dass der ehemaliger Geheimdienstmann Gilbert Leurs gewusst habe, wer der Bombenleger war. Die Spur führe unter anderem zu den Prinzen, sagte Leurs damals gegenüber Steffen. Er sei deswegen sogar unter Druck gesetzt worden und es sei ein Anschlag auf ihn verübt worden, erklärt Steffen dem Gericht. Leurs wollte damals eine «drehen», um an die Belohnung im Zusammenhang mit den Bommeleeër zu kommen, so Steffen. Leurs wollte das Geld mit einem Partner teilen. Wer das sein soll, weiß Steffen nicht. Das Gericht wurde hellhörig. Richterin Conter hakte immer wieder nach: Ging es um den oder die Prinzen? Steffen weiß nur, dass es um Prinzen ging. Will sich aber nicht festlegen. Demnach gab es ein Treffen zwischen Armee-Colonel Armand Bruck, Leurs und einen Vertreter vom Hof. Leurs sollte schweigen, ansonsten sei er einer Persona non grata (unerwünschte Person) in Luxemburg.

Verschiedene Theorien

Und er legte mit persönlichen Theorien nach, die von Richterin Conter und der Verteidigung aufmerksam aufgesaugt wurden.
Angeblich wissen auch zahlreiche Offiziere, wer der Attentäter ist, schweigen aber weil sie einen Eid abgelegt haben. Fällt einer, so fallen sie alle, unterstreicht Steffen.

Eine weitere Theorie: Der Anschlag auf Notar Hellinckx am 17. Februar 1986 könnte wegen einer Liebesaffäre zur Tochter des Notars passiert sein. Es könnte sich um ein Mitglieder der BMG gehandelt haben. Damals wurde das Fahrzeug der Tochter in die Luft gejagt. Der Vater, Camille Hellinckx, war damals Notar am großherzoglichen Hof. Anwältin Lydie Lorang stellt die Frage in den Raum: War Ben Geiben der heimliche Liebhaber. Aber auch hier dementierte Ermittler Carlo Klein: Man hab damals jede Spur abgeklopft, ohne ein Ergebnis.

Srel-Agent Gilbert Leurs soll in naher Zukunft zu den Ereignissen von damals befragt werden.