«Zwei Lastwagen mit Lebensmitteln und zwei Lastwagen mit Decken sind gegen 17.00 Uhr in der Stadt eingetroffen», sagte ein Vertreter der syrischen Hilfsorganisation Roter Halbmond der Nachrichtenagentur AFP. Zur gleichen Zeit erreichten je drei Lastwagen mit Hilfslieferungen die Städte Fua und Kafraja, wie Militärvertreter vor Ort sagten.
Seit Oktober konnten Hilfsorganisationen die drei Städte nicht erreichen. Die UNO schätzt die Zahl der Hilfsbedürftigen allein in dem von Regierungstruppen belagerten Madaja auf 40.000, die Hälfte davon Kinder. Helfern zufolge sind dort schon 28 Menschen verhungert. Erst nach einer Kampagne im Internet und schwierigen Verhandlungen mit der UNO gab die Regierung in Damaskus vor wenigen Tagen grünes Licht für humanitäre Hilfslieferungen.
Verhungert
Insgesamt starben in Madaja seit Dezember nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) mindestens 28 Menschen wegen Mangelernährung – darunter sechs Kinder im Alter unter fünf Jahren. Erst am Sonntag bestätigte MSF fünf Todesfälle. Neben den Zivilisten befinden sich nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte etwa 125 Kämpfer der Rebellen in der Stadt. Spannungen zwischen ihnen und der Bevölkerung gebe es nicht.
And this is the other video he sent me. Children, elderly, adults are starving he says #Madaya #Syria @sams_usa pic.twitter.com/KdG7Y0fmwt
— Sophie McNeill (@Sophiemcneill) 6. Januar 2016
Zeitgleich zu der Hilfe für Madaja traf eine Lieferung in den von Rebellen belagerten Orten Fua und Kefraja im Nordwesten Syriens ein. Diese Dörfer werden von Regierungstruppen gehalten, auch dort war nach Angaben von Menschenrechtlern eine Person infolge der Blockade gestorben. Die Hilfslieferungen in Madaja und den beiden Dörfen gehen auf eine von den Vereinten Nationen vermittelte Abmachung zwischen dem Regime von Baschar al-Assad und Rebellen zurück.
Abendessen
Hilfsorganisationen konnten nach eigenen Angaben zuletzt im Oktober Lieferungen nach Madaja bringen. Aktivisten berichteten, die Menschen ernährten sich von Blättern, Hunden und Katzen. Bilder von bis auf die Knochen abgemagerten Menschen hatten international Entsetzen ausgelöst.
«Uns wurde gesagt, dass Essen geliefert wird, das wir fast drei Monate lang nicht hatten (…). Ich hoffe, es wird auch Brot dabei sein, weil ich den Geschmack vergessen habe», sagte der zehnjährige Rami aus Madaja am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Der acht Jahre alte Hassan erzählte, er und seine Familie hätten in der vergangenen Woche nur von Wasser, Pfeffer und Salz gelebt: «Ich möchte Eier und Kartoffeln zum Abendessen haben.»
Eingeschlossen
Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte schätzt, dass sich bis zu 40.000 Menschen in Madaja aufhalten. Ärzte ohne Grenzen spricht von mehr als 20 000 Menschen. Eigentlich hat der Ort nur einige Tausend Einwohner, doch infolge von heftigen Kämpfen um die nahe Stadt Sabadani flohen viele Menschen nach Madaja.
Frankreich forderte eine rasche Öffnung der Stadt. Es sei eine «absolute Notwendigkeit, dass Syrien und Russland ihre militärischen Operationen gegen die Zivilbevölkerung beenden», sagte Außenminister Laurent Fabius in Paris. Ärzte ohne Grenzen hatte am Sonntag regelmäßige Hilfseinsätze für Madaja und die anderen eingeschlossenen Orte gefordert. «Eine einzelne Lieferung wird das Problem nicht lösen», sagte der stellvertretender medizinische Direktor Tammam Aludat.
Auch Mitarbeiter der Kinderhilfsorganisation SOS-Kinderdörfer weltweit brachen am Montag nach Madaja auf. Die Organisation World Vision International berichtete unter Berufung auf die Vereinten Nationen, insgesamt benötigten rund 400.000 Menschen in Syrien dringend Lebensmittel, Trinkwasser und Medizin.
Lesen Sie auch:
Zu Demaart








Sie müssen angemeldet sein um kommentieren zu können