Eilige oder schusselige Kunden, die nur mal eben in den Supermarkt gehen und dann doch mehr als geplant zu tragen hatten, dankten der Kassiererin, wenn die für einen, zwei oder drei Cent ein hauchdünnes Etwas von einer Rolle abriss und es als Erste Hilfe über die Kasse hinweg reichte – die Plastiktüte.
Frankreich wollte ihr den Garaus machen. In einem Gesetz aus dem August 2015 über die Erneuerung der Energiewirtschaft und Umweltschutz beschloss Frankreich auch das Ende dieses hauchdünnen Etwas. Der Silvestertag sollte der letzte Tag sein, an dem Plastiktüten in Frankreich an Kassen verteilt werden sollten.
Es kam anders. Die entsprechende Anwendungsverfügung des Gesetzes war nicht fertig.
Gereizt
Die Europäische Kommission nämlich hatte sich das Gesetz und seine Anwendungsverfügung anschauen wollen und war mit der Prüfung nicht fertig geworden. Europa wollte wissen, ob Frankreich, das einen zunehmend nationalen Wirtschaftskurs fährt, mit der Verordnung europäische Firmen benachteiligen würde.
Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royale reagierte gereizt auf die Verzögerung. Das Gesetz sei hinreichend klar, um es auch ohne Verordnung anzuwenden, meinte sie und forderte Frankreichs Handel auf, das Gesetz gegen die Plastiktüte auch ohne Verordnung anzuwenden.
Erfolg
Offensichtlich aber fehlen die Klarheit wie auch die Abstimmung mit der EU-Kommission. Der europäische Eingriff führt nun zu einer Verzögerung von drei Monaten. Abgestimmt werden müssen die Art der Plastiksäcke, die Dicke der Tüte oder auch die Größe der Tüte.
Der Handel hatte mit dem Gesetz ganz andere Probleme. Was sollte in der Zukunft mit den Plastiktüten im Obst- und Gemüse-Bereich geschehen? Und wie würde man mit Fisch oder Krabben, Krebsen, Muscheln umgehen? Das Gesetz, so der Handel, ließ hier große Lücken offen.
Umwelt
Und Markthändler brauchen sich erst 2017 Gedanken darüber zu machen, wie die Plastiktüte ersetzt werden kann. Andererseits hatte der Handel sich in einer freiwilligen Vereinbarung bereits 2003 dazu verpflichtet, der Plastiktüte den Garaus zu machen. Obwohl das kaum bemerkt wurde, hatte diese Vereinbarung bereits erheblichen Erfolg. Von 10,5 Milliarden Tüten im Jahr ging der Verbrauch auf 700 Millionen zurück.
Warum sieht sich Frankreich als Vorreiter bei der Eliminierung der Plastiktüte? Eine normale Plastiktüte braucht zwischen 100 und 400 Jahren, um sich in der Natur zu zersetzen. Schildkröten, Wale, Delphine, Haie, aber auch Vögel können daran ersticken. Einer britischen, im Februar 2015 veröffentlichten Studie zufolge kommen bis zu 700 Tierarten mit Plastiktüten in Kontakt und zehn Prozent davon nehmen sie teilweise mit der Nahrung auf.
Eine 2014 veröffentlichte Studie geht davon aus, dass in den Ozeanen der Welt 269.000 Tonnen Plastik-Abfälle schwimmen. Davon so viele an der Oberfläche, dass man von einem siebten Erdteil reden kann. Frankreich will mit seinem Gesetz dazu beitragen, die Umwelt vor dieser Art von Verschmutzung zu schützen.
Die großen Handelsketten wollen unabhängig von der Prüfung der EU ab Samstag die Plastiktüten aussortieren.
Zu Demaart
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