Die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat mit ihrer Warnung gerade weltweit Schlagzeilen gemacht. Sie deklarierte Würstchen, Schinken und anderes verarbeitetes Fleisch am Montag als krebserregend, in einer Kategorie mit gefährlichen Krebserregern wie Asbest, Alkohol und Tabak.
Jean-Marie Oswald war Metzger, später auch Bio-Metzger. Jetzt ist er Rentner und Präsident Fédération des bouchers-charcutiers du Luxembourg (FNPBC). «Der WHO-Bericht ist ein starkes Stück. Das wird hier im Land in der Branche für Diskussionen sorgen,» sagt Oswald und spricht von einer Hiobsbotschaft. Für ihn sind vor allem die Landwirte betroffen. «Die Fleischbauern in Luxemburg haben über die Grenzen hinaus einen guten Ruf wegen der gelieferten Qualität,» betont Oswald.
«Gute Ware»
Auch für die Gastronomie sei das Thema «nicht ganz ohne». «Die Restaurants hier in Luxemburg leben vom Fleischkonsum, so der FNPBC-Präsident. «Wir waren eigentlich immer davon überzeugt, dass wir hier in Luxemburg eine gute Ware produzieren. Mit den Aussagen der WHO ist das Thema Krebs im Fleisch natürlich jetzt lanciert,» betont der FNPBC-Präsident.
Es sei allerdings noch zu früh um Schlüsse aus dem Bericht zu ziehen. «Mit dem Bericht muss sich die Politik befassen,» sagt Oswald. Das eigentliche Problem sei auch nicht das Fleisch, sondern die spätere Verarbeitung. «Eine Biowurst schmeckt halt anders, als ein ’normale‘ Wurst,» so Oswald. Von verunsicherten Kunden in Luxemburg weiß er nichts. «Ich habe mit mehreren Kollegen telefoniert. Es gab Fragen in den Metzgereien. Aber nichts dramatisches,» betont Jean-Marie Oswald.
Fleisch-Weltmeister
Kaum jemand in der Welt isst so viel Fleisch wie die Luxembuger: rechnerisch mehr als 130 Kilogramm pro Person im Jahr. Damit liegen wir noch vor den USA und Australien, heißt es in einem Bericht der UN-Welternährungsorganisation (FAO).
Auf Twitter spricht man schon vom «Wurstgate». Der WHO-Bericht wird alles andere als ernst genommen: «Vegetarier bekommen aber auch öfter Krebs. Am gesündesten ist es offenbar, gar nichts zu essen,» so ein Tweet.
Ich fasse mal zusammen: Wenn man mit dem VW-Diesel ins Grüne fährt um Bratwürste knusprig zu grillen, stirbt man quasi sofort. #wurstgate
— Herr Schrullich (@PeterHellinger) 27. Oktober 2015
Gibt es schon Wurst-Pflaster für das langsame Abgewöhnen? #Wurstgate
— Bilderrampe (@Bilderrampe) 27. Oktober 2015
Zeit,dass wir #Wurstianer eine Bewegung gründen:»Mitteleuropäische Wurstliebhaber gegen die Veganisierung des Abendtisches!». #wurstgate
— Georg Gigler (@gegisa) 27. Oktober 2015
Zeit,dass wir #Wurstianer eine Bewegung gründen:»Mitteleuropäische Wurstliebhaber gegen die Veganisierung des Abendtisches!». #wurstgate
— Georg Gigler (@gegisa) 27. Oktober 2015
Noch mehr Fleisch
Die neue WHO-Warnung vor Krebsgefahr durch verarbeitetes Fleisch stößt unter anderem in der Fleischliebhaber-Nation Australien auf Sarkasmus. «Wenn wir all das aus unserer Ernährung streichen würden, was die WHO als krebserregend bezeichnet, können wir zurück in die Höhlen gehen», meinte Agrarminister Barnaby Joyce am Dienstag. » Das macht das ganze doch vollends zur Farce – Würstchen mit Zigaretten zu vergleichen», meinte Joyce.
Nach Angaben des «Fleischatlas 2014» wird die weltweite Fleischerzeugung bis Mitte dieses Jahrhunderts von jetzt 300 Millionen Tonnen auf dann fast eine halbe Milliarde Tonnen steigen. Dafür werde sich die Sojaproduktion für Futtermittel zur Mästung der Schlachttiere nahezu verdoppeln. Damit werden mehr Flächen für den Futteranbau benötigt – und größere Viehbestände tragen auch zu mehr Treibhausgasen bei.
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