Bereits 2007, im Jahr, da die Cactus-Gruppe 40-jähriges Bestehen feierte, kündigte der Generaldirektor der Gruppe, Laurent Schonckert, ein neues Einkaufszentrum in Lallingen an.
Geplant war es auf dem Gelände „Op der Haart“. Dort, wo Cactus bereits seine „Hobbi“-Baumarktfiliale betrieb. Ende 2011 sollte das Shoppingcenter ursprünglich eröffnet werden. Die Baugenehmigung erstellte die Stadt am 31. März 2011. Ex-Bürgermeisterin Lydia Mutsch verkündete dies in einem Nebensatz in der einen Tag später stattfindenden Gemeinderatssitzung.
Dritter Escher Handelspol
Doch machten formale Fehler beim Teilbebauungsplan und Klagen von Anwohnern gegen die Baugenehmigung sowohl dem Bauherrn als auch der Stadt Esch, für die dieses Projekt von großer Wichtigkeit ist, soll doch hier neben dem Escher Zentrum und Belval ein dritter Handelspol entstehen, einen Strich durch die Rechnung.
Erst wurde von einer halbjährigen Verzögerung ausgegangen. Es sollten aber Jahre werden, in denen das Grundstück brachlag. Ein unglücklicher Zustand nicht nur für die Cactus-Gruppe, sondern wohl auch für die Luxemburger Wirtschaft insgesamt, wenn man bedenkt, dass hier nicht nur ein Grundstück, sondern aufgrund der Dimensionen des Bauvorhabens auch ein Teil vom Bruttoinlandsprodukt brachlag.
Nun könnte der Knoten gelöst sein. Aus gut informierter Quelle wurde uns am Montag mitgeteilt, dass die Cactus-Gruppe den Berufungsprozess, der von Anrainern angestrengt worden war, um den Bau unmöglich zu machen, gewonnen hat. Womit die eigentlichen Bauarbeiten demnächst anlaufen dürften, nachdem bislang nur Vorbereitungsarbeiten auf dem Baugelände möglich waren.
Die Abrissarbeiten am alten Cactus „Hobbi“ hatten bereits im Januar 2011 begonnen. Seitdem ist auf dem Areal nicht viel passiert. Statt Bagger über das Gelände rollen zu lassen, gaben sich Anwälte im Verwaltungsgericht die Klinke in die Hand.
Ursprünglich Invest von 100 Mio. geplant
100 Millionen Euro wollte die Cactus-Gruppe laut zurückliegenden Aussagen in das Projekt investieren, das Schonckert gegenüber dem Tageblatt in einem früheren Gespräch als Gegenstück zur „Belle Etoile“ anpries.
Neben dem Supermarkt der Cactus-Kette soll eine Einkaufsgalerie mit rund 60 Geschäften einziehen, das Ganze auf einer Fläche von rund 35.000 Quadratmetern. Auf dem Dach des Einkaufszentrums waren nach ursprünglichen Plänen ein Fitnesszentrum, Restaurants, ein Bistro und eine Kindertagesstätte vorgesehen. Ob diese Pläne weiterhin Bestand haben, konnten wir gestern nicht in Erfahrung bringen. Auch eine Zweigstelle der Post sowie eine Bankfiliale waren angedacht. Von den insgesamt 2.600 vorgesehenen Stellplätzen im unterirdischen Parkhaus waren 2.000 für die Kundschaft vorgesehen, 250 für das Personal und 50 für Apartmentwohnungen in der rue de Cologne am Nordrand des Grundstücks. Die Gemeinde hatte sich im Jahr 2009 300 Stellplätze für Langzeitparker (P&R) ausgehandelt.
Bereits 2009 sagte Schonckert gegenüber dem Tageblatt: „Unserer Auffassung nach ist das alte Cactus-Gebäude nicht mehr zeitgemäß.“ Das Warenangebot sei zu klein, der Komfort lasse zu wünschen übrig. Die Konkurrenzsituation in der Supermarktbranche dränge eine Veränderung auf. Mit Lallingen, so der Generaldirektor damals, verbinde er aber noch mehr, indem er sagte, dass „wir sozusagen im Viertel aufgewachsen sind und auch weiterhin Arbeitsplätze in dieser Region schaffen wollen“.
Wie gesagt, mit dem Bau könnte demnächst begonnen werden. Wann mit einer Eröffnung zu rechnen ist, bleibt unklar. Dass die Cactus-Gruppe keine weitere Zeit verlieren möchte, dürfte klar sein. Und wenn im Jahr 2011 mit Bauarbeiten von einem knappen Jahr gerechnet wurde, dürfte sich dies bis heute kaum geändert haben. Wenn dem so wäre, dürften sich die Escher für Ende 2014, Anfang 2015 auf das neue Einkaufszentrum freuen. Jedoch wurde auch schon von einer zweijährigen Bauzeit gesprochen, dies im März letzten Jahres, als der Durchbruch Richtung Baubeginn schon einmal erreicht schien.
Kreuzung weicht großem Kreisverkehr
Doch nicht nur „op der Haart“ dürfte jetzt eifrig gebaut werden, sondern auch davor, auf dem Boulevard Grande-Duchesse Charlotte. Um dem steigenden Verkehrsaufkommen gerecht zu werden, planen „Ponts & Chaussées“ wie Gemeinde die Einrichtung eines Kreis- oder vielmehr eines Ovalverkehrs mit fünf Ein- und Ausfahrten, der dann die Kreuzung mit der Luxemburger Straße ersetzen dürfte.
Bleibt die Frage, was mit dem Gelände des Cactus-Supermarktes und -Parkplatzes in der rue de Luxembourg geschehen soll. Dort, wo früher das Spielfeld von der US Esch und das Trainingsfeld der Jeunesse waren, könnten Wohnungen entstehen. Und weil in Esch mittlerweile bei Wohnungsbau auch immer gleich an Studentenwohnungen gedacht wird, dürften auch zukünftige Studenten hier ihre vorübergehende Bleibe finden.
Zu Demaart
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