Nach der ersten Runde der Präsidentenwahl in Ägypten liegen nach Angaben der Wahlkommission inzwischen fünf Beschwerden vor. Stimmen seien manipuliert oder nicht ausgezählt worden.
Abdel Moneim Abul Futuh: Der 60-jährige Arzt gehörte zu den führenden Köpfen der Muslimbruderschaft. Als er auf eigene Faust für die Präsidentschaft kandidierte, wurde er von ihr ausgeschlossen. Er gibt sich als moderater Islamist, wird aber auch von den radikalen Salafisten unterstützt. (Tageblatt/Amr Nabil)
Amr Mussa: Der 75-jährige Karrierediplomat war zehn Jahre lang Aussenminister unter Langzeit-Regent Hosni Mubarak. Seine markigen Sprüche nicht zuletzt gegen Israel machten ihn bei den Ägyptern populär. (Tageblatt/Khaled Elfiqi)
Mohammed Mursi: Als Kandidat der Muslimbruderschaft ist der 60-jährige Ingenieur eigentlich nur ein "Lückenbüsser". Er trat an, nachdem der ursprüngliche Bewerber Chairat al Schater ausgeschlossen worden war. Er gilt als Außenseiter. (Tageblatt/Fredrik Persson)
Ahmed Schafik: Vier Tage nach Beginn der Proteste auf dem Tahrir-Platz ernannte Hosni Mubarak den früheren Luftwaffen-Offizier zum Premierminister. Seine Amtszeit dauert nur kurz. Nun kandidiert der 70-Jährige für die Präsidentschaft. (Tageblatt-Archiv/Amr Abdallah Dalsh)
Hamdin Sabahi: Der 57-jährige Vorsitzende der Partei der Würde hat bei den Auslands-Ägyptern überraschend viele Stimmen geholt. Als einziger Kandidat mit einem klar linken Profil beruft er sich auf den panarabischen Sozialismus des legendären Ex-Präsidenten Gamal Abdel Nasser. (Tageblatt/Mohamed Omar)
Chaled Ali: Der 40-jährige Menschenrechtsaktivist und Anwalt tritt als Vertreter der jungen Ägypter an, die vor einem Jahr die Proteste gegen das Mubarak-Regime lostraten. (Tageblatt/Amr Nabil)
Die Anfechtungen bezögen sich auf Verstöße gegen die Wahlordnung, Manipulationen und unstatthafte Wählerbeeinflussungen, teilte die Kommission am Montag in Kairo mit. Das Gremium wollte am Nachmittag das offizielle Ergebnis der Wahl am 23. und 24. Mai mitteilen.
Nach inoffiziellen Auszählungsdaten belegten der von der Muslimbruderschaft aufgestellte Mohammed Mursi und der aus dem Regime des gestürzten Präsidenten Husni Mubarak stammende Ex-Militär Ahmed Schafik die ersten beiden Plätze. Bestätigt sich dieses Ergebnis, dann würden die beiden Politiker in der Stichwahl am 16. und 17. Juni um das Präsidentenamt kämpfen. Die Funktion wird derzeit von einem Militärrat ausgeübt, nachdem ein Volksaufstand im Februar 2011 den Langzeitherrscher Husni Mubarak zum Abtritt gezwungen hatte.
Unter den Beschwerdeführern gegen den ersten Wahlgang ist auch der linke Kandidat Hamdien Sabbahi, der knapp auf dem dritten Platz gelandet war. Er beanstandete auch, dass Schafik eigentlich von der Wahl hätte ausgeschlossen werden müssen. Er berief sich darauf, dass die Wahlordnung vorsieht, dass Vertreter des alten Regimes nicht wählbar sind.
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