Sonntag1. Februar 2026

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Belgien macht Grenzen dicht

Belgien macht Grenzen dicht
(Michel Spingler)

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Ein Verwaltungsgericht erklärte am Dienstag, dass das Flüchtlingslager in Calais nicht vollständig geräumt werden darf. Trotzdem befürchtet Belgien einen Anstrom von Flüchtlingen.

Der südliche Teil des Flüchtlingslagers im nordfranzösischen Calais kann zunächst nicht geräumt werden. Das Verwaltungsgericht der Stadt Lille erklärte am Dienstag, erst in den kommenden Tagen über einen Eilantrag gegen die Räumung entscheiden zu wollen. Damit wird ein von den Behörden gestelltes Ultimatum unwirksam: Die Präfektur hatte die Bewohner des südlichen Lagerabschnitts aufgefordert, den Bereich bis Dienstagabend zu räumen.

In dem als «Dschungel» bekannten Lager am Ärmelkanal lebende Flüchtlinge und Hilfsorganisationen legten dagegen aber einen Eilantrag ein: Sie wollen die geplante Räumung per einstweiliger Verfügung stoppen. Am Dienstagmorgen besuchte eine Verwaltungsrichterin aus Lille das Lager, für den Nachmittag war eine Verhandlung angesetzt. Eine Entscheidung werde es aber am Dienstag nicht geben, teilte das Gericht mit. Sie wird nun für Mittwoch oder Donnerstag erwartet. Die Behörden müssen die Entscheidung des Verwaltungsgerichts abwarten. In dem Lager im Osten der Hafenstadt Calais harren tausende Flüchtlinge aus Krisenstaaten wie Syrien, Afghanistan, Eritrea oder dem Sudan aus.

Unannehmbare Zustände

Die meisten hoffen, nach Großbritannien zu gelangen. Das Lager steht wegen der dort herrschenden Zustände – die Flüchtlinge leben in Zelten oder selbst errichteten Hütten, es fehlt an sanitären Anlagen – seit langem in der Kritik, außerdem gibt es Spannungen mit den Bewohnern von Calais. Die Behörden wollen nun zunächst den südlichen Teil des Lagers räumen. Dort leben nach Angaben der Präfektur des Départements Pas-de-Calais derzeit bis zu tausend Flüchtlinge. Hilfsorganisationen sprechen dagegen von fast 3500 Bewohnern im südlichen Lagerabschnitt. Die Flüchtlinge sollen in einem an den «Dschungel» angrenzenden Wohncontainer-Lager, in dem es aber nur noch 300 freie Plätze gibt, oder in Aufnahmezentren in anderen Landesteilen untergebracht werden. Viele Flüchtlinge wollen aber in Calais bleiben, weil sie hoffen, von dort aus nach Großbritannien zu gelangen.

Belgien hat daraufhin die Grenzkontrollen zu Frankreich, aus Angst vor einem Ansturm von Flüchtlingen aus Calais, verstärkt. Der belgische Innenminister Jan Jambon teilte mit, dass zusätzliche 250 bis 290 Polizeibeamte die Grenzpunkte zu Frankreich und auch die Umgebung des Nordseehafens Zeebrugge verstärkt kontrollieren werden. «Wir stellen schon eine verstärkte Verlagerung der Migranten von Calais in Richtung Belgien fest», sagte Jambon auf eioner Pressekonferenz. «Wenn die Lager geräumt werden können mehrere Tausend Parsonen nach Belgien kommen.»