Menachem Begin galt stets als erzkonservativer Falke. Dennoch gelang dem Mann mit der charakteristischen schwarzen Hornbrille und dem stechenden Blick als erstem Regierungschef Israels der Friedensschluss mit einem arabischen Nachbarland. Begin wurde für die Versöhnung mit Ägypten, die 1979 in einen Friedensvertrag mündete, gemeinsam mit dem ägyptischen Präsidenten Anwar al-Sadat mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Am Freitag (16. August) vor 100 Jahren wurde Begin geboren.
" class="infobox_img" /> Der israelische Ministerpräsident Menachem Begin. (dpa)
«Das war damals ein wichtiger Erfolg, ein historischer Durchbruch, der bis heute Auswirkungen auf die Region hat», sagt Professor Shmuel Sandler vom Begin-Sadat-Zentrum für strategische Studien bei Tel Aviv. «Insbesondere weil er von einem Mann erzielt wurde, der bis dahin als Kriegstreiber angesehen wurde.» Die Bedeutsamkeit des Friedensvertrags habe sich gerade in den Wirren der ägyptischen Revolution seit 2011 immer wieder bewiesen, meint Sandler. «Besonders die ägyptische Armee ist für Israel ein ganz zentraler Ansprechpartner.»
Autonomie für die Palästinenser
Teil des unter Vermittlung von US-Präsident Jimmy Carter unterschriebenen Vertrags war auch eine Autonomieregelung für die Palästinenser. Doch die Verhandlungen über eine palästinensische Unabhängigkeit dauern bis heute an. «Begin war immer gegen einen Palästinenserstaat», betont Sandler. «Er sah diese Territorien als Teil von Großisrael.»
Der in der heute weißrussischen Stadt Brest geborene Begin war von 1977 bis 1983 Ministerpräsident Israels. Seine Eltern und viele Angehörige hatte er während des Holocausts verloren und war während des Zweiten Weltkriegs als polnischer Soldat ins damalige Palästina gekommen. Danach schloss sich der gelernte Jurist als Untergrundkämpfer der militanten Gruppe Irgun an, die vor der israelischen Staatsgründung im Jahre 1948 einen erbitterten Kampf gegen die britische Mandatsmacht geführt hatte.
Mann der Grundsätze
Der glühende Zionist Begin galt als Mann der eisernen Grundsätze. 1952 kämpfte er vehement gegen die Entschädigungszahlungen aus Deutschland. «Unsere Ehre kann nicht mit Geld verkauft und unser Blut nicht mit Waren gesühnt werden», hieß es auf einem Protestschild, hinter dem Begin damals bei einer Demonstration stand. Er lehnte die Zahlungen aus Deutschland als «Blutgeld» ab. Einer der angeblichen Attentäter bei einem im gleichen Jahr fehlgeschlagenen Anschlag auf den damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer behauptete in seinen Memoiren sogar, Begin sei Drahtzieher gewesen.
Die Ablehnung gegen alles Deutsche saß tief. «Ich kann dem deutschen Volk nie vergeben», sagte Begin 1981 während einer Debatte. Er sprach von einer kollektiven Verantwortung der Deutschen für die Gräuel des Holocausts. «Ich würde einem Deutschen nie die Hand geben», sagte der Regierungschef damals auch.
Er unterstüzte den Siedlungsbau
Als er 1977 an der Spitze eines rechten Bündnisses an die Macht kam, endeten fast drei Jahrzehnte der links-sozialistischen Herrschaft in Israel. Den Palästinensern gegenüber verfolgte er eine unnachgiebige Politik und unterstützte den Siedlungsbau im Westjordanland und Gazastreifen. 1981 ordnete er die Bombardierung des irakischen Atomreaktors in Osirak an.
In die Kritik geriet Begin für seine Rolle im 1982 begonnenen Libanonkrieg, besonders nach dem Massaker an palästinensischen Flüchtlingen in den Lagern Sabra und Schatila. Mit Israel verbündete christliche Freischärler hatten damals als Rache für ein Attentat auf ihren Anführer Tausende Zivilisten getötet, darunter Frauen und Kinder. Israelische Truppen waren unter dem Kommando des damaligen Verteidigungsministers Ariel Scharon in den Libanon einmarschiert, um die Palästinenserorganisation PLO zu vertreiben.
Der Tod seiner geliebten Frau Aliza Ende 1982 war ein weiterer schwerer Schlag für Begin, der sich danach langsam aus dem öffentlichen Leben zurückzog, bis zu seinem Rücktritt im Oktober 1983. Der Vater dreier Kinder und mehrfache Großvater starb 1992 in Jerusalem.
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