Sonntag1. Februar 2026

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Ausschreitungen in Calais

Ausschreitungen in Calais
(Reuters/Pascal Rossignol)

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Die französischen Behörden reißen Teile des Flüchtlingslagers bei Calais ab. Dabei kommt es zu Gewalt zwischen Sicherheitskräften und Bewohnern.

Trotz des Widerstandes der Bewohner haben die Behörden die Teilräumung des Flüchtlingslagers im nordfranzösischen Calais fortgesetzt. Bauarbeiter rissen am Dienstag unter anderem mit Hilfe zweier Bulldozer von den Flüchtlingen errichtete Hütten ab. Nach den Zusammenstößen vom Vortag war die Polizei erneut mit einem Großaufgebot im Einsatz, größere Zwischenfälle gab es zunächst nicht.

Bei bitterer Kälte schafften die Bauarbeiter in dem als «Dschungel» bekannten Lager am Ärmelkanal Hütten, Zelte und alte Wohnwagen weg, wie AFP-Reporter berichteten. Bereitschaftspolizisten in voller Montur hielten die Flüchtlinge fern. Die Lagerräumung verlief zunächst ohne größere Zwischenfälle – allerdings gab es erneut Spannungen. Viele Flüchtlinge weigerten sich, ihre Hütten zu verlassen; die Arbeiter gingen in solchen Fällen zu anderen Hütten weiter.

Heftige Zusammenstöße

«Sie müssen ihre Sachen packen, die Polizei kommt gleich», sagten Behördenmitarbeiter etwa zu einer Gruppe sudanesischer Flüchtlinge. «Wir haben schon Gefängnis und Folter hinter uns, das macht uns keine Angst!» entgegnete einer. Der Abriss der Hütten im südlichen Teil des Flüchtlingslagers hatte am Montag begonnen. Dabei kam es am Nachmittag und Abend zu heftigen Zusammenstößen zwischen Flüchtlingen und Aktivisten der Gruppe No Border auf der einen Seite und Polizisten auf der anderen Seite.

Flüchtlinge und Aktivisten setzten rund 20 Hütten in Brand und warfen Wurfgeschosse auf die Beamten, die mit Tränengas antworteten. Rund 150 teilweise mit Eisenstangen bewaffnete Flüchtlinge belagerten zudem zwischenzeitlich die nahegelegene Zufahrtsstraße zum Hafen von Calais, warfen Steine und schlugen auf Fahrzeuge.

Calais ist seit geraumer Zeit einer der Brennpunkte der Flüchtlingskrise in Europa. Tausende Menschen harren in dem «Dschungel» aus, in dem miserable hygienische Bedingungen herrschen. Die meisten Flüchtlinge hoffen, auf Fähren oder durch den Eurotunnel unter dem Ärmelkanal nach Großbritannien zu gelangen. Die Behörden wollen nun zunächst den südlichen Teil des «Dschungels» räumen, ein Verwaltungsgericht hatte das Ende vergangener Woche genehmigt. Die Räumung dürfte nach Angaben der Präfektur des Départements Pas-de-Calais mehrere Wochen dauern.