Eine riesige amerikanische Fahne weht auf einem Bildschirm. Acht Männer und eine Frau hören einer Sängerin zu, die die amerikanische Nationalhymne singt. Natürlich alle mit der Hand auf dem Herzen. Klingt kitschig, ist in Amerika, vor allem in republikanischen Kreisen, allerdings nicht ungewöhnlich. Die neun patriotischen Zuhörer sind die erfolgreichsten republikanischen Präsidentschaftsbewerber. Am Dienstagabend, 8.30 Uhr Ortszeit, fand für sie die letzte Fernsehdebatte statt.
1.400 Menschen hatten sich in Las Vegas eingefunden, um das Spektakel, von CNN organisiert, mitzuerleben. Im Februar geht es los. Die ersten Bundesstaaten wählen ihre Wahlmänner, die ihrerseits den Kandidaten wählen werden. Die letzten Bundesstaaten sind im Juni dran. Es war die letzte Gelegenheit noch einmal so richtig zu punkten. Wie einer der Kommentatoren sagte: «Dies ist die Debatte, über die die Amerikaner an Weihnachten mit ihrer Familie reden werden.»
Im Zeichen des Terrors
Um welches Thema sich die Debatte drehen würde, war schnell klar. Der Terror beanspruchte fast die gesamten 2 Stunden und 30 Minuten der Wortwechsel. Es wurde über Grenzenschutz, den Bürgerkrieg in Syrien und Religionen, allem voran natürlich den Islam, geredet. Zwei Wörter fielen allerdings öfters, wenn nicht ständig: Sicherheit und «Commander in Chief», übersetzt: Oberbefehlshaber der Armee.
Letzeres war wohl der einzige Punkt, bei dem sich die neun Republikaner einig waren: Obama soll ein schlechter Oberbefehlshaber gewesen sein. Hillary Clinton, die Favoritin bei den Demokraten, werde hier lediglich in seine Fußstapfen treten. Mehrmals wiederholten sie: «Jeder Einzelne von uns wäre ein besserer Armeechef als er.» «Boots on the ground», also Fußsoldaten in Syrien, sei für die meisten die einzige logische Möglichkeit, den Krieg dort zu beenden.
Was tun mit Assad?
So einig sich die Bewerber bei der vermeintlichen Unfähigkeit Obamas waren, so uneinig ging die Assad-Frage einher. «Was tun mit dem Diktator?», so die Frage des Journalisten. Die Hälfte der Kandidaten sah ihn als klaren Alliierten im Kampf gegen den IS. Und der Kampf gegen den IS habe immerhin Vorrang.
Andere, sahen in ihm einen Allierten Russlands und des Irans. Für die Republikaner ist der Atomdeal mit dem Iran ein Fehler gewesen. «Das ist eine Zusammenarbeit mit einem Terroristen-Staat», erklärte sogar Jeb Bush, einer der liberalsten unter den neun republikanischen Präsidentschaftsbewerbern.
Trump im Hintergrund
Donald Trump, der momentan die Umfragen anführt, konnte hier nicht sonderlich punkten. Außer seiner Aussage, dass er «den IS platt machen würde», hat er sich bisher recht wenig über amerikanische Kriegsführung geäußert. Den Fragen zu dem Thema wich er aus und versuchte, die Debatte ins Innerpolitische zu leiten. Erfolglos. Auch die beiden nächsten Favoriten, Jeb Bush und Ben Carson, kamen wenig zu Wort.
Die Debatte wurde dagegen von zwei Kandidaten geführt, die sich bisher aus dem Rampenlicht heraushielten. Marco Rubio und Ted Cruz debattierten in kurzen und intensiven Wortgefechten über die amerikanische Kriegsführung – und begeisterten das Publikum. Ob sie damit auch die restlichen republikanischen Wähler, die sich keinen Platz in der CNN-Arena leisten konnten, überzeugen konnten, bleibt offen.
Zu Demaart
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