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Tausende kommen in München an

Tausende kommen in München an
(AFP/Philipp Guelland)

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Die Ankunft von bis zu 13.000 neuen Flüchtlingen fordert München heraus. Kanzlerin Merkel fordert den Schutz von den EU-Außengrenzen. Europaweit fanden Demos statt.

Der anhaltende massenhafte Andrang von Flüchtlingen hat die deutsche Stadt München am Samstag vor immense Herausforderungen gestellt. Für den gesamten Tag wurde mit einer Zahl von etwa 13.000 Neuankömmlingen gerechnet, wie eine Behördensprecherin sagte. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte insbesondere von Griechenland einen besseren Schutz der EU-Außengrenzen.

In Hamburg, London und Kopenhagen demonstrierten zehntausende Menschen für die Aufnahme von Flüchtlingen, in Warschau etwa 5000 Asylgegner. Bis Mitternacht werde die Zahl von 13.000 neuen Flüchtlingen voraussichtlich erreicht sein, sagte eine Sprecherin der Regierung von Oberbayern der Nachrichtenagentur AFP. Bereits bis zum Nachmittag waren mehr als 7000 Flüchtlinge in München eingetroffen, für den Abend wurden tausende weitere Menschen erwartet. Eine frühere Schätzung der Regierung von Oberbayern war von etwa 10.000 Flüchtlingen ausgegangen. Der oberbayerische Regierungspräsident Christoph Hillebrand sagte am Samstag vor Journalisten, er «habe wirklich Sorge, ob wir das heute schaffen». Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sagte, in München werde derzeit deutlich, «was es bedeutet, am Anschlag zu arbeiten». Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte gemutmaßt, an diesem Wochenende würden 40.000 neue Einwanderer in Deutschland eintreffen. So viele schienen es nicht zu werden, doch seien die Aufnahmekapazitäten völlig ausgeschöpft, sagte eine Sprecherin des Regierungsbezirks Oberbayern.

Auch Österreich kämpft

Österreich kämpft ebenso wie Deutschland seit Tagen mit einem massiven Flüchtlingsandrang. Österreichs Kanzler Werner Faymann erhob schwere Vorwürfe gegen Ungarn und stellte den Umgang der dortigen Behörden mit Flüchtlingen in Zusammenhang mit der Judendeportation in der Nazizeit. «Flüchtlinge in Züge zu stecken in dem Glauben, sie würden ganz woanders hinfahren», wecke «Erinnerungen an die dunkelste Zeit unseres Kontinents», sagte der Sozialdemokrat dem «Spiegel».

In Ungarn waren vor rund einer Woche hunderte Flüchtlinge in einen Zug gestiegen, der angeblich in Richtung der österreichischen Grenze fahren sollte. Stattdessen stoppten die ungarischen Behörden den Zug nach kurzer Fahrt, um die Insassen in ein Flüchtlingslager zu bringen. Dabei spielten sich dramatische Szenen ab. Ungarns Regierungschef Viktor Orban sagte der «Bild»-Zeitung, Flüchtlinge sollten «dorthin, wo sie herkommen». Er kündigte außerdem einen eigenen Plan zu der Krise an: Syriens Nachbarstaaten – die Türkei, Libanon und Jordanien – sollten solange massive EU-Finanzhilfe erhalten, «bis der Flüchtlingsstrom versiegt».

«Gebt ihnen kein Taschengeld mehr»

Der serbische Ministerpräsident Aleksandar Vucic riet Deutschland, Flüchtlingsfamilien aus seinem Land künftig nicht mehr mit Taschengeld zu versorgen, die das Durchschnittsgehalt eines Serben mehrfach überstiegen. Dem «Spiegel» sagte er, es gebe «falsche Asylbewerber». Merkel sagte in Berlin, wer nicht schutzbedürftig sei, «der kann keine Bleibeperspektive bei uns haben». Die Kanzlerin ermahnte zudem die anderen EU-Länder, ihre Aufgaben bei Grenzschutz und Flüchtlingsaufnahme zu erfüllen. Das beginne mit dem Schutz der Außengrenzen. Konkret rief Merkel Griechenland auf, «seiner Verantwortung gerecht zu werden».

In der polnischen Hauptstadt Warschau protestierten am Samstag knapp 5000 Menschen gegen die Aufnahme von Flüchtlingen. Viele der Demonstrationsteilnehmer skandierten islamfeindliche Parolen, wie AFP-Korrespondenten berichteten. In der slowakischen Hauptstadt Bratislava protestierten 1500 Asylgegner. Auch in Prag gab es Proteste. In Hamburg nahmen laut Polizei bis zu 7500 Menschen an einer Demonstration gegen Rassismus teil. In London drängten zehntausende Menschen Premierminister David Cameron zur Aufnahme von mehr Flüchtlingen. Camerons Angebot, in den kommenden fünf Jahren insgesamt 20.000 Syrer aufzunehmen, sei «erbärmlich», sagte ein Demonstrant. In Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen beteiligten sich laut Polizei 30.000 Menschen einer flüchtlingsfreundlichen Demonstration. Dänemark hatte in der vergangenen Woche den Zugverkehr von Deutschland vorübergehend gestoppt, um Flüchtlinge fernzuhalten. In Frankreich nahmen nur jeweils mehrere hundert Menschen an Kundgebungen in Paris, Lyon und Nizza teil.

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