Eine der Größten wichtige Handelsplattformen für Bitcoins ist verschwunden. Gleichzeitig wurde bekannt, dass eine Bande von Internet-Kriminellen über mehrere Monate Bitcoins und andere virtuelle Währungen im Wert von 220.000 Dollar raubte.
MtGox, eine der ältesten und wichtigsten Plattformen für den Handel mit Bitcoins, hatte vor zweieinhalb Wochen alle ihre Aktivitäten gestoppt. Das Unternehmen begründete dies mit einem Softwarefehler. Darauf folgte die Mitteilung, MtGox habe den Sitz «aus Sicherheitsgründen» nach Tokio verlegt; dieser Umzug habe zu Verzögerungen bei der Lösung der technischen Probleme geführt.
Kurs im freien Fall
Die Bitcoin-Anleger kamen nicht mehr an ihre virtuellen Guthaben heran. Am Dienstag konnten sie sich dann nicht einmal mehr einloggen. Die japanische Finanzaufsicht, zuständig für Banken, Versicherungen und Häuser, die mit realen Werten an Börsen handeln, versicherte: «Wir konnten nichts tun.»
Der Kurs des Bitcoin auf MtGox.com befand sich unterdessen im freien Fall. Wenige Stunden vor dem Abschalten der Website betrug er 135 Dollar (etwa 98 Euro) – nach mehr als 900 Dollar im Januar. Auch andere Plattformen wie CoinDesk oder Bitstamp gerieten in Mitleidenschaft.
Im Internet kursierte ein angeblicher «Krisenplan» von MtGox, demzufolge das Unternehmen in den vergangenen Jahren unbemerkt 744.400 Bitcoins verloren haben soll. Die Kurse funktionierender Plattformen zugrunde gelegt, hatten diese am Dienstag einen Gesamtwert von mehr als 300 Millionen Dollar. Die Echtheit des Dokuments konnte zunächst nicht überprüft werden.
Andere Plattformen gehen auf Distanz
Sechs große Bitcoin-Plattformen gingen öffentlich auf Distanz. In einer gemeinsamen Erklärung bezeichneten sie die virtuelle Währung als «intakt» und machten MtGox für das Fiasko verantwortlich. «Diese tragische Missachtung des Vertrauens von MtGox-Nutzern» sei Folge des Handelns eines einzelnen Unternehmens und reflektiere nicht die Widerstandsfähigkeit oder den Wert des Bitcoin und der gesamten Branche, erklärten die Unternehmen Coinbase, Kraken, Bitstamp.net, BTC China, Blockchain.info und Circle.
«Wie in jeder neuen Branche gibt es Betrüger, die ausgemerzt werden müssen, und so etwas erleben wir heute», erklärten die Firmen. Bei MtGox habe es an Sicherheit und Transparenz gemangelt.
Die US-Firma Trustwave teilte am Montag mit, Kriminelle hätten zahlreiche Computer mit einem Schadprogramm namens «Pony» infiziert und damit ein kriminelles Netzwerk, Botnet genannt, geschaffen. Die Bande habe es auf den Bitcoin, aber auch andere virtuelle Währungen wie LiteCoin, FeatherCoin und 27 andere abgesehen. Die Cyber-Bande sei zwischen September 2013 und Mitte Januar 2014 aktiv gewesen. Bitcoins zu stehlen und sie in eine andere Währung wie zum Beispiel Dollar umzutauschen, «ist viel einfacher als Geld von einer Bank zu stehlen».
Die virtuelle Währung Bitcoin war im Jahr 2009 als Antwort auf die Finanzkrise erfunden worden. Geschaffen hat sie ein unbekannter Programmierer, der eine von Staaten, Zentralbanken und anderen Finanzinstituten unabhängige Währung wollte. Das virtuelle Geld wird durch komplexe Verfahren berechnet. Der Wechselkurs zu echten Währungen schwankt stark. Aufsichtsbehörden weltweit hatten in den vergangenen Monaten verstärkt vor den Risiken gewarnt.
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