Der tschechische Präsident Vaclav Klaus hat seinem Land den Ruf eines schwierigen Partners in der Europäischen Union eingebracht. Im März endet die Amtszeit des neoliberalen Politikers. Die europäische Einigung in ihrer heutigen Form hält der 71-Jährige für einen tragischen Irrweg, wie er immer wieder beteuert.
In den Chefetagen der Prager Politik ist Kritik an Brüssel salonfähig. Doch sobald es konkret wird, schwinden die Bedenken. In den nächsten Jahren wird eine kleine Gemeinde am Rande von Prag sogar zum Schauplatz für eines der größten Vorzeigeprojekte der Europäischen Union in Mitteleuropa. Ein neuartiger Super-Laser soll hier zehnmal heller als seine herkömmlichen Pendants strahlen. Wissenschaftler versprechen sich davon ganz neue Erkenntnisse.
«Prag ist ein Magnet»
«Prag ist wie ein Magnet, der die Menschen anzieht», sagt Bedrich Rus, wissenschaftlicher Leiter des Laser-Projekts. In seinem Team hat der jugendlich wirkende 49-Jährige Spezialisten aus allen Ecken Europas versammelt. Der «ELI» getaufte Hochleistungslaser sei eine große Chance für Tschechien als jungem EU-Mitgliedsland. «Wir werden in die Familie der großen westeuropäischen Forschungszentren eingebunden.»
Im Plattenbau des Prager physikalischen Instituts erinnert zunächst wenig an Hochtechnologie. Ein Pförtner im weißen Kittel begrüßt jeden persönlich. Am Dekor hat sich wenig verändert, seit die heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel hier Anfang der 1980er einige Monate forschte. In einem Nachbargebäude schlüpft Rus in einen Laborkittel. Im sogenannten Reinraum steht der Laser Asterix. Bis 1997 tat er am Max-Planck-Institut im bayerischen Garching seinen Dienst.
In andere Dimensionen
Die Funktionsweise ist ähnlich, aber der neue Super-Laser «ELI» wird in andere Dimensionen vorstoßen. Für eine Zeit von wenigen Millionstel Nanosekunden wollen die Forscher eine enorme Lichtintensität von bis zu 10 Petawatt erzeugen. Zum Vergleich: Die Erde erhält von der Sonne laut Schätzungen täglich eine Energie von 174 Petawatt. Anwendung könnte die Lasertechnologie einmal beim Röntgen oder bei der Entwicklung von Computerspeicher finden.
Die Europäische Union übernimmt den Großteil der Kosten. Brüssel stellt für den tschechischen Teil der Anlage 236 Millionen Euro in Aussicht. Professor Rus hofft, mit dem attraktiven Laser-Projekt junge Forscher in Mittelosteuropa halten zu können. «Das Anfangsgehalt liegt bei rund 1500 bis 2000 Euro, was für Tschechien eine anständige Summe ist», sagt Rus. Er räumt aber ein: «In der Laserforschung hinkt Europa den USA um Jahre hinterher.»
Internationale Atmosphäre
An Rus‘ Institut macht sich unterdessen eine neue internationale Atmosphäre breit. Von einem italienischen Kollegen hat der Physiker gelernt, Kaffee ohne Milch zu trinken. «Antonio nennt das eine barbarische Erfindung», witzelt Rus, der sich noch gut an die Zeit des Eisernen Vorhangs erinnern kann. Als Student kopierte er zu Hause illegal die Untergrundzeitung «Lidove Noviny». «Die Staatssicherheit war uns auf den Fersen, sie konnten aber nie die Quelle der rund 500 Exemplare ausfindig machen.»
Dass heute die Nachwendebegeisterung für Europa bei seinen Landsleuten schwindet, hält Rus angesichts immer neuer Krisenmeldungen für keine Überraschung. Er sieht das pragmatisch: «Die Kritiker schreien immer am lautesten, aber man darf das nicht überschätzen.»
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