Europas Filmindustrie darf künftig mehr staatliche Förderung erhalten als bislang. So kann ein Staat neben der eigentlichen Produktion auch die Konzeption bis hin zum Filmverleih unterstützen und Kinos einbeziehen. Das sehen neue Regeln für die staatliche Filmförderung vor, die die EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel vorstellte. Unter die neuen Regeln fällt auch die Modernisierung von Kinos, etwa die Umstellung auf digitale Technik. Europäische Ko-Produktionen dürfen künftig Zuschüsse von 60 Prozent des Produktionsbudgets bekommen – bislang lag die Höchstgrenze bei 50 Prozent.
Die deutsche Filmförderungsanstalt FFA begrüßte die neuen Vorgaben. Ohne staatliche Fördermittel stünden Produktionsteams von Fernseh- und Kinofilmen oft mit leeren Händen da. Die EU-Staaten geben jedes Jahr nach Angaben der EU-Kommission rund 3 Milliarden Euro für die Filmförderung aus. In Deutschland gibt es Geld von Bund und Ländern. Im Bundeshaushalt 2013 stehen rund 103 Millionen Euro für die Filmförderung bereit. Die EU legt die Regeln fest und kontrolliert die Einhaltung, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden.
Heimische Filmindustrie soll gefördert werden
EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia sagte, die neuen Vorschriften zielten darauf ab, die heimische Filmwirtschaft zu fördern und die kulturelle Vielfalt zu erhalten. Die EU-Staaten haben nun zwei Jahre Zeit, ihre Filmförderregeln mit den EU-Vorschriften in Einklang zu bringen.
Staaten können ihre Zuschüsse an Bedingungen knüpfen, etwa dass der Film in einer bestimmten Sprache gedreht wird und ein gewisser Teil des Geldes im eigenen Land ausgegeben wird. Keine Obergrenzen gibt es für Beihilfen für die Drehbuchgestaltung, die Entwicklung von Filmprojekten und Filme, die besonders schwierig zu finanzieren sind, wie etwa Dokumentationen oder Kurzfilme.
Man begrüßt die Maßnahme
In Deutschland zeigte sich die Filmförderungsanstalt FFA zufrieden. Auch die französische Kulturministerin Aurélie Filippetti begrüßte die neuen Regeln als «Sieg für das europäische Kino und die europäische Filmindustrie».
Europas Filmbranche hatte sich jüngst besorgt gezeigt, dass bei den Gesprächen über ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA Vorgaben wegfallen könnten, die die heimische Filmindustrie gegenüber der Vormacht Hollywoods stärken sollen. Auf die Frage danach sagte EU-Kommissar Almunia: «Da sehe ich keinen Zusammenhang.» In der EU werden nach Angaben von Almunia jedes Jahr rund 1300 Filme gedreht, in den USA seien es lediglich 800.
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