Mit scharfen Tönen des europäischen Flugzeugbauers Airbus gegen den US-Konkurrenten Boeing hat am Dienstag die Luftfahrtmesse ILA begonnen. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eröffnete die Messe am neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld bei Berlin. Bis Sonntag werden 200 000 Besucher erwartet.
Zum Auftakt der ILA flammte der Subventionsstreit zwischen den weltweit führenden Flugzeugbauern Airbus und Boeing wieder auf. Airbus warf Boeing vor, vom US-Bundesstaat Washington illegale Vorteile durch Beihilfen und Steuererleichterungen über 8,7 Milliarden Dollar (6,4 Mrd Euro) ergattert zu haben.
Besorgte EU
«Die EU ist sehr besorgt über die Ausweitung dieser Subventionen», sagte der Sprecher von EU-Handelskommissar Karel De Gucht am Dienstag auf Anfrage. Falls die Steuerpläne umgesetzt würden, seien sie «der größte gezielte staatliche Steueranreiz für die zivile Luftfahrtindustrie in der US-Geschichte». Die Regelungen spielten auch bei der laufenden EU-Beschwerde vor der Welthandelsorganisation WTO zu Hilfen für Boeing eine Rolle.
Airbus-Chef Fabrice Brégier warf Boeing am Vorabend vor, in der Debatte um Subventionen «bullshit» (Schwachsinn) zu verbreiten. Produktionschef Günter Butschek sagte am Dienstag: «Dies ist kein fairer Wettbewerb und hat eine starke Reaktion Europas verdient.»
Der Streit zwischen den Flugzeugbaugiganten tobt seit rund einem Jahrzehnt. Boeing beschuldigt dabei Airbus, illegale Beihilfen von den Regierungen der Länder mit Airbus-Standorten zu erhalten. Airbus verweist darauf, dass es die Unterstützung für die Entwicklung seiner Flugzeuge regelmäßig zurückzahle.
Vergebliches Warten auf Geld
Airbus warte für den Bau des A350 bislang vergeblich auf eine Bürgschaft aus Berlin von 600 Millionen Euro, sagte Brégier. Andere Partner wie Frankreich hätten ihren Beitrag geleistet.
Wegen der Ukraine-Krise rief der europäische Hersteller eine Arbeitsgruppe ins Leben, die den Titan-Nachschub sichern soll. «Wir hängen stark von Titan ab, das wir von russischen Zulieferern bekommen», sagte Butschek. Noch gebe es keine Einschränkungen. Man sei aber weltweit mit einer Reihe von Zulieferern im Gespräch, um russische Lieferungen notfalls zu ersetzen. Flugzeugbauer setzen das leichte und feste Metall ein, wo große Belastungen aufgefangen werden müssen, etwa bei Triebwerksaufhängungen und Fahrwerken.
Zusammenarbeit wird fortgesetzt
Die kürzlich vereinigten Konzerne der russischen Raumfahrtindustrie wollen trotz der Ukrainekrise weiter mit den USA zusammenarbeiten. «Wir befürworten jegliche Kooperation mit unseren Partnern – auch mit den USA», sagte der Chef der Vereinigung der russischen Raumfahrtindustrie, Igor Komarow, am Dienstag. Trotz Spannungen zwischen Washington und Moskau würden laufende Projekte fortgesetzt.
Die europäische Weltraumagentur Esa bestellte in Schönefeld beim Hersteller Airbus Defence and Space vier Wettersatelliten für 1,2 Milliarden Euro. Der erste komme 2021 zum Einsatz, hieß es.
Zu Demaart
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