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Blutiger Freitag in Syrien

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Das Regime lässt weiter auf Demonstranten schießen, um die Protestbewegung zu stoppen. Doch die lässt sich nicht so leicht einschüchtern. Für syrische Journalisten, die darüber berichten, gibt es Prügel und Folter.

Die Protestwelle in Syrien entwickelt sich zu einem Flächenbrand. Bei Kundgebungen gegen das Regime erschossen Angehörige der Sicherheitskräfte und Scharfschützen in Zivil am Freitag nach Angaben von Augenzeugen 27 Demonstranten. Dutzende Menschen wurden verletzt. Landesweit gingen wieder Tausende auf die Straßen, um mehr Freiheit und demokratische Reformen zu verlangen.

Augenzeugen berichteten, alleine in der südlichen Stadt Daraa seien 22 Menschen getötet worden, als Angehörige der Sicherheitskräfte das Feuer auf rund 4.000 Demonstranten eröffneten. In der westlichen Stadt Homs wurden fünf Kundgebungsteilnehmer erschossen. In Deir al-Sor nahe der irakischen Grenze droschen Schlägertrupps auf Demonstranten ein. In der Hafenstadt Latakia gingen nach dem Freitagsgebet ebenfalls Hunderte Regimegegner auf die Straßen. Sie riefen: «Welche eine Schande, Schüsse auf friedliche Demonstranten.»

Reformen angekündigt

Präsident Baschar al-Assad hatte in den vergangenen Tagen einige Reformen verkündet, um die Protestbewegung zu stoppen, die im März begonnen hatte. Er hob die Arbeitsbeschränkungen für Frauen mit Gesichtsschleier auf und ordnete die Verleihung der syrischen Staatsbürgerschaft an rund 250.000 staatenlose Kurden an. In der hauptsächlich von Kurden bewohnten Stadt Kamischli riefen einige Demonstranten: «Die Staatsangehörigkeit ist kein Ersatz für die Freiheit.»

Assad gehört zur religiösen Minderheit der Alawiten. Er hatte die Proteste der Regimegegner, die sich von den Revolutionen in Tunesien und Ägypten hatten inspirieren lassen, als Versuch radikaler Sunniten dargestellt, Zwietracht zwischen den Religionsgruppen zu säen.

Muslimbrüder

Tatsächlich sympathisiert ein Teil der Demonstranten mit den Muslimbrüdern und gelegentlich werden bei den Kundgebungen auch religiöse Parolen gerufen. Doch sind an den Protesten auch Angehörige anderer Religionsgruppen beteiligt. Seit Beginn der Proteste wurden in Syrien nach Schätzungen von Menschenrechtsgruppen mehr als 110 Menschen getötet. Dutzende Demonstranten und einige bekannte Oppositionelle wurden festgenommen.

Indes wurde ein syrischer Journalist von der Geheimpolizei schwer misshandelt, weil er über eine Demonstration berichtet hatte. Aus dem Umfeld von George Baghdadi, der für mehrere ausländische Medien arbeitet, hieß es am Freitag, er sei am vergangenen Dienstag in schlechter psychischer Verfassung und mit mehreren gebrochenen Rippen und Blutergüssen nach Hause gekommen.