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Angst vor neuen Staudämmen

Angst vor neuen Staudämmen

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Die Nachfrage nach Strom steigt stetig in Kambodscha. Wirtschaftlich steht das für eine gute Entwicklung. Doch es bedeutet auch, dass immer mehr Staudämme gebaut werden. Die kilometerlangen Betonwände bedrohen Millionen Menschen an den Ufern der fischreichen Flüsse.

Gleich zwei schlechte Nachrichten musste Meach Mean in diesem Jahr verkraften. In seiner Heimat Kambodscha kämpft er gegen den Bau neuer Staudämme, die den Wohnraum und die Nahrungssicherheit von Millionen Menschen flussabwärts gefährden. In den vergangenen Wochen fand Meach Mean heraus, dass weitere Wasserkraftwerke entstehen sollen, um mehr Strom zu erzeugen – eine Ressource, die im wirtschaftlich wachsenden Südostasien immer stärker nachgefragt wird. Doch die Vorhaben gehen zulasten der armen Bevölkerung im Nordosten des Landes, die in die Planungen nicht einbezogen werden, wie Kritiker sagen.

Erst erfuhr Meach Mean, dass chinesische Unternehmen mit Studien für zwei neue Staudämme begonnen haben. Sie sollen an Zuflüssen des ungewöhnlich fischreichen Mekong entstehen. Dann kam die zweite Schreckensnachricht: Stromabwärts haben bereits die Arbeiten an einem weiteren Damm begonnen. Entstehen soll dieser hinter dem Zusammenfluss der Se San und Sre Pok Flüsse. Auch sie münden in den Mekong, der als «Mutter aller Flüsse» verehrt wird. Forscher sprechen vom verheerendsten Projekt unter den Dutzenden geplanten Staudämmen.

Bekannte Flüsse

Zwar sind die Flüsse Se San und Sre Pok im Ausland weitgehend unbekannt, gemeinsam mit dem Mekong und dem Se Kong bilden sie aber die vier «Fisch-Autobahnen» der Region. Die kilometerlangen Dämme drohen nun unüberwindbare Barrieren auf den langen Wanderungen der Fische zu ihren Laichplätze zu werden, warnt Forscher Eric Baran von der Organisation WorldFish Center. Auch Millionen Menschen entlang der Ufer wären bedroht, fürchten Experten. Denn sie sind auf das nährstoffreiche Wasser für ihre Felder und das Fischen angewiesen.

Allein das bereits begonnene Bauprojekt werde den Fischertrag im Mekong-Becken um 9,3 Prozent reduzieren, sagt Baran. «Das sind 9,3 Prozent von 2,1 Millionen Tonnen, was ein gigantischer Wert ist.» Das Flussbecken, mit dem das Land am Mekong und allen seinen Zuflüssen gemeint ist, ist so groß wie Frankreich und Deutschland zusammen. Es umfasst Teile von Kambodscha, Vietnam und Thailand sowie von China, Laos und Burma. 60 Millionen Menschen leben dort.

Abhängig vom Fisch

In Kambodscha seien die Menschen besonders abhängig vom Fisch, sagt Baran. Sie bezögen über 80 Prozent des tierischen Eiweißes aus dieser Quelle. Außerdem sei der Nutztier-Sektor in dem Land viel kleiner als etwa im benachbarten Thailand oder Vietnam. Umso härter wären die Folgen für Kambodscha.

In einer Studie hat Baran im vergangenen Jahr mit anderen Autoren die «katastrophalen Folgen» von 78 geplanten Staudämmen im Mekong-Becken geschildert. Baran ist nicht der Einzige, der fordert, dass insbesondere die Risiken rund um den Se-San-Staudamm mit seinen 400 Megawatt Leistung neu bewertet werden müssen. Das findet auch Umweltschützerin Ame Trandem. «Kambodscha droht mit dem Damm seine Zukunft zu verspielen», sagt sie.

Die Regierung sieht das anders und setzt auf die Staudammprojekte im armen Nordosten des Landes. Meach Mean bleibt wenig Hoffnung. Er hat keine Zweifel daran, dass die Projekte umgesetzt werden.