Die Sebes (Syndicat des Eaux du Barrage d’Esch-sur-Sûre) ist eine diskrete Einrichtung. Unauffällig bereitet sie einen Großteil des Trinkwassers auf, das aus den Wasserhähnen der Luxemburger Haushalte fließt, vor. Seit zwei Wochen jedoch wurde sie des Öfteren im Zusammenhang mit einer akuten Trinkwasserschmutzung genannt. Vor einer Woche wurde die Nutzung des Stauseewasser eingestellt. Am Donnerstag wurde bekannt, dass an der Tiefenbohrung «Schaedhaff», die von der Sebes im Zuge der Ersatzlösung bisher provisorisch genutzt wurde, Verschmutzungen festgestellt wurden, und dass die Nutzung vorerst gestoppt wurde.
Verunreinigtes Wasser …
Bei Messungen des Wasserwirtschaftsamts sei das Pestizid Metazachlor zum ersten Mal im Grundwasser detektiert worden und zwar an der Tiefenbohrung «Schaedhaff», die von SEBES im Zuge der Ersatzlösung bisher provisorisch genutzt wurde. Die Station wurde sofort vom Netz genommen, bestätigte am Freitag der Direktor des Sebes, Georges Kraus, Tageblatt.lu. Sie werde mit einem neuen Filtersystem ausgestattet und dann wieder ans Netz gehen.
Georges Kraus betonte, dass das von der Sebes gelieferte Wasser sauber sei. Man werde die Normen nicht überschreiten. Die Anfrage zur ausnahmsweisen Erhögung der Normen sei lediglich eingereicht worden, um Engpässe zu vermeiden. (rh)
Aber wer ist die Sebes? Die Staumauer in Esch/Sauer wurde in den 1950ern gebaut. Der Stausee wurde erstmals im Jahr 1959 gefüllt. 1962 dann wurde die Sebes gegründet und die Schaffung einer Wasseraufbereitungsanlage beschlossen. Sie nahm den Betrieb 1969 auf. Die Anlage wurde regelmäßig erneuert und modernisiert. Eine rezente Studie ergab aber, dass ein erneuter Ausbau wirtschaftlich nicht rentabel sei. Deshalb wurde entschieden, eine neue Anlage neben dem 35.000 Kubikmeter fassenden Wasserbehälter in Eschdorf zu bauen. Das Wasser wird dann vom Stausee nach Eschdorf gepumpt, von wo es aufbereitet und weiter an die angeschlossenen Wassersyndikate verteilt wird.
Von 70.000 auf 110.000 Kubikmeter
Derzeit werden in Esch/Sauer maximal 70.000 Kubikmeter Trinkwasser am Tag aufbereitet. In ein paar Jahren wird diese Kapazität aber nicht mehr reichen, so die Verantwortlichen des Sebes. Deshalb wird die neue Anlage in Eschdorf auf 110.000 Kubikmeter ausgelegt. Es sei aber eine Ausbaustufe auf 150.000 Kubikmeter vorgesehen, betonte der Direktor des Sebes Georges Kraus gegenüber Tageblatt.lu. Die neue Aufbereitungsanlage soll auch mit einer modernen Membranfiltertechnik ausgestattet werden. Das Projekt soll über 89 Millionen Euro kosten. Der Direktor der Sebes wollte am Freitag diesen Betrag aber nicht bestätigen. Der Staat wird sich an den Kosten beteiligen.
Die Besitzer der Grundstücke, wo die neuen Leitungen durchführen sollen, wurden schon angeschrieben, so Kraus. Das Komitee habe auch schon den Leitungsarbeiten zugestimmt. Das Projekt wird demnächst auf die Tagesordnung des Sebes-Komitees gesetzt werden, sobald man das Problem mit der Verunreinigung des Stausees behoben hat, so der Direktor. Die Verantwortlichen der Sebes hoffen 2018, nach Eschdorf umziehen zu können. Die Inbetriebnahme ist für 2019 vorgesehen. Man sei im Zeitplan wurde Tageblatt.lu versichert.
Nach 1965 und 1991 soll der Obersauerstausee 2023 erneut geleert werden. Dann sollen auch wieder Arbeiten an der Staumauer durchgeführt werden. Im Rahmen der Arbeiten ist dann auch das Anlegen einer neuen Wasserentnahme-Vorrichtung geplant. Sie erlaubt der Sebes das Wasser direkt aus der Sauer zu entnehmen. Auf diese Weise sei die Wasserversorgung garantiert, auch wenn der Stausee geleert wurde, erklärte der Direktor.
87 Prozent der Bevölkerung bekommen Sebes-Wasser
Der Sebes versorgt 87 Prozent der Einwohner Luxemburgs und 78 Prozent des Territoriums mit Trinkwasser. Ihre Kunden sind die DEA (Distribution d’Eau des Ardennes) für den Norden des Landes, die SES (Syndicat des Eaux du Sud) für den Süden des Landes, die Stadt Luxemburg, der SIDERE (Syndicat Intercommunal pour la Distribution d’Eau dans la Région de l’Est) für den Osten des Landes und der SEC (Syndicat des Eaux du Centre) für die Gemeinden im Zentrum. 175 Kilometer Leitungen und Speicherbecken quer durch das Land bringen das aufbereitete Wasser zu den Kunden. Etwa 55 Personen arbeiten für die Sebes.
René Hoffmann/Tageblatt.lu
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