Der ehemalige UN-Flüchtlingskommissar und frühere portugiesische Premierminister António Guterres soll künftig als Generalsekretär der Vereinten Nationen in den Krisen dieser Welt vermitteln. Der Sicherheitsrat sprach sich am Donnerstag offiziell für den Portugiesen aus, wie Diplomaten in New York mitteilten.
Guterres kündigte an, er wolle den «verletzlichsten» Menschen der Welt dienen. Der scheidende Amtsinhaber Ban Ki-moon bezeichnete Guterres als eine «ausgezeichnete Wahl». Die einstimmig getroffene Entscheidung des Sicherheitsrats muss noch von der aus allen 193 UN-Mitgliedstaaten bestehenden Vollversammlung bestätigt werden, was aber als sicher gilt. Eine Abstimmung ist in der kommenden Woche geplant.
Einstimmige Entscheidung
Bereits am Mittwoch hatte sich der Sicherheitsrat bei einer informellen Probeabstimmung für den Portugiesen ausgesprochen, da noch mit 13 von 15 Stimmen. Die offizielle Entscheidung fiel nun einstimmig. Guterres erklärte nach dem Votum, er wolle demütig für die «Opfer von Konflikten und Terrorismus» arbeiten, für diejenigen, deren Menschenrechte verletzt wurden sowie für Opfer von «Armut und Ungerechtigkeit».
Er hoffe, dass die rasche und einstimmige Entscheidung für ihn symbolisch für einen Sicherheitsrat stehe, der künftig auch vereint auf die «schrecklichen Herausforderungen unserer Zeit» reagiere. Der 67-jährige Portugiese Guterres wird der erste frühere Regierungschef an der Spitze der UNO. Für ihn sprechen unter anderem seine große Erfahrung bei den Vereinten Nationen und seine Bilanz als Reformer.
44.000 Mitarbeiter
Der neue UN-Generalsekretär tritt seinen Posten zum Jahreswechsel an. Guterres war nach seiner Amtszeit als sozialistischer portugiesischer Regierungschef (1995 bis 2002) ab 2005 zehn Jahre lang UN-Flüchtlingskommissar. In dieser Zeit reduzierte er den in Genf ansässigen Verwaltungsapparat des UNHCR um ein Drittel und steigerte die Flexibilität der Organisation bei der Reaktion auf internationale Krisen.
Der UN-Generalsekretär steht einem Apparat von weltweit 44.000 Mitarbeitern vor und spielt auch eine politische Rolle, indem er beispielsweise Krisengebiete bereist, mit Spitzenpolitikern zusammenkommt und innerhalb der Weltorganisation eigene politische Schwerpunkte setzt.
Zehn Jahre Ban
Der derzeitige UN-Generalsekretär, der Südkoreaner Ban Ki-moon, scheidet zum Jahresende nach zehn Jahren an der Spitze der Vereinten Nationen aus dem Amt. In den vergangenen Monaten hatte es auch Bestrebungen gegeben, erstmals eine Frau mit dem Posten zu betrauen.
Unter den Kandidaten war die Vizepräsidentin der EU-Kommission, die Bulgarin Kristalina Giorgiewa, die allerdings erst in der vergangenen Woche dem Kreis der Anwärter beigetreten war. Giorgiewa gab sich bereits nach der Probeabstimmung im Sicherheitsrat am Mittwoch geschlagen und wünschte Guterres «alles Glück beim Verfolgen einer ambitionierten Agenda für die UNO».
Schon vor der offiziellen Entscheidung des UN-Sicherheitsrates für Guterres bezeichnete Ban seinen designierten Nachfolger als «ausgezeichnete Wahl». «Seine breite Kenntnis der Weltpolitik und sein lebendiger Intellekt werden ihm von Nutzen sein bei der Führung der UNO in einer entscheidenden Phase», sagte Ban in Rom.
Begeisterung in Portugal
Die Regierung in Lissabon nahm die Nachricht mit Begeisterung auf. «António Guterres war und ist ganz klar der beste Kandidat für den Posten – nicht nur wegen seiner persönlichen Qualitäten, sondern auch wegen seiner Erfahrungen bei den UN», sagte der portugiesische Präsident Marcelo Rebelo de Sousa der Zeitung «Expresso» zufolge.
Unter anderem seine Arbeit als UN-Flüchtlingskommissar zwischen 2005 und 2015 qualifiziere Guterres für den Posten, sagte Portugals Außenminister Augusto Santos Silva. «António Guterres hat die Fähigkeit, Brücken zu bauen. Er wird ein Generalsekretär sein, der als Stimme der gesamten Vereinten Nationen und aller 193 Länder fungiert, die ihnen angehören.»
Nach den ungeschriebenen regionalen Verteilungsprinzipien der UN wäre eigentlich ein Vertreter aus Osteuropa an der Reihe gewesen.
Zu Demaart
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