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Arbeitsplätze und Kollektivvertrag

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Am Mittwoch finden in Luxemburg Sozialwahlen statt. Dann wählen über 400.000 Arbeitnehmer ihre Vertreter in der Salariatskammer (CSL) sowie die Personaldelegierten in den Betrieben.

Im Vorfeld unterhielt sich das Tageblatt mit Véronique Eischen vom Syndikat Banken und Versicherungen des OGBL über die Anliegen der Beschäftigten im Finanzsektor.

Logo" class="infobox_img" />Véronique Eischen (OGBL).

Der Luxemburger Bankensektor steht vor großen Herausforderungen für die Zukunft. Die größte Sorge der Beschäftigten ist derzeit sicherlich der Erhalt der Arbeitsplätze. Denn seit dem Jahr 2008 waren rund 2.500 Personen dieses Sektors von Sozialplänen betroffen. Natürlich haben manche Betroffene wieder einen neuen Arbeitsplatz im gleichen Bereich gefunden. Doch auch in diesem Fall stellen sich oftmals eine ganze Reihe von Problemen.

Im Gegenteil zu den Banken gibt es bei den Investmentfonds und den anderen Gewerbetreibenden des Finanzsektors nämlich keinen Kollektivvertrag. Ein Angestellter, der seinen Job bei einer Bank verliert und einen neuen Arbeitsplatz im Finanzbereich erhält, riskiere demnach eine ganze Reihe an sozialen Errungenschaften zu verlieren, wie Eischen gegenüber dem Tageblatt erklärt.

Personalabbau und steigender Druck

Der Banken-Kollektivvertrag garantiere den Beschäftigten eine Verdoppelung der Kündigungsfrist, eine Juni-Prämie und eine höhere Kündigungsentschädigung als das vom Gesetz vorgesehene Minimum. Auch bei den Ferien und Ruhetagen bringt der Kollektivvertrag Verbesserungen. Vor allem aber sieht der Kollektivvertrag eine Gehaltstabelle vor. Angestellte, die wegen Stellenabbau von einer Bank zu einem anderen Betrieb im Finanzsektor wechseln müssen, riskieren demnach erhebliche Lohneinbußen, wie Véronique Eischen unterstreicht. Folglich plädiert der OGBL auch für die Einführung eines Kollektivvertrags im Rest des Finanzsektors.

Die Reduzierung der Anzahl der Beschäftigten hat außerdem Auswirkungen auf das Arbeitsklima. „Bei Entlassungen oder wenn Abgänge nicht ersetzt werden, steigt die Belastung für die übrigen Beschäftigten, da weniger Angestellte da sind, um dieselbe Arbeit zu verrichten“, so Eischen. Das führt zu Stress am Arbeitsplatz und kann sogar zu Mobbing und Burnout führen.

Neben dem Problem des Stellenabbaus steht der Finanzplatz Luxemburg insgesamt vor großen Herausforderungen. Die zukünftigen Entwicklungen haben Konsequenzen auf die Arbeitnehmer. Mutationen bedeuten nämlich, dass sich die Erwartungen an die Beschäftigten ändern. Deshalb muss die Weiterbildung einen immer höheren Stellenwert erhalten. Eine gute Weiterbildung und eine gute Vorbereitung der Arbeitnehmer auf die neuen Bedürfnisse im Finanzsektor kann helfen, Arbeitsplätze abzusichern. Die Weiterbildung wird folglich auch eine große Rolle in den anstehenden Kollektivvertragsverhandlungen bei den Banken spielen, wie Eischen erklärt.

Die Wichtigkeit der Weiterbildung

Was die aktuelle Gesetzgebung angeht, sieht Eischen noch Nachholbedarf. Neben der Notwendigkeit, ein Gesetz über den Sozialdialog in den Betrieben zu verabschieden, seien auch die Gesetzgebungen über die Sozialpläne und das PME-Gesetz („Plan de maintien dans l’emploi“) verbesserungsfähig. Bei den Sozialplänen müssten die Gewerkschaften präventiver in den Diskussions- und Entscheidungsprozess eingebunden werden. „Beim PME haben wir von Anfang an gesagt, dass es eine Verpflichtung geben muss, wenn man Resultate erzielen will“, meinte Eischen.

Eischen zieht eine positive Bilanz der Arbeit des OGBL während der letzten fünf Jahre. „Wir waren sehr präsent in den verschiedenen Betrieben und haben eine gute Arbeit leisten können“, so Eischen. Eine Folge dieses Engagements der Gewerkschaft und der Personaldelegierten ist die Anzahl der Kandidaturen bei den diesjährigen Sozialwahlen. Das Syndikat Banken und Versicherungen des OGBL hat 615 Kandidaturen eingereicht. Das sind fast doppelt so viele wie bei den vorigen Sozialwahlen im Jahr 2008, wo sich 380 OGBL-Kandidaten präsentierten.

Die Hauptanliegen des OGBL für die Sozialwahlen im Finanzsektor sind der Erhalt der Arbeitsplätze, die Verteidigung der sozialen Errungenschaften, gute Arbeitsbedingungen sowie die Vereinbarkeit von Job und Freizeit.