Dienstag17. Februar 2026

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Analyse aus dem Herzen Brüssels

Analyse aus dem Herzen Brüssels
(AP/Geert Vanden Wijngaert)

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Wieder haben Terroristen zugeschlagen, diesmal haben sie Ziele in der EU-Hauptstadt Brüssel getroffen. Belgien war vorgewarnt, analysiert unser Korrespondent Eric Bonse.

Brüssel. Es war ein sonniger Frühlingsmorgen in Brüssel. Die knapp zwei Millionen Einwohner der belgischen Kapitale bereiteten sich auf die Osterferien vor, die in Belgien am Freitag Abend beginnen. Der Flughafen Zaventem im Norden der Stadt war an diesem Dienstag um kurz vor 8 Uhr voller als sonst.

Panik im Flughafen

Doch dann passiert das Unfassbare: Ein Mann sprengt sich in die Luft, kurz darauf erschüttert eine zweite, gewaltige Explosion die Halle. Mindestens 14 Menschen kommen ums Leben, Körper werden durch die Luft geschleudert, Panik bricht aus. Zunächst ist noch nicht klar, ob es sich um einen Unfall handelt – oder um ein Attentat.

Doch kaum zwei Stunden explodiert eine weitere Bombe im Zentrum, in der Metrostation Maelbeek im Brüsseler Europaviertel. Sie reisst nach ersten Meldungen 20 Menschen in den Tod, mindestens 106 weitere werden zum Teil schwer verletzt. Nun besteht kein Zweifel mehr: Ganz ähnlich wie Paris im November ist nun auch Brüssel Ziel eines Terroranschlags geworden.

Brüssel war vorgewarnt

„Was wir befürchtet haben, ist eingetreten“, sagte Premierminister Charles Michel. Denn Brüssel war vorgewarnt. Spätestens seit Freitag vergangener Woche wussten die Behörden, dass die EU-Kapitale das Ziel von Terroranschlägen sein könnte.

An diesem Tag hatte die belgische Polizei im Problemviertel Molenbeek den Franzosen Salah Abdeslam festgenommen, einen der Hauptverdächtigen der Attentate von Paris und „Ennemy Nr. One“ in Europa. Seine Aussagen ließen das Schlimmste fürchten, sagte Außenminister Didier Reynders schon am Samstag.

Keine erhöhte Sicherheitsstufe

Doch trotz dieser Warnungen wurde die Sicherheitsstufe nicht erhöht. Die Regierung erklärte lediglich, dass die schon seit Wochen geltende Terrorwarnstufe drei bis April verlängert werde. „Alerte 4“, also die höchste Warnstufe, wurde nicht ausgerufen.

Weder in der Metro noch am Flughafen wurden besondere Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, jeder konnte den Flughafen unbehelligt betreten. Die Attentäter zündeten ihre Bomben dort, wo sich die meisten Menschen aufhalten: Unter der zentralen Anzeigetafel.

EU-Außenbeauftragte weint

Offenbar wollten die Täter, die dem Terror-Netzwerk von Abdeslam zugeordnet werden, den größtmöglichen Schaden anrichten. Ihr Ziel haben sie mit Bedacht ausgesucht: Der Flughafen ist ein Drehkreuz in Europa. Auch die Metro-Station Molenbeek ist symbolträchtig: Sie liegt in der Rue de la Loi, der größten Verkehrsader mitten im Brüsseler Europaviertel – in Sichtweite der EU-Kommission und in der Nähe des Amtssitzes des belgischen Premierministers.

Die Europäer reagierten prompt: „Terroristen haben Brüssel getroffen, aber es war Europa, das ins Visier genommen wurde“, sagte der französische Staatspräsident François Hollande. Die Anschläge zielten „auf das Herz Europas und richten sich in ihrer verbrecherischen Heimtücke auf wehrlose Menschen“, betonte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Besonders betroffen zeigte sich die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini: Bei einer Pressekonferenz im fernen Jordanien brach sie in Tränen aus.

Frankreich und Belgien kooperieren

Frankreich und Belgien haben in den vergangenen Monaten ihre Kooperation spürbar verstärkt. Eine gemeinsame Polizeirazzia hatte vor einer Woche zur Aufdeckung eines Waffenlagers im Brüsseler Stadtteil Forest geführt. In dem Versteck fanden die Ermittler auch Fingerabdrücke von Salah Abdeslam, die schließlich zu seiner Festnahme im Brüsseler Problemviertel Molenbeek führten.

Die belgischen Behörden haben bereits am Dienstag weitere Razzien in Brüssel durchgeführt.