Tageblatt.lu hat die Vorladungen der beiden ersten Gerichtswochen in Luxemburg-Stadt ausgewertet. Die kurze erste Woche (drei Sitzungstage) diente zu 99% dazu, vor den sechs zuständigen Kammern Verkehrsdelikte zu evakuieren.
Die Hitparade
74x zu viel Alkohol im Spiel.
53x Fahrerflucht.
51x kein Führerschein.
39x keine gültige Versicherung.
24x überhöhte oder unangepasste Geschwindigkeit.
16x war es ein Wiederholungsfall, wo zum Teil noch Fahrverbote auf Bewährung bestanden (über sonstige Vergehen im „Casier“ geben die Vorladungen keine Auskunft).
13x waren Drogen im Spiel.
In diesem Bereich ist es selten, dass ein Fall gleichbedeutend mit nur einem Vergehen ist. Meistens kommen mehrere Delikte zusammen.
Kavaliersdelikte? Von wegen!
Die Auswertung zeigt, dass sich sehr viel nicht an Regeln gehalten wird und bestätigt somit einen subjektiven Eindruck, den man vom Luxemburger Straßenverkehr haben kann. Oft werden Verkehrsdelikte, unangepasste und gefährliche Fahrweisen noch als Kavaliersdelikte bezeichnet resp. mit einem Schulterzucken abgetan.
Dass es aber keineswegs Belanglosigkeiten sind, sollte in einer Woche mit einem dramatischen Verkehrsunfall mit drei Todesopfern (Link) wieder so manch einem klar geworden sein. Man ist schließlich nicht alleine auf der Straße unterwegs, schneller als man denkt können Mitmenschen gefährdet sein. Jeder Einzelne muss im gemeinsamen Miteinander verantwortlich agieren.
Wen kümmerts?
Dass Alkohol die Statistiken anführt, ist nicht neu. Geschwindigkeit folgt weiter hinten als man vielleicht annehmen könnte, dafür überrascht die Zahl der Fahrerfluchten: 53 und Platz zwei in der Rangliste. Es ging in allen Fällen immer „nur“ um Materialschaden, aber trotzdem: einen Fehler gemacht, einen Schaden verursacht … und sich dann davon gemacht, anstatt sich dem Fehler zu stellen.
Die ähnliche Haltung „Kein Führerschein, na und? Ich fahre trotzdem.“ war in den ersten acht Sitzungstagen der Rentrée 51x Gegenstand der Verhandlung. 39x war der Beschuldigte indes nicht im Besitz einer gültigen Versicherung, ebenfalls alles andere als ein Kavaliersdelikt: Kommt es zu einem Schaden, riskiert das Opfer der Gelackmeierte zu sein, resp. muss sich Entschädigung mühselig erstreiten.
Polizeibericht: 27 Führerscheine schon wieder weg
Als Beispiel hat Tageblatt.lu ebenfalls eine Woche lang den Polizeibericht ausgewertet. 27 Führerscheine wurden in den letzten sieben Tagen bereits wieder eingezogen: 24x wegen zu viel Alkohol, 3x wegen überhöhter Geschwindigkeit. Vier Mal hatte der Beschuldigte keinen Führerschein und einmal war keine Versicherung vorhanden.
Ein Führerschein konnte indes nicht eingezogen werden: Unweit der Stelle des tödlichen Unfalls vom Mittwoch erwischte die Polizei am Donnerstag Abend einen Fahrer mit 154 km/h (90 erlaubt). Er konnte nicht gestoppt werden, da er mit über 180 km/h flüchtig ging …
Einen kleinen Einblick in den Gerichtsalltag gibt es am 19. September im Tageblatt (Print und Epaper): Wir wohnten einer Sitzung im Saal TL.1.07 bei, wo am Donnerstag in rund anderthalb Stunden sieben Fälle abgehandelt wurden und von der Staatsanwaltschaft insgesamt 161 Monate Fahrverbot gefordert wurden.
Zu Demaart
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