Die Ordnungsmacht geht gegen die Wall-Street-Protestler vor. In der Nacht zu Dienstag rückten Polizisten in Kampfmontur an und umstellten den New Yorker Zuccotti Park, in dem seit fast zwei Monaten die Menschen in Zelten ausharren und ihre Aktionen gegen die Macht der Banken und soziale Ungerechtigkeiten organisieren. Die Protestler wurden mit Handzetteln und Megafonen aufgefordert, das Gelände zu verlassen. Diejenigen, die blieben, führten die Polizisten in Handschellen ab. Bis zum Morgen war der Park geräumt, und Putzkolonnen rückten an. Auch in Zürich wurde nach einmonatiger Duldung ein Zeltlager geräumt.
«Wessen Park? Unser Park!» skandierten in New York die geschätzt 200 Menschen auf dem Gelände im Finanzbezirk, als die Polizeiaktion gegen 1 Uhr nachts begann. Viele Protestler verließen den Park unter dem Eindruck der Polizeimacht. Einige Dutzend harrten weiter aus, ketteten sich teilweise an, um die Räumung zu verhindern. Manche trugen Atemschutzmasken, weil sie den Einsatz von Tränengas fürchteten. Was später genau passierte, ist unklar. Die Fernsehteams, die mit ihren Übertragungswagen seit Wochen am Park stehen, wurden von der Polizei abgedrängt.
Polizei verprügelt Protestler
«Ich habe gesehen, wie die Polizei Leute geschlagen hat», sagte ein Mann in die Fernsehkameras. Bürgermeister Michael Bloomberg erklärte auf einer Pressekonferenz am Morgen (Ortszeit): «Es gibt keine ernsthaften Verletzungen, von denen wir wüssten.» Die Polizei sei professionell vorgegangen. Nach Bloombergs Worten gab es annähernd 200 Festnahmen im Park und den umliegenden Straßen, in die Protestler geflüchtet waren. «Wir haben ihnen viel Zeit gegeben, ihre Habseligkeiten zusammenzuräumen.»
New Yorks Polizeichef Raymond Kelly persönlich überwachte die Räumung. «Es waren mehrere hundert Polizisten im Einsatz», sagte er auf der Pressekonferenz. Bloomberg begründete die Räumung mit Sicherheitsbedenken: «Meine Sorgen haben zugenommen – wie die des Parkbesitzers Brookfield Properties -, dass die Besetzung eine Gesundheits- und Feuergefahr für die Protestler selbst und für die umliegende Nachbarschaft darstellt.» Schon einmal hatte Bloomberg einen Polizeieinsatz angeordnet, aber im letzten Moment einen Rückzieher gemacht.
«Erbobert die Wall Street zurück»
Über soziale Netzwerke wie Facebook begannen die Demonstranten gleich wieder, sich zu organisieren. Am Morgen zogen sie in großen Gruppen durch Downtown Manhattan. Ihr Motto nun: «Erbobert die Wall Street zurück.» Für Donnerstag haben die Demonstranten einen Straßenkarneval direkt an der Finanzmeile angekündigt. Schon am Dienstag war es für viele Beschäftigte mühsam, an ihren Arbeitsplatz zu gelangen.
Der Zuccotti Park liegt nur wenige Blocks von der Wall Street entfernt. Am frühen Morgen gehörte der Park zunächst den Putzkolonnen. Müllwagen standen bereit, um abgebrochene Zelte und andere Habseligkeiten der Protestler wegzufahren. Die Menschen hatten in den vergangenen Wochen eine regelrechte Mini-Stadt errichtet mit Küche, Versammlungsort und sogar Bibliothek.
Zurück, aber ohne Schlafsäcke und Zelte
Bürgermeister Bloomberg erklärte, dass die Protestler nach der Reinigung zurückkehren dürften – allerdings ohne Schlafsäcke und Zelte. «Der erste Zusatzartikel der US-Verfassung gibt jedem New Yorker das Recht, frei zu sprechen, aber nicht im Park zu schlafen», sagte er. «Sie müssen nun den Platz mit ihren Argumenten besetzen.» Ein Gericht befasst sich nun mit der Frage, ob die Protestler ihre Zelte und andere Habseligkeiten mitbringen dürfen oder nicht.
Auch in Zürich rückte die Polizei im Morgengrauen an und brach Zelte der Besetzer ab. 30 der rund 50 Demonstranten wurden abgeführt. Die Besetzer warfen den Beamten vor, zu heftig vorgegangen und Tränengas sowie Pfefferspray versprüht zu haben.
Im kalifornischen Oakland hatte die Polizei am Vortag ebenfalls mit einem Großaufgebot ein Camp mit Hunderten Menschen geräumt. Polizei-Chef Howard Jordan sprach laut «San Francisco Chronicle» von 32 Festnahmen.
«Empörte» in Luxemburg
Die Bewegung «Occupy Wall Street» («Besetzt die Wall Street») hatte im September in New York ihren Ausgang genommen und sich auf andere Städte ausgeweitet. Auch in Luxemburg gehen immer mehr «Empörte» auf die Straße und demonstrieren für eine gerechtere Welt.
Zu Demaart


























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