Das Verfahren gegen Silvio Berlusconi tritt in die Endphase. Angeklagt sind auch 33 Mädchen, denen Prostitution in Berlusconis Residenz vorgeworfen wird.
Der italienische Ministerpräsident muss sich wegen seiner mutmaßlichen Sexaffäre mit der damals 17-jährigen Prostituierten Ruby und wegen Amtsmissbrauch vor Gericht verantworten. Die 25-jährige lombardische Regionalrätin Nicole Minetti, die im Auftrag Berlusconis Ruby nach der Haftentlassung in Gewahrsam nahm, ist wegen Förderung der Prostitution mitangeklagt. (Tageblatt-Archiv/Alessandro Garofalo)
Angela Sozio war einmal Teilnehmerin an der italienischen Version von "Big Brother". Das reichte Berlusconi offensichtlich, um die junge Rothaarige als Kandidatin seiner Partei "Volk der Freiheit" für die Europawahl auszusuchen. Ehefrau Veronica Lario schäumte und rastete aus: "Ein schamloses Luder im Dienste der Macht", nannte sie Sozio.
Auch die Schauspielerin Eleonora Gaggioli landete auf Berlusconis Liste für das Europa-Parlament. (AP/Claudio Peri)
Die ehemalige TV-Moderatorin Barbara Matera ist die einzige aus der Gruppe der jungen und schönen Frauen, die es nach dem heftigen Streit um die Qualifikation dieser Kandidatinnen tatsächlich auf die Liste der Partei "Volk der Freiheit" für die Europawahl geschafft hat. (AP/Sandro Pace)
Eine Bemerkung Berlusconis löste die bis dahin heftigste öffentliche Ehekrise aus. Damals hatte der "Cavaliere" über seine Ministerin für Gleichstellungsfragen behauptet: "Ich würde sie heiraten, wenn ich nicht schon verheiratet wäre." Ex-Miss Carfagna begann ihre Karriere als Showgirl im italienischen Fernsehen und Nackt-Modell für diverse Herren-Magazine. (AP/Gregorio Borgia)
Gutaussehende Damen förderte Berlusconi gerne - die schöne Stefania Prestigiacomo bekleidete einst das Amt der Gleichstellungsministerin. (AP/Richard Drew)
Die Ermittler verdächtigen Berlusconi, mit einer "erheblichen Zahl" junger Prostituierter verkehrt zu haben, darunter auch die junge Brasilianerin Iris Berardi. Diese soll minderjährig gewesen sein, als sie an Festen in einer Villa Berlusconis in Arcore teilnahm. (Youtube)
Das Callgirl Nadia Macri tauchte plötzlich in den Medien auf. Sie erzählte von Drogen für die angeheuerten Mädchen in Berlusconis sardischer Villa und von 5.000 Euro pro Nacht für sexuelle Leistungen. (20min/cen)
Berlusconi intervenierte persönlich, um eine damals 17-jährige Prostituierte aus dem Polizeigewahrsam zu befreien. Später plauderte "Ruby Rubacouri" Details über wilde Orgien in Berlusconis Villa in Arcore bei Mailand aus. Dabei sollen die Gäste in den Genuss von Bunga Bunga gekommen sein, einem angeblich erotischen Schauspiel, das Berlusconi bei seinem libyschen Freund Muammar Al-Gaddafi kennengelernt haben will. (AP)
Patricia D'Addario gehört zu den 30 Frauen, die in einem Protokoll der Staatsanwaltschaft als Teilnehmerinnen an bis zu 18 Berlusconi-Partys genannt werden. Bei den Treffen sollen einige Frauen den Gästen auch für Sex zur Verfügung gestanden haben. (20min/Olympia/sipa)
Ebenfalls auf der Liste der Schönen, die angeblich Berlusconi trafen: Barbara Guerra. Der Unternehmer Gianpaulo Tarantini behauptete, er habe Treffen von Berlusconi mit Callgirls arrangiert.
Auch die TV-Moderatorin Linda Santaguida tauchte in den brisanten Protokollen auf.
Barbara Montereale: Auch sie schaffte es auf die Liste. Früher war diese Dame auf Pin-up-Kalendern zu finden. (AP/Luca Turi)
Silvio Berlusconi soll in Neapel zur Geburtstagsfeier der 18 Jahre alten Noemi Letizia erschienen sein. Die junge Frau behauptet, teure Geschenke vom "Cavaliere" bekommen zu haben und nennt ihn liebevoll "Papi". (AP/Franco Castano)
Die Mailänder Staatsanwaltschaft schloss am Dienstag die Ermittlungen gegen den Chefredaktor der Tagesschau TG 4, Emilio Fede, gegen den Showgirl-Manager Lele Mora und die Regionalpolitikerin Nicole Minetti ab.
Die drei Angeklagten werden beschuldigt, Callgirls für ausschweifende Partys in der Villa des italienischen Premiers Silvio Berlusconi in Mailand vermittelt zu haben. Den drei Angeklagten wird Beihilfe zur Prostitution vorgeworfen.
13 Mal Sex mit «Ruby»
Berlusconi hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft mehrfach Sex mit der damals minderjährigen Marokkanerin «Ruby». Berlusconi habe die Jugendliche 13 Mal für intime Treffen bezahlt, heisst es in Unterlagen, die der Nachrichtenagentur AP am Dienstag vorlagen.
Das siebenseitige Dokument bezieht sich auf Ermittlungen gegen drei Vertraute, die dem Regierungschef Prostituierte zugeführt haben sollen.
Müssen die Mädchen vor Gericht antraben?
Die Mailänder Untersuchungsrichterin Cristina Di Censo, die bereits einen Prozess am 6. April gegen Berlusconi festgelegt hat, muss in den nächsten Tagen entscheiden, ob sich die Angeklagten vor Gericht verantworten müssen.
Laut den Staatsanwälten ist genug belastendes Material vorhanden, um Minetti, Fede und Mora vor den Richter zu bringen. Sie werden unter anderem beschuldigt, das damals minderjährige Callgirl Ruby zu Berlusconis Partys eingeladen zu haben.
Die Rechtsanwälte Berlusconis arbeiten inzwischen an einer Verteidigungsstrategie, um ihrem Mandanten eine Verurteilung bei dem am 6. April beginnenden Prozess wegen Amtsmissbrauchs und Sex mit einer minderjährigen Prostituierten zu ersparen. Der Premier hatte kürzlich bekanntgegeben, dass er sich persönlich vor Gericht verteidigen werde.
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