Mit dem Sterben verbindet der Mensch vieles. Auf den ersten Blick ist es kaum etwas Schönes, der Tod macht Angst. Die Kunst trägt genau diesen Antagonismus in sich: Sie verbindet auf der einen Seite den Schrecken mit dem Tod und auf der anderen Seite zelebriert sie diesen. Das gilt für die Malerei und die Musik, genauso wie für den Film und das Ballett, die Fotografie und die Mode. Hier ist der Totenschädel längst nicht mehr nur mehr ein Emblem der Subkultur von Heavy Metal bis Gothic, sondern er feiert als Modeaccessoire wahre Triumphe.
Der Modedesigner Wolfgang Joop hat unter dem Titel „Tod und Glauben“ jedoch einen anderen Weg eingeschlagen. Er hat sich mit Skulpturen und Stoffkreationen künstlerisch mit der eigenen Vergänglichkeit auseinandergesetzt.
Die Kunst verdrängt den Tod nicht. Sie hat ihn im Lauf der Zeit aus unterschiedlichen Blickwinkeln in allen Facetten beleuchtet, nicht als unausweichliches Schicksal, sondern in seiner politischen und gesellschaftlichen Dimension.
Der „Totentanz“, ursprünglich ein Wandgemälde, das im 15. Jahrhundert in Paris entstand, wo es den „Cimetière des Innocents“ schmückte, hat von Frankreich aus in der ganzen Welt Schule gemacht, er hat auch Musik und Literatur beeinflusst.
Von Berlioz über den Rap bis hin zu Folkrock und Heavy Metal haben Musiker ihn zelebriert, genau wie Johann Wolfgang von Goethe, Rainer Maria Rilke und Walter Scott (siehe dazu auch unseren Beitrag in der Tageblatt-Donnerstagausgabe / 31.Oktober 2013 / Seite 20).
Vom Märchen bis zum Film
Die Brüder Grimm haben sich in dem Märchen „Gevatter Tod“ mit dem Tod auseinandergesetzt, als sie erzählten, wie der arme Vater für sein 13. Kind in seiner Verzweiflung letztendlich den Tod als Paten wählte.
Mit den Gründen, die einen Menschen in den Tod treiben, beschäftigt sich auch Thomas Mann in „Tod in Venedig“, genau wie auch im „Zauberberg“.
Um das Sterben in Anmut geht es im „Sterbenden Schwan“. Das Sterben des reichen Mannes steht bei Hugo von Hoffmannsthal in „Jedermann“ und bei Eugène Ionesco in „le Roi se meurt“ im Blickpunkt.
Ionesco geht von der Idee des Endes einer Herrschaft aus, um bei der Haltung des Menschen gegenüber seines Todes zu enden.
Die Literatur der Gegenwart beschäftigt sich besonders intensiv mit dem Ende des Lebens: Gleich zwei Neuerscheinungen nehmen es zum Thema. „Aller Tage Abend“, heißt der Roman von Jenny Erpenbeck, „Soutines letzte Fahrt“ der von Ralf Dutli. In „Geschichten vom Sterben“ erzählen die Ärztin Petra Anwar und der Autor John von Düffel ziemlich ungeschminkt, wie das Leben zu Ende geht und wenn David Wagner den Erfahrungsbericht über seine Leber-Transplantation (für den er den Preis der Leipziger Buchmesse erhielt) einfach „Leben“ nennt, lässt auch das tief blicken.
In der französischen Literatur hat unter anderen Baudelaire sich mit dem Tod auseinandergesetzt, aber auch Louis-Ferdinand Céline, Jacques Brel, Léo Ferré und Georges Brassens.
Der Film hat sich ebenfalls mit dem Tod beschäftigt. Als Beispiele herausgepickt seien „Sept morts sur ordonnance“ von Jacques Rouffio, einem Film von 1975 mit Michel Piccoli, Gérard Depardieu und Jane Birkin und „Death man walking“, der 1995 der Frage nach der Todesstrafe nachgeht.
In der Malerei war der Tod Christi jahrhundertelang ein beliebtes Thema, besonders bei den italienischen Künstlern. Zu den Meisterwerken gehört Michelangelos „Das Jüngste Gericht“ in der Sixtinischen Kapelle.
In den Brüsseler „Musées Royaux des Beaux-Arts“ hängt Jacques-Louis Davids „Mort de Marat“, der von Charlotte Corday in seiner Badewanne getötet wurde. Der gleiche Künstler hat auch Sokrates Tod dargestellt, mit diesem Bild ist er im New Yorker Museum of Modern Art vertreten.
Aus unserer Zeit sei Andy Warhol erwähnt, dem man spontan eher mit Suppendosen oder Coca-Cola-Flaschen assoziiert. Er hat sich sehr intensiv mit dem Tod beschäftigt. Ein Fünftel seines Oeuvres steht im Bannkreis des Todes.
„Memento mori – Bedenke, dass Du sterben musst“, haben die alten Römer ihren Feldherren ins Ohr geflüstert, wenn diese im Triumph heimkehrten. Dieses Bewusstsein des Vergänglichen, das bereits in der Bibel genannt wird, behält seine ganze Wahrheit.
Zu Demaart
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