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Vom französischen Keller ins Web

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Der 28. Dezember 1895 gilt als Geburtsstunde des Kinos. 120 Jahre später gibt es Multiplexe und Streaming-Filmportale. Wie sieht das Kino von Morgen aus?

Das Tor geht auf. Frauen und Männer strömen heraus. Die meisten lachen und reden. Der Kurzfilm der französischen Gebrüder Lumière wurde am 28. Dezember vor 120 Jahren im Keller des Pariser Grand Café erstmals öffentlich gezeigt. Der Eintrittspreis betrug einen Franc. Die Projektion von «La sortie de l’usine Lumière» (Arbeiter verlassen die Lumière-Werk) gilt als Geburtsstunde des Kinos in Europa.

Das Grand Café in der Nähe der Pariser Oper Garnier gibt es schon lange nicht mehr. Es ist einem Nobelhotel gewichen, auf dessen Fassade eine Gedenktafel an das Ereignis vor 120 Jahren erinnert. Denn den Stummfilm-Kinovorführungen in Kaffeehäusern, Variétés oder Zirkuszelten folgten bald schon Projektionen in Lichtspielhäusern und Kinopalästen.

Streaming-Portale

Heute haben weltweit Multiplexe die Kinolandschaft erobert und die Saalbetreiber ihre mechanischen Projektoren durch Digital-Projektoren ausgewechselt. Und was vor zehn Jahren noch unvorstellbar war, ist Alltag geworden: Filme und Kino auf Mausklick mit Streaming-Portalen.

Auf dem Weg vom französischen Keller ins weltweite Netz wurde dem Kino das nahe Ende schon öfter vorhersagt. So zum Beispiel mit der zunehmenden Verbreitung des Fernsehens ab den späten 1950er Jahren, die zu einem Rückgang der Besucherzahlen führten. Kulturpessimistische Visionen wurden auch wieder in den vergangenen Jahren laut.

Kinos schließen

Immer mehr Programmkinos schließen, die ein Publikum für Filme suchen, die sich jenseits der in den Multiplex-Kinos gezeigten Blockbuster und US-Produktionen ansiedeln. Aber auch die Megavorführungskomplexe sehen teilweise schwarz. In Amerika soll der Abwärtstrend nach Angaben des Hollywood-Reporters schon seit 1995 anhalten. Die Rekordzahlen von «Star Wars» waren 2015 wohl das schönste Weihnachtsgeschenk. An seinem ersten Wochenende hat der neue «Krieg-der-Sterne»-Streifen weltweit 529 Millionen Dollar (knapp 487 Millionen Euro) eingespielt.

Auch Christopher Nolan, Regisseur der Erfolgsfilme «Interstellar» und «The Dark Knight», gehört zu den Mahnern. Der 45-Jährige kritisierte auf einem Londoner Filmfestival vor allem die Kinobesitzer. Sie würden sich damit begnügen, einen leeren Raum zur Verfügungen zu stellen, in dem die Vorführungen nur noch von Computern gesteuert werden, erklärte Nolan. Man müsse aus dem Kinogucken wieder ein Erlebnis machen. «Wenn dieses Erlebnis nicht wertgeschätzt wird, werden die Menschen aufhören, ins Kino zu gehen.»